Die Sonne scheint, die Lust auf Volleyball ist da - aber jetzt in die Sporthalle? In immer mehr Kasernen gibt es zum Glück mittlerweile eine Alternative: Beachvolleyball im Freien. Aber wie kann eine entsprechende Anlage an Standorten realisiert werden, die bislang noch nicht über so etwas verfügen? Das Bundeswehr Sport-Magazin gibt Antwort auf die wichtigsten Fragen.

Am Anfang des Projekts "Beachvolleyballanlage" steht wie so oft zunächst die Erkundung der Vorschriftenlage an. Erste Anlaufstelle ist das Ministerialblatt des Bundesministeriums der Verteidigung (VMBl) 1996, Seite 324. Hier wird vom Führungsstab der Streitkräfte grundsätzlich erlaubt, dass Freizeiteinrichtungen in Liegenschaften der Bundeswehr als Eigenleistung der Truppe gebaut werden dürfen. Ebenso ist das Antragsverfahren erläutert.
Demnach muss der Antrag auf den Bau einer entsprechenden Anlage vom Kasernenkommandanten an den zuständigen Infrastrukturstab gestellt werden. Der Antrag muss gemäß VMBl folgende Angaben beziehungsweise Anlagen enthalten:
- eine Beschreibung des Bauvorhabens inklusive Lage- und Bauplan,
- eine Kalkulation über die Bau- und Folgekosten,
- die Einheit, die die Bauarbeiten durchführen soll,
- eine Stellungnahme der zuständigen Standortverwaltung zur Unbedenklichkeit des Vorhabens einschließlich des Betriebs- und Brandschutzes sowie
- eine Stellungnahme des zuständigen Bauamtes zur Unbedenklichkeit aus baufachlicher und -rechtlicher Sicht.
Neben dem VMBl gilt es, noch die "Standardplanung für Sportanlagen im Freien" vom Bundesministerium der Verteidigung, WV II 7, sowie entsprechende "Baufachliche Richtlinien für die Durchführung von Baumaßnahmen der Bundeswehr" - hier die BFR 9324, "Beach-Volleyballanlage" - zu beachten. Die jeweils aktuelle Fassung ist im Intranet der Bundeswehr verfügbar.
Weitere hilfreiche Unterlagen finden sich auf der Website des Deutschen Volleyballverbandes. Unter www.volleyball-verband.de gibt es eine eigene Kategorie für Beachvolleyball mit Unterlagen für den Anlagenbau.

