Hyderabad - wo liegt das? Als der Austragungsort für die 4. Military World Games feststand, mussten viele Sportler und Offizielle erst einmal eine Indien- Karte studieren. Dabei ist der Großraum Hyderabad mit über sechs Millionen Einwohnern nicht gerade klein. Zwölf Disziplinen wurden in dieser mitten im indischen Subkontinent gelegenen Stadt ausgetragen.
Triathlon und Segeln, die an offenes Wasser gebunden sind, fanden vor Indiens bedeutendster Hafenstadt Mumbai statt. Die Weltspiele waren das größte Sportevent Indiens und international das zweitgrößte nach den Olympischen Spielen - mit etwa 5.000 Teilnehmern, davon über 200 Deutsche.

Als die Bundeswehr-Soldaten in Hyderabad beziehungsweise Mumbai aus dem Flieger stiegen, schauten sie nicht mehr nur auf eine unbekannte Kultur, sondern sie tauchten mit Haut und Haaren in eine fremde Welt ein: indische Gastfreundschaft und Organisation, Sportwettkämpfe auf hohem internationalen Niveau und jede Menge Völkerverständigung quer durch 101 teilnehmende Nationen standen auf der Tagesordnung. Im Athletendorf wohnten die Bundeswehr-Sportler Tür an Tür mit Afghanen, Kamerunern oder Nord-Koreanern. Nach dem obligatorischen Curry zum Abendessen tauschten sich die Sportler im Betreuungszelt, dem "CISMClub", über gemeinsame Wettkämpfe aus, während die Brasilianer Sambarhythmen aus Plastiktonnen zauberten. "Freundschaft durch Sport", das Motto des Internationalen Militärsportverbands CISM, konnte die Weltspiele auf diese Weise mit Leben füllen.
Die deutsche Mannschaft, die größte ausländische Delegation, bewies dazu jede Menge Teamgeist. Die bunte Mischung aus Profisportlern aus den Sportfördergruppen und ambitionierten Amateuren aus der Truppe feuerte in jeder freien Minute die Kameraden an, die gerade im Wettkampf standen. So wurde manche Entscheidung fast zum Heimspiel für die Deutschen. Aber auch die indische Bevölkerung nahm regen Anteil an den Wettkämpfen. Auf den Rängen der Stadien sammelte sich so eine bunte Mischung aus farbenfrohen Saris, olivgrünen indischen Uniformen und Sportanzügen aus aller Welt.
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Im Gachi Bowli-Stadion setzten die Gastgeber mit einer aufwendig inszenierten Abschlusszeremonie am 21. Oktober den Schlusspunkt: Das Spektakel im südindischen Hyderabad dominierten folkloristische Klänge und historische Gewänder. Indische Popmusik bereicherte das kontrastreiche Programm mit Lasershow und Schwerttanz: Die Gegensätze Indiens waren in einer kreativen, emotionalen und mitreißenden Show vereint. Über Stunden sangen, tanzten und feierten Menschen aus allen Teilen der Welt gemeinsam unter dem Banner des Internationalen Militärsportverbands. Der italienische CISMPräsident, Brigadegeneral Gianni Gola, sagte in seiner Abschlussrede: "Die Military World Games sind das größte Sportevent nach den Olympischen Spielen. Die Spiele waren farbenfroh und von gutem Geist geprägt". Das CISM-Motto "Freundschaft durch Sport" sei mit Leben gefüllt worden. Kleinere Pannen zu Beginn der Woche waren vergessen: "Die indischen Gastgeber haben es verstanden, die Spiele zu einem unvergesslichen Ereignis der Sportgeschichte zu machen", lobte der Gola den Gastgeber Indien unter dem lautstarken Applaus des Publikums.
Im Gachi Bowli-Stadion-Komplex als einer der zentralen Wettkampfstätten hatte die deutsche Mannschaft zuvor große Erfolge gefeiert, zum Beispiel mit einer Goldmedaille im Stabhochsprung, Bronze für die 4x100 Meter-Staffel um Oberfeldwebel Birgit Rockmeier und Bronze über die 100 Meter Hürden. Außerdem gab es hier dreimal Silber und einmal Bronze für die deutschen Boxer, sowie zehn Medaillen für die deutschen Schwimmer um Gold-, Silber- und Bronzemedaillengewinner Hauptgefreiter Robert Könnecker. Aber auch die Judoka, Fallschirmspringer, Schützen, Fußball- Frauen und Militärischen Fünfkämpfer holten reichlich Edelmetall. Insgesamt holten sie 7 Gold-, 10 Silber- und 13 Bronzemedaillen für Deutschland - Platz drei in der Nationenwertung hinter Russland und China.
Medaillenspiegel je Sportart | |||
| Sportart | Gold | Silber | Bronze |
| Boxen | 3 | 1 | |
| Turmspringen | 1 | ||
| Fußball Herren | |||
| Fußball Frauen | 1 | ||
| Judo | 2 | 1 | |
| Militärischer Fünfkampf | 1 | ||
| Fallschirm | 2 | ||
| Schießen | 1 | 2 | |
| Leichtathletik | 1 | 3 | |
| Ringen | 1 | ||
| Schwimmen | 2 | 5 | 3 |
| Triathlon | |||
| Gesamt | 7 | 10 | 13 |
Doch die deutschen Teilnehmer hatten mehr im Reisegepäck als nur Medaillen: Jeder der Teilnehmer hat viele Kontakte und Eindrücke zu den Gastgebern und Sportlern anderer Nationen gesammelt. "Ein unvergessliches Erlebnis", sagte Fußballweltmeisterin Hauptfeldwebel Kerstin Stegemann. Oberst i.G. Walter Krüger, Leiter der deutschen Delegation, blickte auf zehn Tage Hyderabad und Mumbai zurück: "Neben den sportlichen Erfolgen hat mich vor allem die indische Gastfreundschaft, die wir hier überall gefunden haben, sehr beeindruckt." Fortsetzung folgt - in vier Jahren in Rio de Janeiro.
Text: Matthias Hänger
Fotos: Andrea Bienert
Weitere Informationen auf: streitkraeftebasis.de




