Heeresbergführer aus Mittenwald beim Höhenklettern in Gefahr. In der Ausgabe 2/2006 unseres "Bundeswehr-Sportmagazins" haben wir über den Extrembergsteiger Matthias Robl und seine geglückte Erstbesteigung auf den "Shimshal White Horn" (6304)in Pakistan berichtet. Der 36-jährige Hauptfeldwebel ist Heeresbergführer und als Rettungssanitäter im Standort- Sanitätszentrum in der Mittenwalder Edelweißkaserne tätig.

Teilen die Begeisterung für das Höhenbergsteigen: Matthias und Alexandra Robl standen als erste Menschen ohne Sauerstoff auf dem "Shimshal White Horn" in Pakistan.
Zusammen mit Oberstabsarzt Dr. Markus Tannheimer aus dem Bundeswehr- Krankenhaus in Ulm stand Robl mit seiner Ehefrau Alexandra (30) am 23. Juli 2006 als Erster auf dem 6304 Meter hohen Gipfel in Pakistan.
Dass sein Hobby "Höhenbergsteigen" nicht nur Gipfelglück bereit hält, sondern durchaus gefährliche Seiten hat, dass musste Robl knapp vier Monate später selbst erleben. Im November 2006 leitete er im Auftrag des im Deutschen Alpen Vereins (DAV) integrierten "Summit Clubs" eine fast vier Wochen dauernde Expedition nach Nepal auf den 7145 Meter hohen Pumori im Everestgebiet. Wegen Lawinengefahr musste Robl die aus acht Bergsteigern und drei Sherpas bestehende Expedition kurz vor Erreichen des Gipfels abbrechen.

Bergsteigerisches Können ist bei diesen steilen Anstiegen gefragt.
"Der Flug von München über Doha (VAR) nach Katmandu verlief planmäßig", erinnert sich Robl, "In Nepal herrscht wieder Frieden und ist deshalb ein ruhiges Reiseziel". Von Katmandu ging es mit einer kleinen Maschine weiter nach Lucla ins Everestgebiet. Nach dem zur Akklimatisierung dienenden siebentägigen Anmarsch kam die von Robl geführte Gruppe im Pumori- Basislager in 5350 Meter Höhe an. "Das Lager lag an einem See indem sich der Pumori spiegelte", schwärmt Robl, "Ein wahnsinniges Naturschauspiel für alle Teilnehmer".

Die Robl-Expedition hat das Pumori-Basislager erreicht.
Durch einen Grippeinfekt geplagt, fingen die drei engagierten Sherpas an, die Strecke zum "Advance-Base- Camp (ABC) Lager in 5650 Meter Höhe und weiter zum Hochlager I auf 6200 zu versichern. "Durch viel Schnee brauchten die Sherpas zwei Tage". Dann führte Robl die Expedition hinauf ins ABC-Lager. "In der nächsten Nacht konnten wir kaum schlafen", denkt der Expeditionsleiter mit Schrecken zurück, "Eis und Steinschlag jagte rechts und links an unserem Lager vorbei". Da am Morgen von einer Lawine nichts zu sehen war, stieg Robl mit vier Teammitgliedern über die von ihm ausgewählte Route über den "Südwestgrat" zum Hochlager I auf. "Von dort aus wollte ich die Strecke zum Hochlager II versichern".

Der Aufstieg zum Lager II.
Viel Neuschnee und Windverfrachtungen ließen nur einen Teilabschnitt von 100 Metern in dem exponierten Gelände zu. "Dann erhielten wir über Funk die Nachricht, dass vier Sherpas einer auf dem Normalweg zum Gipfel aufsteigenden internationalen Expedition durch Steinschlag in den Tod gerissen wurden". Robl führte seine Kameraden zurück ins Basislager. Von dort begann Robl am nächsten Tag mit der Suche nach den Verunglückten. "Wir fanden nur einen toten Sherpa, seine drei Kameraden steckten unter der Lawine. Der Tote wurde mit dem Helikopter ins Tal geflogen".

Höhenbergsteigen: Faszinierend aber gefährlich. Am Hochlager I ließ Robl (hinten in der Eishöhle) später die Expedition auf den Pumori abbrechen.
Nach einer weiteren "Schlafnacht" im Basislager stieg Robl trotzdem wieder ins Lager I hinauf, um die dort stehenden Zelte abzubauen und Material zu bergen. "Aufgrund dem Neuschnee und der daraus resultierenden großen Lawinengefahr wollten von hier aus meine Sherpas nicht mehr weiter. Ich habe deshalb die Expedition abgebrochen".
Dass seine Entscheidung genau richtig war, bestätigte sich in der nächsten Nacht. Da raste eine weitere Steinlawine vom Pumori hinab. "Genau über die Route in der Nähe vom ABC-Lager", schildert Robl, "Auf der wir den Aufstieg geplant hatten. Die Steine so groß wie Autos hätten uns alle in den Tod gerissen".
Als Extrembergsteiger will er trotzdem einen zweiten Versuch am Pumori wagen. "Dieser Gipfel ist ein Spitzenberg und bleibt mein großes Ziel. Danke an mein starkes Team". Die Faszination des Höhenbergsteigens lässt einen wie ihn eben nicht los. Zumal wenn die Ehefrau sein Hobby teilt.
Wolfgang Kunz


