Anknüpfungspunkt für Austausch, übergreifende Bindungskraft und wertvolle Beiträge für die internationalen Beziehungen der Bundeswehr. Zusammen mit mehreren hundert Soldaten aus 25 Nationen waren am 23. Februar 2008 auch 16 Kameraden mit der Bundeswehr bei den CISM (Conseil International du Sport Militaire) Cross Country Weltmeisterschaften in Thun am Start.

Endspurt zum Sieg: Militärweltmeisterin Sabrina Mockenhaupt.
Sabrina Mockenhaupt wird Militärweltmeisterin
Für das gesamte deutsche Militärteam ein Wahnsinnsmoment: Nach der ersten Runde über die 4000m noch mit deutlichem Rückstand auf die Marokkanerin Mariya Laghrissi schiebt sich Stabsunteroffizier Sabrina Mockenhaupt in der zweiten Runde Meter für Meter an die Führende heran. 500m vor dem Ziel laufen beide Kopf an Kopf - Gänsehautstimmung und frenetische Anfeuerung durch die Mannschaftskameraden. Noch einmal setzt die Deutsche einen überragenden Antritt und lässt die Konkurrentin eindrucksvoll hinter sich: Die Sportsoldatin wird Militärweltmeisterin im Crosslauf 2008.
In der Mannschaftswertung erreichten die Frauen mit Stabsunteroffizier Sabrina Mockenhaupt (1.), Hauptgefreite Ulrike Maisch (15.), Stabsarzt Ulrike Ahrens (39.) und Leutnant Daniela Klix (43.) den 5. Platz.
Afrikanische Übermacht bei den Männern
Bei den Männern dominierten erneut die aus Afrika stammenden Läufer. Auf der Mittelstrecke (4000m) siegte in der Mannschaftswertung Katar vor Algerien und Marokko - die deutsche Mannschaft mit Gefreiter Falko Zauber (29.), Oberleutnant Richard Friedrich (31.), Stabsunteroffizier Markus Meißgeier (36.) und Gefreiter Florian Schulze (51.) belegte Rang 9.
Auch die Langstrecke (11,6km) konnten die Profisportler mit afrikanischen Ursprung für sich entscheiden: Es gewann Katar, vor Marokko und Frankreich. Für die deutsche Mannschaft erkämpften Oberfeldwebel Johannes Jungton (90.), Oberleutnant Martin Döhler (96.), Oberleutnant Christian Glück (98.), Oberleutnant Ulf Papenfuß (100.), Stabsunteroffizier Matthias Musick (102.), Oberleutnant Konrad Rogler (104.) und Stabsunteroffizier Benjamin Döhrer (112.) in der Mannschaftswertung den 14. Platz.

Die weltbesten Militärcrossläufer am Start:
Enge Spannung und Dynamik.
Weltklasseprofis gegen Bundeswehralltag
Delegationsleiter Major Harald Dobmeier, Teamchef Oberstabsfeldwebel Frank Clemens und Trainer Markus Clostermann zeigten sich ebenso wie der extra zur Unterstützung der Bundeswehr angereiste Bundestrainer Langstrecke des Deutschen Leichtathletikverbandes, Detlef Uhlemann, zufrieden mit den gezeigten Leistungen ihrer Schützlinge. Einige der am Start gewesenen Weltklasseläufer wird man mit Sicherheit bei Olympia in Peking in den Endläufen und auf Podesten wieder sehen. Insgesamt besetzen andere Nationen ihre Militärweltmeisterschaft im Crosslauf in der Schweiz - "Friendship through Sport" Mannschaften bei der CISM Cross mit vielen mit Startern, die sich sehr stark dem Leistungssport widmen können. Hier geht es vielen Nationen auch um das Prestige der Medaillen - dafür schickt man die stärksten Läufer, die irgendwie mit den Streitkräften in Bezug stehen oder in Bezug gebracht werden.
