Der AKRO Köln hatte zum Monatsvortrag in die Luftwaffenkaserne Wahn als fachkundigen Referenten den Oberstleutnant d.R. Diplomwissenschaftler Dr. phil. Winfried Benner eingeladen. Der Absolvent der Deutschen Sporthochschule Köln hatte 15 Jahre die CIOR-Mannschaft geführt, war Vorsitzender des Sportausschusses des Reservistenverbandes und Landesvorsitzender von Bayern.

CIOR Mannschaft München 1973
Benner, der in seiner Dissertation an der Uni Würzburg den Sport in den beiden Armeen Nachkriegsdeutschlands vor und nach der Wieder-vereinigung wissenschaftlich untersucht hatte, wählte als Vortragsthema den aktuellen "Sport als Mittel der Politik". Anhand der 28 Olympischen Spiele zeigte er im Detail die Wechselbeziehungen von Sport und Politik auf. Paradebeispiele waren der Sport im 3.Reich als Demonstration der politischen Überlegenheit des Nationalsozialismus.
Sport als "war without weapons" wurde nach Ende des 2. Weltkrieges zum Machtkampf zwischen Russland und Amerika. Auch im geteilten Deutschland führte der Staatssport in der DDR zur Überlegenheit gegenüber der Bundesrepublik, was sich im Medaillenspiegel ablesen ließ. Über den Sport erreichte die sozialistische DDR die Aufhebung des Alleinvertretungsanspruches der "BRD", die Aufnahme in die UN, eine eigene Olympiamannschaft mit Flagge und Hymne der DDR und die staatliche Souveränität. Grundmotiv war das Nationalprestige, die Darstellung der Überlegenheit in Weltanschauung und Gesellschaft des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus.
Die Olympischen Spiele als weltweit größte Sportveranstaltung sind zugleich Schaufenster und Gradmesser der Weltpolitik. An zahlreichen Beispielen konnte der Referent diese Feststellung untermauern. Die Absage der Spiele 1916, 1940 und 1946 wegen der beiden Weltkriege zeigt, dass dem IOC die moralische Autorität der Spiele in der Antike fehlt. Damals galt eine totale, verbindliche Waffenruhe. Die Spiele wurden trotz der Kriege durchgeführt. Da Russland durch seine Sportsoldaten und gezieltes Doping meist den Platz 1 in der Nationenwertung vor den USA errang, nahm John F. Kennedy die Herausforderung im Weltraum und im Sport an. Der College Amateur-Sport wurde gezielt durch die 3 Teilstreitkräfte unterstützt.

Dr. Winfried Benner
In Frankreich ordnete de Gaulle nach dem Debakel von 1960 ein staatliches Förderprogramm an, in dessen Mittelpunkt die Sportkompanien standen. Die DDR in ihrem Kampf um Platz 3 förderte in der NVA und in Armeesportclubs den Spitzensport. Gleichzeitig wurde planmäßig und flächendeckend vom Kind bis zum Erwachsenen gedopt, was zur deutlichen Überlegenheit gegenüber dem Westen führte. Die Bundesrepublik versuchte durch die Sporthilfe Neckermann und gute Sportstätten gegen zu halten, was sich als unzureichend herausstellte. Nach französischem Modell wurden Sportkompanien und Fördergruppen mit hohem finanziellen Aufwand aufgebaut. Soziale Absicherung bieten bis heute die 744 Planstellen für Soldaten und Soldatinnen. Hinzu kommen 2.500 Wehrübungstage für Bundeswehrreservisten.
In enger Anlehnung an die Trainings- und Leistungszentren der zivilen Fachverbände wurde die Bundeswehr zu einer Medaillenschmiede. Nach der Wiedervereinigung rückte Deutschland bei den Winterspielen auf Platz 1 und etabliert sich auch bei den Sommerspielen unter die großen Drei. Bei den Spielen in Atlanta waren 70 Soldaten am Start, die 25 Medaillen errangen, d.h. 50 Prozent aller deutschen Medaillen. In Turin 2006 wurde Deutschland beste Wintersportnation. Die 73 Sportsoldaten der Bundeswehr errangen 19 Medaillen, d.h. 66 Prozent der Deutschen Medaillen. Sportlerin des Jahres wurde Hauptfeldwebel Kati Wilhelm, Sportler des Jahres Oberfeldwebel Michael Greis (beide Biathlon).
Benner stellte fest, dass durch die Olympischen Spiele in München, sowie die Weltmeisterschaften 2006 im Fußball, Handball und Reiten Deutschland weltweite Anerkennung für perfekte Organisation und Gastfreundschaft erhalten hat. Die positiven Auswirkungen auf Politik, Wirtschaft und Tourismus stärkten den Optimismus.

CIOR Delegationschefs 1974 Oslo
In seiner Prognose für die 29. Olympischen Spiele 2008 in Peking sieht Benner Gastgeber China vor Amerika und Russland an der Spitze der Nationenwertung. Deutschland auf Platz 4 könnte beste Sportnation Europas werden.
AKRO Vorsitzender Fredo Landvogt dankte dem Referenten aus dem bayerischen Hammelburg für Vortrag und Diskussion.
OTL d.R. Fredo Landvogt


