Im 100-Kilometerlauf offenbarte sich seine ganze Leistungskraft. Jeder, der sich im Langstreckenlaufein wenig auskennt, kann beurteilen, wieviel Trainingsdisziplin, Geduld sowie körperliche und psychische Härte erforderlich sind, um gute Leistungen im Langstreckenlauf zu erreichen.
In diesem sportlichen Bereich ist der Athlet viel mehr abhängig von Trainingsbereitschaft und Willensleistung als beispielsweise im Sprint- oder Sprungwettbewerb, wo die hohe Leistung massgeblich vom Talent mitbestimmt wird.
Geradezu ein Schulbeispiel für Ausdauerleistungen, die die vorerwähnten Persönlichkeitsmerkmale bestimmen, ist Hauptmann Hans Waack von der Technischen Schule Landsysteme in Aachen, der sich rühmen kann, mehrmals 100 -Kilometerläufe durchgestanden zu haben. Eine Leistung, die mehr Bewunderung als Unverständnis hervorruft. Das sollte ein entscheidender Grund sein, sich diesem Athleten, der in Kürze aus dem aktiven Dienst ausscheidet, etwas näher zuzuwenden.

Hauptmann Hans Waack überglücklich beim Zieleinlauf
eines 100-Kilometerlaufes.
Nach seinem Eintritt 1975 in die Bundeswehr in Mittenwald nahm er für seinen Anschlusstruppenteil, das Panzerbataillon 244 in Landshut an der Brigademeisterschaft im Mannschaftsgeländelauf teil und entdeckte dabei seine läuferische Begabung für den Langstreckenlauf. Diese persönliche Entdeckung veranlasste ihn, 1985 erstmalig bei Hannover an einem Marathonlauf erfolgreich teilzunehmen. Das Training für diese hohe Ausdauerbeanspruchung leistete er in eigener Regie. Dieser Marathonlauf war für ihn eine Art Schlüsselerlebnis und veranlaßte ihn dazu, sich noch mehr dieser Langstrecke zu widmen. Der Erfolg blieb nicht aus.
1988 konnte er seine Bestzeit von 2:37 Stunden im Marathonlauf erzielen, die ihn noch mehr anspornten, sich im Langstreckenlauf zu verbessern. Seine aussergewöhnlichen Leistungen sollten noch kommen, eben auf der langen Strecke der 100-Kilometerläufer. Nachdem er zwischenzeitlich seine Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker an der Technischen Schule in Aachen bestanden hatte, wurde er zum Stammpersonal dieser militärischen Bildungseinrichtung als Ausbilder versetzt. Nun begann für ihn eine neue Periode des Ausdauersports, er wagte sich auf die 100-Kilometerstrecke.
Ein Anlass dafür war seine jetzige Frau Svetlana, eine Weißrussin, die er bei einem Training in Aachen kennen lernte und die ebenfalls eine extreme und erfolgreiche Langstreckenläuferin ist. Auch sie zählt den erfolgreichen Langstreckenläuferinnen in Deutschland und konnte sogar Gesamtsieger der internationalen Deutschen 100-Kilometermeisterschaften 1996 in Rodenbach werden. Eine solche Frau als Trainingspartner zu haben, konnte nur förderlich für die weitere Leistungsentwicklung für Hauptmann Hans Waack sein.
Diese fand ihren Höhepunkt beim 100-Kilomterlauf 1993 in Rheine, als Hauptmann Waack eine Zeit von genau 7 Stunden lief. Diese Leistung gewinnt Format und besondere Bedeutung, wenn man errechnet, dass jede 10-Kilometerstrecke in 42 Minuten gelaufen wurde. An der Partnerschule der Technischen Schule von Aachen, der französischen höheren Schule für Material -ESAM- wurde Hauptmann Hans Waack vor kurzem nach einem erfolgreichen Crosslauf mit der Anerkennung seiner Leistungen und als sportlicher Botschafter der Aachener Schule verabschiedet. Hauptmann Waack ist trotz dieser Erfolge ein sehr bescheidener Kamerad geblieben, der seine Erfolge für sich sprechen läßt.
Wie wohl kaum ein anderer hat er bei seinen Läufen erlebt, wie wohltuend und berauschend die freiwerdenden endorphinen Glückshormone sind, die vom Gehirn ausgeschüttet werden.
Text und Fotos: Dr. Klaus Wallner