Das liebe Geld
Kapitänleutnant Matthias Poppen, Sportoffizier im Streitkräfteamt und aktuell mit dem Bau einer Beachvolleyballanlage auf der Bonner Hardthöhe befasst, gibt den Tipp, von Anfang an den oder die zuständige Objektverantwortliche( n) des Bundeswehrdienstleistungszentrums mit "ins Boot" zu holen. So sei gewährleistet, dass alle Auflagen beachtet und gleich von Beginn an alle entsprechenden Stellen beteiligt werden. Das betrifft neben den bereits genannten auch noch die zuständige Wehrbereichsverwaltung und die Oberfinanzdirektion.
Ebenfalls empfehle sich die Beteiligung des Standortältesten, sofern dieser nicht als Kommandeur eines betroffenen Truppenteils ohnehin involviert sei, so Poppen. Beim Bau der Bonner Anlage habe ihm der Standortälteste und sein Unterstützungspersonal gute Hilfe bei der Durchführung geleistet, was letztlich auch die Gesamtkosten reduzieren half - aber dazu später mehr.
Für die Finanzierung eines einzelnen Spielfeldes sollte man etwa 8.000 bis 12.000 Euro kalkulieren - dies schließt neben den eigentlichen Baukosten auch die Ausstattung mit ein. Die größten Kostenpunkte sind dabei der Sand, die Dränage und die Netzanlage.
Woher nehmen, wenn nicht stehlen?
Beim Sand - von dem etwa 200 bis 300 Tonnen benötigt werden - empfiehlt Kapitänleutnant Poppen, auf die feinste Körnung zurückzugreifen. Dieser habe aufgrund seiner Beschaffenheit selbstreinigende Eigenschaften, was die Folgekosten deutlich mindere. Für den Sand seien so etwa 4.000 bis 6.000 Euro zu veranschlagen. Für die Anschaffung des Sandes sollte zunächst geklärt werden, ob dieser durch das Bundeswehrdienstleistungszentrum beschafft werden könne. Ansonsten ist - wie bei der gesamten Finanzierung - "Kreativität gefragt", so Poppen.
Und hier kommt dann auch erstmals der Standortälteste ins Spiel. Dank seiner Kontakte zu Stellen außerhalb der Bundeswehr kann er gegebenenfalls bei der Beschaffung des Sandes helfen. Im Fall der Bonner Beachvolleyballanlage war es so zum Beispiel möglich, Sand von der Stadt Bonn zu bekommen, die ein temporäres Beachvolleyballturnier veranstaltet hat und den Sand nach der Veranstaltung der Bundeswehr überließ.
Ebenfalls gab es unmittelbar am Rhein eine Anlage, die nur vom Frühjahr bis Herbst betrieben wurde. Aufgrund der Versandungsgefahr der Schifffahrtsrinne bei Rhein-Hochwasser musste die Anlage anschließend komplett rückgebaut werden. Da Poppen einen für den Betreiber kostenlosen Abtransport des Sandes über die Geländebetreuung organisieren konnte, wurde dieser der Bundeswehr ebenfalls kostenlos überlassen. "Hier muss man die Ohren aufhalten", so Poppen.
Für die Dränage, die aus einem Vlies und Schotter besteht, habe er sich an den Heimbewirtschaftungsausschuss (HBA) gewandt. Da dieser Kostenpunkt mit rund 2.000 bis 3.000 Euro das verfügbare Budget sprengte, habe sich der HBA dann wiederum an den Zentralen Betreuungsausschuss gewandt. Dieser bewilligte den Antrag und finanzierte dem Streitkräfteamt die Dränage.
Aber der HBA beteiligte sich durchaus auch an den Kosten, denn er finanzierte die Netzanlage. Für diese sind noch einmal etwa 1.000 bis 2.000 Euro zu veranschlagen. Beim Streitkräfteamt hat man sich für eine etwas teurere Variante entschieden, die aber dafür eine bessere Haltbarkeit verspricht, was wiederum die Folgekosten reduziert. In den Kosten enthalten ist dabei auch schon die - nicht gerade billige - Polsterung der Pfosten, die die Verletzungsgefahr reduziert und alleine auf Grund der Sicherheitsbestimmungen unerlässlich ist.

Kreativität ist gefragt
Die verbleibenden kleineren Posten, wie zum Beispiel Bälle, können dann in der Regel aus Eigenmitteln, wie dem entsprechenden Titel des Sportoffiziers, finanziert werden. Ebenso ist hier denkbar, dass man an den Bundeswehrverband - der auch den Bonnern Bälle spendierte -, die Patenstädte beziehungsweise -gemeinden oder auch die Standortpfarrer herantritt.
Wie man an dieser Mischkalkulation sieht, ist wie bereits angesprochen Kreativität gefragt. "Gerade deswegen ist es wichtig, dass man alle im Boot hat", so Kapitänleutnant Poppen. Und das betrifft nicht nur die Finanzierung des Materials, sondern auch die Durchführung, schließlich lassen sich auch hier Kosten sparen.
Damit kommt erneut der Standortälteste ins Spiel, der für die durchzuführenden Arbeiten zum Beispiel ein Amtshilfeersuchen als Ausbildungsunterstützung an eine Pioniereinheit richten kann, wie auch in Bonn geschehen. Denkbar sei laut Poppen auch ein Amtshilfeersuchen an das Technische Hilfswerk, die ebenfalls über das entsprechende Großgerät verfügen.
Manchmal ergäben sich aber auch ungewöhnliche Hilfestellungen von Seiten, von denen man es nicht erwartet habe, so Poppen: Der Berufsförderungsdienst etwa habe an seinem alten Standort ein Seminar zum Führen von Baggern angeboten und angefragt, ob man die praktischen Übungen in der Kaserne durchführen könne. So sei man schließlich kostengünstig zu einem schönen Teich gekommen - vielleicht entsteht so das nächste Mal eine Beachvolleyballanlage …
Text: André von Tils
Fotos: PIZ Marine


