Er kam, fuhr und siegte. So einfach ist die Erfolgsstory des Honda-Piloten auf den Punkt zu bringen. Derzeit jagt der Neuling den Doppelmeister Jürgen Mohr. Einfach so, zum Spaß. Spaß muss es machen. Den hat Oberfähnrich Frank Geiling an dem, was er tut.

Training: Kondition und Fahrtechnik holt sich
Frank auf der MX-Strecke.
Schon 2005 tauchte er mit einer 250er SMC in Künzelsau auf. Dort kämpfte er vergeblich gegen die potenteren Sport- Quads. Auch die widrigen Wetterbedingungen verhinderten einen großen Auftritt. "Ich wollte einfach mal ein Rennen fahren", erinnert sich der 30-jährige. Das Einsteiger-Quad hatte er kurz zuvor erworben. "Es machte mir Spaß damit um die Ecken und durch die Landschaft zu flitzen." Allerdings ärgerte sich Frank schnell über die mangelnde Leistung des Fahrzeugs. "Hat aber trotzdem Spaß gemacht!" Und spätestens nach der ersten Erfahrung im Enduro-Rally-Cup (Werl) war klar: ein neues Quad muss her.
Vom Rennfieber erfasst, stand ebenso fest, dass es ein wettbewerbsfähiges sein muss. "Meine Frau Steffi habe ich überzeugt", grinst er und bestellte sich im Frühjahr 2006 eine nagelneue Honda TRX 450 R. "Ich war total kribbellig. Denn genau zum Liefertermin ging's in den Urlaub. Die erste Proberunde konnte ich erst danach antreten." So nimmt Frank seine Honda von seinem Zuhause in Würzburg mit nach Aachen. Hier absolviert der Berufssoldat einen zweijährigen Lehrgang zum Wirtschaftstechniker.

Im Rennen: Frank greift beim 2h-Enduro an.
Auf der Cross-Strecke des MSC Grenzland in Eschweiler und im nahegelegenen Belgien dreht er nach Dienstschluss zahlreiche Trainingsrunden. Deutlich mehr, als die meisten Solo-Fahrer. Wenn diese erschöpft ihre Mopeds im Fahrerlager parken,dröhnt Frank's Auspuff weiter.Die nötige Kondition hierfür holt er sich beim Dienstsport und aus den Grundlagen seiner zehnjährigen Amateurkarriere als Mountainbiker. Also doch! Von irgendwoher muss die Lust auf Rennsport schließlich kommen."
Ja,ich war damals viel unterwegs. Rennen, Trainingslager, Workshops. Als ich 2002 nach meiner Meisterausbildung dann auch noch als Chefmechaniker in einem Porsche-Renn-Team angeheuert hatte, war es mit dem MTB fahren vorbei. Es fehlte einfach die nötige Zeit zum trainieren. Der Rennzirkus ging also weiter!" Seiner Frau war dann schnell klar, dass Frank auch mit dem Quad das Racen nicht lassen wird: "Es macht ihm halt Spaß", sagt sie und nimmt's gelassen. Mit Töchterchen Marie (4) begleitet sie ihren Mann zu den Veranstaltungen und feuert ihn an. Das ging auf der ersten Veranstaltung mit der Honda noch nicht.
Im norddeutschen Eutin nahm Frank zusammen mit Erik Pohl und René von Chamier neben anderen Quadfahrern am traditionsreichen Militär-Enduro teil. Vier mal zwei Stunden fahren hier die Vierräder auf einem anspruchsvollen 16 Kilometer langen Parcours. "Die Honda lief wie ein Uhrwerk und die lange Distanz kam mir entgegen. Hat richtig Spaß gemacht!" Und so nahm Frank nicht nur die Siegtrophäe mit nach Hause, sondern auch die Gewissheit, dass Enduro-Rennen sein Ding sind. "Erinnern an MTB-Rennen. Du brauchst Kondition, musst die Strecke lesen und dein Fahrzeug durchbringen." Dass es ihm Freude bereitet, braucht er schon nicht mehr extra hinzu zufügen. Man hört seine Begeisterung. Sein nächstes Ziel war die "Schlappe" von Künzelsau auszubügeln. So tauchte er beim Zwei-Stunden-Enduro der Quad- Factory Umbach auf. An ihm und seiner Honda hatte bis dato kein Zubehörverkäufer einen Cent verdient. "Komplett Serie", lacht Frank. Auch hier fuhr er souverän den Sieg ein. Dabei ließ er manch mächtig gepimpte Kiste weit hinter sich. Die schlammigen Verhältnisse konnten ihm diesmal nichts anhaben. "Im Gegenteil! Hat Spaß gemacht!" So motiviert, löste Frank für die diesjährige Saison eine Lizenz.

