Universität der Bundeswehr München ist Austragungsort der Europameisterschaft Militärischer Fünfkampf vom 15. bis 23. Juli. Im Juli werden sich einige Besucher auf dem Campus die Augen reiben: Denn die Sportarten, in denen sich die rund 400 Athleten aus 25 Nationen messen, sind mehr als ungewöhnlich:
Die Sportler rennen nicht nur um die Wette, sondern balancieren währenddessen auch über Schwebebalken, überwinden bis zu fünf Meter hohe Hindernisse oder krabbeln unter Barrieren durch. Und dieser Hindernislauf ist nur eine von fünf Disziplinen, die im Rahmen der Europameisterschaft Militärischer Fünfkampf, die von 15. bis 23. Juli an der Universität der Bundeswehr München stattfindet, geboten wird.

50 Jahre Militärischer Fünfkampf
Der Militärische Fünfkampf ist eine vergleichsweise junge Sportart. Die Idee geht zurück auf einen französischen Offizier, Henri Debrus, der 1946 vorschlug, einen Sportwettbewerb nur für Soldaten ins Leben zu rufen. Er übernahm unter anderem Elemente eines Sporttrainings der niederländischen Armee und veränderte und modifizierte sie zu einem Fünfkampf. Der erste Wettbewerb fand im August 1947 in Freiburg statt, es nahmen ein französisches, ein belgisches und ein niederländisches Team teil. Die Sportart "Military Pentathlon" mit den fünf Disziplinen Schießen, Hindernisbahnlauf, Hindernisbahnschwimmen, Weit- und Zielwurf sowie Geländelauf war geboren.
Bald interessierte sich auch die CISM (International Military Sports Council) für das Projekt und begann, internationale Wettkämpfe mit wachsender Beteiligung zu organisieren. Veränderungen in den Disziplinen hat es in den letzten 50 Jahren kaum gegeben, lediglich das Teilnehmerfeld hat sich erweitert. Seit 1991 starten auch Frauen auf internationaler Ebene im Militärischen Fünfkampf; und seit 1993 ist auch der Hindernis-Staffellauf fester Bestandteil im Vergleich der Nationen. Heute gibt es jedes Jahr etliche Wettbewerbe. Höhepunkte sind die im jährlichen Wechsel stattfindende Europa- und Weltmeisterschaft.
Spitzensport in Neubiberg und Umgebung
2007 ist Neubiberg Austragungsort der Europameisterschaft. Neben der Hindernisbahn und weiteren Sportstätten auf dem Campus der Universität finden Wettbewerbe an der Olympia- Schießanlage in Garching-Hochbrück und im Freibad der Gemeinde Unterhaching statt. Der Geländelauf wird durch die Gemeinden Neubiberg und Unterhaching führen. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei, es verkehren Shuttle-Busse. Ein Rahmenprogramm mit Live-Musik unterhält die Fans nach den Wettkämpfen. Bei den Wettbewerben können Zuschauer live erleben, welche Fähigkeiten den Fünf-Kämpfern abverlangt werden.
"Vor allem Vielseitigkeit ist gefragt", weiß Maximilian Küblböck, der innerhalb der Sportfördergruppe Koordinator für Militärischen Fünfkampf ist. Denn die Fünfkämpfer bringen körperliche Höchstleistungen, die vergleichbar sind mit Ausdauersportlern olympischer Sportarten. Doch gleichzeitig ist höchste Konzentration und Koordination gefragt. Und natürlich sind die Zuschauer gefragt, wenn es darum geht die beiden deutschen Teams anzufeuern. Denn die Zielsetzung ist klar: Bei der EM im eigenen Land soll der Titel, der 2004 gewonnen wurde, verteidigt werden, so der Traum der deutschen Mannschaft.
Schießen
Der Schießwettkampf ist normalerweise die erste Disziplin im Militärischen Fünfkampf. Der Wettkampf beinhaltet ein Präzisionsschießen und ein Schnellfeuer. Zu Beginn hat der Schütze fünf Minuten Zeit für fünf Probeschüsse; anschließend absolviert er in maximal zehn Minuten zehn Präzisionsschüsse; danach gilt es zehn Schüsse in einer Minute abzugeben. Geschossen wird mit einem großkalibrigen Standardgewehr; die Distanz beträgt 200 Meter. Nebst hoher Konzentration ist eine gute Entspannungsfähigkeit gefragt; die Disziplin steht damit im Gegensatz zu den vier anderen, körperlich anstrengenderen Disziplinen.