Bei den überwiegend neben dem eigentlichen Dienst trainierenden Deutschen zeigen sich bei einer Weltmeisterschaft dann zwangsläufig Grenzen: Schaffen es viele der Deutschen meist lediglich einmal am Tag - vielfach nur an den Abenden - und am Wochenende mitunter zweimal zu laufen, trainieren die Hochleistungssportler der anderen Nationen regelmäßig zweimal am Tag, häufiger sogar öfter.
Auf höchsten internationalem Niveau sind Platzierungen weiter vorne so zwangsläufig sehr schwer zu erreichen. Vor der Weltmeisterschaft haben sich alle deutschen Teilnehmer in mehreren Qualifikationswettkämpfen gegen andere Soldaten durchgesetzt. Im Mittel laufen die deutschen Teilnehmer beispielsweise Zeiten wie 08:40 über 3000m, 15:15 über 5000m oder 32:30 über 10km - einige aber natürlich auch erheblich schneller. Damit kann man zu Hause oder im Bundeswehralltag durchaus mal gewinnen. International müssen für vordere Plätze aber natürlich noch ganz andere Zeiten angeboten werden. Aber es geht bei allem sportlichen Wettkampf nicht nur um vordere Ränge und Medaillen - CISM ist weit mehr: Internationaler Austausch zwischen den Streitkräften, ebenenübergreifende Anbindungen über alle Dienstgradgruppen hinweg und auch Repräsentation.
Bundeswehr als sehr aktiver Partner für "Freundschaft durch Sport"
Für die Bundeswehr ist es daher von großem Interesse, die Idee des internationalen Militärsportverbands von CISM aktiv zu begleiten und Mannschaften bei den jeweiligen Weltmeisterschaften zu stellen: "Freundschaft durch Sport" bzw. "Friendship through Sport" lautet dabei stets das Motto der sportlichen Zusammenkünfte. Beispielsweise Amerikaner, Deutsche, Marokkanern und all die anderen Nationen: Man geht zusammen essen, man geht zusammen trainieren, man sitzt zusammen an einem Tisch und spricht: Miteinander und nicht nur übereinander. CISM schlägt in vielen Bereichen Brücken und genießt auch deshalb sehr hohes Ansehen beim Militär und beim Sport.
Kritischer Bericht des Wehrbeauftragten zum Sport in der Bundeswehr
Sport ist ein wichtiger Faktor in der Bundeswehr. Das geht auch aus dem aktuellen Bericht des Wehrbeauftragten und der diesbezüglichen Berichterstattung (u.a. "Wänste in Uniform", Süddeutsche Zeitung vom 05.03.2008, Seite 1) hervor. "Es muss allen Verantwortlichen zu denken geben, dass diese Untersuchungen ein erschreckendes Bild von der Fitness unserer Soldatinnen und Soldaten zeichnen," schreibt der Wehrbeauftragte im Vorwort des Berichtes und führt weiter aus: "Es reicht nicht aus, eine Zentrale Dienstvorschrift zum Dienstsport zu erlassen. Das ist zunächst nur bedrucktes Papier. Ohne eine Reform veralteter Strukturen wird sich auch im Dienstsport nichts ändern."
Man kann und sollte kontrovers darüber diskutieren, ob das Thema "Fitness der Soldaten" andere für die Bundeswehr noch zentralere Themenbereiche zu unrecht überlagert hat und wie stark die Untersuchungsergebnisse von den nur kurz dienenden Wehrpflichtigen beeinflusst sind. Aber der Wehrbeauftragte hat ebenso im Hinblick auf länger Dienende den Finger zu Recht in eine offene Wunde der Bundeswehr gelegt.
In erster Linie und mit hoher Priorität geht es in der Bundeswehr diesbezüglich um die Förderung von Breitensport. Ballsportarten, Laufen, Schwimmen oder andere Sportarten. Es ist zunächst egal wie der Soldat sich fit hält- Hauptsache er hält sich fit. Auch Veranstaltungen wie eine CISM spielen hier mittelbar eine nicht unwichtige Rolle.

Wettbewerb vor toller Kulisse: Falko Zauber (1016)
knapp vor Richard Friedrich (1013).
