Gefreiter Dominic Hanselmann ist der einzige American Football Spieler in der Sportförderung der Bundeswehr und hat große Ambitionen. Am liebsten trägt Gefreiter Dominic Hanselmann die Rückennummer "7". Der 20-jährige Soldat aus der Sportfördergruppe Stuttgart gilt als hoffnungsvolles deutsches Nachwuchstalent im American Football.
Sein größter Traum ist es, einmal bei seinem Lieblingsteam, den Denver Broncos, in der National Football League (NFL) in den USA zu spielen. Dann allerdings wird er sich mit einer anderen Trikotnummer zufrieden geben müssen. Die "7" wird dort nämlich nicht mehr vergeben. Die bleibt für immer mit John Elway verbunden, der dort von 1983 bis 1998 Quarterback war und sein Team zwei Mal hintereinander zum Gewinn des Super Bowls führte.

Wie Erfolg schmeckt, davon konnte auch Dominic Hanselmann bereits eine Kostprobe nehmen. Sein bisher größter Triumph ist der Gewinn der Vize-Europameisterschaft mit der Jugend-Football-Nationalmannschaft. In Moskau verlor er mit dem deutschen Team im Finale knapp gegen Frankreich. Dominic, der auf der Position des Wide Receivers spielt, ärgert sich noch heute über die Niederlage.
Ehrgeizig ist der drahtige 1,80 Meter große und 80 Kilogramm schwere Spieler. "Seine Stärke ist sein absoluter Wille, sein großes Wissen über den Sport und seine gute Technik", sagt Vater Martin Hanselmann, der auch gleichzeitig sein Trainer ist. Tag für Tag schuften die beiden im Heimatort Neusitz (Rothenburg ob der Tauber) dafür, dass die Karriere des Sohnes weiter voran kommt.
Überdurchschnittlich gut fangen könne er und sehr flink sei er dazu, ergänzt der Coach. Genau die Eigenschaften, die ein guter Receiver braucht. Vater Hanselmann muss es wissen: Er war 1983 einer der Gründer des örtlichen Football- Clubs, den Franken-Knights, und spielte auf der Position des Quarterbacks. In Glanzzeiten tummelten sich die Knights in der 1. Bundesliga, jetzt immerhin noch in der zweiten Liga. Sieben Jahre war der Senior zudem Nationalcoach. Nun setzt er seine ganze Kraft für Sohn Dominic ein.
Drei Trainingseinheiten täglich stehen bei jedem Wetter auf dem Programm. Los geht es morgens mit Leichtathletik am Sportzentrum der Valentin-Ickelsamer Hauptschule. "Zwei bis drei Kilometer Laufen, dann Sprinten auf der Bahn", so Martin Hanselmann. Als Alleinkämpfer motiviert sich Dominic hier sechs Tage die Woche. Weiter geht es dann in einer zweiten Einheit mit Krafttraining im Fitnessstudio des Vaters, abschließend steht dann football-spezifisches Training auf dem Tagesplan. Er sei sehr froh, in die Sportfördergruppe aufgenommen worden zu sein, betont Dominic. Das ermögliche ihm ein kontinuierliches Training. Auch wenn es natürlich schade sei, dass er der einzige American Football Spieler in der Förderung ist.