Weltrekord:
Männer: 200 Punkte
Frauen: 199 Punkte
Hindernisbahnlauf
Eine Hindernisbahn ist 500 Meter lang und hat mindestens zwei Bahnen, auf denen jeweils ungefähr gleich schnelle Athleten gegeneinander starten. Die 20 Hindernisse sind international standardisiert. Die Hindernisbahn gehört als Königsdisziplin des Militärischen Fünfkampfs sicherlich zu den härtesten Herausforderungen im Sport überhaupt. Denn der Athlet erlebt ständige Rhythmuswechsel - zum Beispiel durch hohe Sprünge und den hohen Krafteinsatz beim Überwinden der bis zu fünf Meter hohen Hindernisse -, die die Atmung behindern und eine extrem hohe Säurebelastung in allen Muskelgruppen erzeugen. Die Hindernisbahn ist nicht nur in punkto Zuschauerattraktivität, sondern auch für die Sportler selbst sehr spannend und interessant. Die Hindernistechnik, die Ästhetik und die enorme Athletik der ganzen Disziplin sind faszinierend.
Weltrekord:
Männer: 2:11,9 Minuten
Frauen: 2:13,6 Minuten (Die Frauen lassen die 4 hohen Sprunghindernisse weg)

Hindernisschwimmen
Der Wettbewerb findet in einem 50- Meter-Becken mit vier standardisierten Hindernissen statt. Das Hindernisschwimmen erfordert in erster Linie Hindernistechnik und Schnellkraft kombiniert mit Gleitvermögen und Schwimmtechnik. Speziell das Überwinden des 50 cm über dem Wasser liegenden Tischs ist eine Herausforderung. Die kurze Sprintdistanz von 50 Metern verlangt auch absolute Konzentration und punktgenaue Leistungsbereitschaft für den einzigen und entscheidenden Durchgang. Gestartet wird auf 2 Bahnen, mit ungefähr gleich starken Athleten gegeneinander.
Weltrekord:
Männer: 23,8 Sekunden
Frauen: 27,6 Sekunden
Werfen
Die Athleten absolvieren je vier Zielwürfe auf 20, 25, 30 und 35 Meter (Frauen: 15, 20, 30, 35 Meter) sowie drei Weitwürfe. Der Wurfkörper ist ein zylinderförmiger Eisenrohling, der bei den Männern 575 Gramm, bei den Frauen 375 Gramm wiegt. Geworfen wird von einem Wurfstand, der eine drei Meter lang Anlauffläche hat und von einer brusthohen Mauer begrenzt wird. Das Ziel ist ein Kreis mit einem inneren Radius von zwei Metern und einem äußeren Radius von vier Metern. Außer Konzentration und Koordination ist beim Werfen - im Gegensatz zum Schießen - auch Muskelkraft und Schnellkraft gefragt. Werfen gehört zu den koordinativ anspruchsvollsten Bewegungsmustern im Sport.
Weltrekord:
Männer: 216,3 Punkte (136 Punkte + 80,3 Meter)
Frauen: 198,7 Punkte (198,7 Punkte + 62,7 Meter)
Geländelauf
Der 8 Kilometer lange Crosslauf (Frauen 4 Kilometer) steht im Gegensatz zum Hindernisbahnlauf, er entspricht einem Langstreckenlauf in der Leichtathletik. Gelaufen wird auf unterschiedlichem Untergrund (Wald-, Kiesund Gras). Der Lauf wird immer als letzte Disziplin im Jagdstartsystem durchgeführt, d.h. der Führende aus den ersten vier Disziplinen startet zuerst und alle weiteren werden mit einem den Wertungspunkten entsprechenden Zeitrückstand auf die Verfolgung geschickt. Damit ist der zuerst ins Ziel Einlaufende auch gleichzeitig der Sieger des gesamten Wettkampfs - muss aber deshalb nicht unbedingt Gewinner des Crosslaufs sein.
Weltrekord:
Männer: 24:25,2 Minuten
Frauen: 13:26,7 Minuten
Hindernisbahn - Staffellauf
1993 erstmals erprobt und seit 1995 offiziell im Kanon der Militärischen Fünfkampf- Meisterschaften, findet dieser Wettbewerb meist zum Schluss der Wettkampfwoche statt. Jeweils vier Männer und drei Frauen einer Nation treten gegen ein anderes Team an. Der Sieger kommt im K.o.-System weiter in die nächste Runde.
Programm Was ist geboten in der EM-Woche? Montag, 16. Juli: Dienstag, 17. Juli: Mittwoch, 18. Juli: Donnerstag, 19. Juli: Freitag, 20. Juli: Samstag, 21. Juli: Sonntag, 22. Juli: |
Text: Stephanie Linsinger
Fotos: Universität der Bundeswehr München