Auch als Soldat: Quadfahren im Dienst.
Steffi hat ihn dabei wieder unterstützt. Auch wenn die Zeit für das Familienleben durch den Lehrgang derzeit etwas knapp bemessen ist. "Die Rennen, die günstig erreichbar sind und Spaß versprechen, fahre ich mit." Kind, Kegel und Honda im Gepäck, begleitet von Freund und Mechaniker Thomas Wagner. "Beim ersten Rennen in Ülsen waren wir noch sehr unerfahren, doch uns wurde durch die anderen Teilnehmer viel geholfen. Besonders danken möchte ich auf diesem Wege Elke Schneider die uns stets zur Seite stand." Umso überraschender war es, dass Frank am Ende in der Sonderprüfung die Nase vorn hatte. Doch seine Unerfahrenheit und die teilweise schwierigen Verhältnisse in den Überführungsetappen ließen den Triumph im ersten Rennen platzen. "Ich konnte es fast nicht glauben, dass ein Sieg möglich gewesen wäre. Deshalb war ich beim nächsten Rennen noch nervöser als zuvor. Nicht nur das meine Frau und Thomas gewisse Erwartungen hatten, diesmal war auch meine Mutter dabei. Sie hat mich schon auf viele MTB-Rennen begleitet. Wer will seine Mutter schon enttäuschen?" Frank lacht. Doch seine Nervosität war unbegründet und man merkte schnell, dass Torgau der perfekte Kurs für ihn und seine Serien-Honda war.
"Solche Strecken liegen mir am meisten", sagt Frank. Je enger, desto besser.Hier holt er mit seiner schmalen Honda viel raus. Verbreiterte Fahrzeuge tun sich schwerer. Das Potential meiner Honda reicht völlig aus. Nur auf MX-ähnlichen Strecken habe ich - vor allem in schnellen Kurven - das Nachsehen". Dennoch reichten ihm Platzierungen wie der achte Rang in Ülsen, der Sieg in Torgau und der zweite Platz in Sulzbach-Rosenberg, um derzeit mit 45 Punkten hinter Doppelmeister Jürgen Mohr den Enduro-Quad-Cup anzuführen. Der zeigt sich begeistert von seinem neuen Konkurrenten: "Frank ist ein prima Typ. Schnell, sportlich und kumpelhaft. Es macht Spaß, sich mit ihm zu messen." Lobende Worte findet der Champ auch für die Tatsache, dass Frank ohne Tuning am Quad auskommt.

Vom Papa begeistert: Töchterchen Marie.
"Wenn er damit anfängt, wird's spannend", gibt Jürgen zu.Angebote von Firmen hat der gebürtige Hesse inzwischen schon. "Ich möchte mich derzeit aber nicht festlegen. Der Lehrgang beim Bund ist mir sehr wichtig. Mitte 2008 stehen hier die Prüfungen an und ich plane nächstes Jahr die Europameisterschaft in der Klasse bis 450ccm in Angriff zu nehmen." Bis dahin pendelt Oberfähnrich Geiling zwischen Standort, zu Hause und Race- Track.
TEXT: Ralf Wilke
FOTOS: Steffi Geiling