Akribisch führt der Vater ein Trainingsbuch, arbeitet regelmäßig neue Programme aus und beobachtet genau die Trainingsfortschritte seines Schützlings, der seit Anfang März für die Cologne Falcons in der 1. Bundesliga spielt. Er sei gut in Form, einziges kleines Problem sei, dass Dominic nicht so an Gewicht zunehme, wie man sich das eigentlich wünschen würde. Viel schneller, technisch anspruchsvoller und athletischer sei der American Football heute als noch zu seinen aktiven Zeiten. "Früher war Kraft entscheidend, heute geht viel mehr über Schnelligkeit", bilanziert Martin Hanselmann, der sich als Trainer auch in den USA weitergebildet hat.
In der vergangenen Saison spielte Dominic für die Dresden Monarchs. "Gegen Hamburg waren rund 4000 Zuschauer da, Wahnsinn", erinnert sich das Nachwuchstalent, das in der Kindheit nebenbei noch Handball spielte. "Da hat man schon ein bisschen Bauchweh, wenn man auf den Platz kommt", verrät der Spitzensportler. Mit Rap und HipHop stimmt er sich auf die Spiele ein. "Ich höre gerne aggressive Musik, um mich in Stimmung zu bringen." Was für ihn ein guter Spieler auf seiner Position mitbringen muss? "Als Wide Receiver muss man cool und nicht so abgedreht sein, möglichst natürlich alle Spielzüge drauf haben, gut fangen können und nicht so zerbrechlich sein", so Dominic. Football ist außerdem ein absoluter Mannschaftssport. "Eine Kette ist immer nur so stark, wie ihr schwächstes Glied", meint er. Wobei Beobachter den Spielern, die auf der Position des Wide Receiver eingesetzt sind, nachsagen, sie seien die "Schönlinge" der Mannschaft, verrät Martin Hanselmann schmunzelnd. "Sie stehen schließlich im Rampenlicht, wenn sie einen Touchdown machen." Einen kleinen Schuhtick habe Dominic jedenfalls. "Er hat mindestens 30 Paar Schuhe in den unterschiedlichsten Designs", schmunzelt der Vater. Einmal habe er sich Sportschuhe in blau/orange anfertigen lassen, den Vereins- Farben von den Denver Broncos, mit seinem Namen und Trikotnummer. "Schon ein bisschen verrückt, oder?" grinst der stolze Papa.
Wie es ist, in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken, das hat Dominic vergangene Saison in Dresden auch schon punktuell erlebt. Zusammen mit einem amerikanischen Spieler stand er in der Anfangsformation ( der "starting position"). Sein Mitspieler schied verletzungsbedingt zum Ende der Saison aus. So lastete auf Dominic die gesamte Verantwortung. "Das hat er aber super gemeistert", resümiert der Trainer. Genau erinnert sich Dominic noch an den Moment, als ein zwölfjähriger Fan im Dresden- Trikot nach dem Spiel auf ihn zugelaufen kam. Er reichte ihm einen Stift, bat um ein Autogramm und drehte sich um. "Auf dem Trikot stand doch tatsächlich mein Name! Was für ein Gefühl", grinst Dominic. Es kam auch schon vor, dass jugendliche Fans an der Wohnungstür klingelten und um ein Autogramm baten.

Im Rheinland soll die Erfolgsgeschichte jetzt seine Fortsetzung finden. Montags und dienstags wird weiterhin fleißig in der Heimat trainiert, von Mittwoch bis Sonntag ist Dominic ab sofort in der Domstadt. Dann folgt er den einstigen deutschen Stars der Liga nach, die zwar nicht so bekannt sind wie Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski, sondern Konstantin Ritzmann oder Jörg Heckenbach heißen. Der eine ist bei den Buffalo Bills (NFL) im Team-Kader, der andere spielte einst für die Cleveland Browns. Beim American Football ist der große Boom in Deutschland bisher ausgeblieben. Trotz Weltmeisterschaft im eigenen Land im Jahr 2003 und dem Gewinn der deutschen Vize-Weltmeisterschaft. Dennoch: Der Wechsel nach Köln soll Dominic, der noch bis zum 30. September der Sportfördergruppe Stuttgart angehören wird, weiterbringen auf seinem Weg nach Amerika und in die NFL.
Wenn es weiterhin so gut läuft, hofft Dominic auf einen Platz in einem College-Team. "In welchem ist mir da ganz egal." Auch der Vater drückt die Daumen. "Seit zehn Jahren arbeiten wir Tag für Tag auf dieses Ziel hin. Ich würde mich riesig freuen, wenn Dominics großer Traum in Erfüllung geht", so Martin Hanselmann. Seine einzige Angst bestehe darin, dass eine schwere Verletzung die Arbeit von einem ganzen Jahrzehnt zerstören könnte. Aber davor ist er bisher glücklicherweise verschont geblieben. "Wenn ich fünf Jahre in der NFL gespielt habe, dann kann ich mir meinetwegen ein Bein brechen. Dann kriege ich Rente", schmunzelt Dominic, dreht sich um und zieht den nächsten Spurt an.
Text: Heike Hasselbach
Fotos: Sandra Herholt