Förderung von Leistungssport im Rahmen des Auftrages als Anreiz und Zeichen
Zweifellos muss das Ziel der Bundeswehr immer sein, ihre Sportsoldaten und Weltklasseathleten an den Start von Militärweltmeisterschaften zu bringen. Wenn es sich sportlich anbietet und finanziell vertretbar ist, hat es sich jedoch bewährt und scheint weiterhin gerechtfertig, dass die Verantwortlichen bei entsprechenden Leistungsnachweisen auch Leistungssportlern aus der Truppe die Chance für eine Teilnahme geben.
Auch damit setzt die Bundeswehr im Truppenalltag im Sinne des Wehrbeauftragten Anreize und ein Zeichen für die Förderung von Sport. In Übereinstimmung mit den anderen Teilnehmern war die CISM für Oberleutnant Christian Glück von der HSU ein herausragendes Erlebnis: "Es ist einfach einmal etwas ganz Besonderes, wenn man im Nationaltrikot in einer Mannschaft für sein Land und die Bundeswehr laufen darf. Menschlich und sportlich war die CISM in Thun eine sehr wertvolle Erfahrung. Die Soldaten aus vielen Nationen, der Wettkampf und natürlich die Eröffnungsfeier auf dem Rathausplatz Thun sowie die Siegerehrung mit dem anschließenden Bankett. Es war schlicht ein tolles Erlebnis, dieses einmal miterleben zu dürfen."
Das adäquate Auftreten mit einer geschlossenen Mannschaft überzeugt im internationalen Rahmen. Manchmal erreicht man mit einer Mannschaft auf einem 10. Platz ebenso so viel, wie mit einer Medaille in der Einzelwertung. - Es ist eine Mischung, die dem Gedanken von CISM wohl am besten Rechung trägt. Die Verantwortlichen haben hier in der Vergangenheit stets eine gute Balance gefunden und es bleibt zu hoffen, dass die Rahmenbedingungen dieses umsichtige Handeln auch in Zukunft ermöglichen.

Sportliche Kameradschaft - die deutsche
Langstreckenmannschaft vor dem Start.
Viel erreichen mit wenig Geld
Mit kleinem Geldbeutel kann man über den Sport international und innerhalb der Bundeswehr viel erreichen. Die CISM hat auch diesmal für einige Tage fast 20 deutsche Soldaten in einem großen Schlafraum zusammengeführt - auch das gehört zum Gedanken dazu. Reine Leistungssportler mit ganz anderen Alltagsperspektiven schlafen und leben für ein paar Tage zusammen mit dem Offizier, der gerade aus Afghanistan zurück ist oder in den Einsatz verlegt. Der Obergefreite koordiniert die Offiziere beim Training, da er zwei Minuten schneller ist oder mehr Kenntnisse über Trainingssteuerung besitzt. Auf der anderen Seite zeigt der Truppenoffizier manchmal Hintergründe und Perspektiven auf, mit denen man sich in der Sportfördergruppe so noch nicht beschäftigt hat. Vermeidliche Kleinigkeiten, aber wichtige Auswirkungen - vor allem Dienstgrade zählen nichts beim Sport. Manchmal wohl auch zentral bei einem fähigkeitsorientierten Ansatz.
Sport als Anknüpfungspunkt für Austausch
Bei der Militärweltmeisterschaft zeigte sich wieder aufs Neue die enorme vom Sport und gemeinsamer Anstrengung ausgehende Bindungskraft. Die Veranstaltung machte deutlich, wie der Sport über die reine Symbolkraft der Teilnahme hinaus das faktische Zusammenrücken und den Austausch zwischen den Nationen über alle Dienstgradebenen hinweg ermöglicht.
Als Anknüpfungspunkt brachte der Sport international wie national wieder einmal Menschen zusammen, die ansonsten weiterhin wohl nur übereinander, aber nicht miteinander reden würden. Die Kraft des Sportes kann viel Gutes bewirken.
Text und Fotos: Oberleutnant Ulf Papenfuß


