Dieter Wekwerth ist Optimist. Das typisch britische Wetter an diesem Julitag kann dem Präsidenten des Berliner Golfclub Gatow nicht die Freude verderben. Sein Verein ist zum zweiten Mal Gastgeber für das Golfturnier der Bundeswehr. Gespielt wird um den "Wanderpreis des Stellvertreters des Generalinspekteurs".

Wie schon bei der Premiere vor einem Jahr starten wieder rund 100 Bundeswehr-Angehörige und Clubmitglieder auf dem saftigen Grün des rund 1000 Mitglieder zählenden Golfvereins.
Zu Beginn werden Platzregeln und Besonderheiten erklärt. Hingewiesen wird auch auf den schlauen Gatower Fuchs, der mit Vorliebe Schokolade, Golfbälle und andere Utensilien seelenruhig aus den Golfbags stibitzt, als ob er mitspielen oder in seinem Bau einen Pro-Shop eröffnen will. An diesem Tag erwischt es auch den Ehrenpräsidenten des Vereins, Bernhard Neumann. Mit knurrendem Magen muss er seine Runde beenden. Als großer Tierfreund sieht er mit einem lachenden und einem weinenden Auge den Fuchs samt seiner liebevoll zubereiteten Rundenverpflegung entschwinden.
Die Mitglieder der 1995 gegründeten Neigungsgruppe der Bundeswehr hoffen auf Heimvorteil und geben gute Tipps, denn sie kennen sich hier aus. In ihren Händen liegt die Patenschaft für die Schutzhütten auf dem Golfplatz, sie haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Bäume gepflanzt und pflegen die Driving-Range. Diese guten Beziehungen zwischen Golfclub und Bundeswehr haben historische Gründe. Das Gelände der benachbarten General-Steinhoff-Kaserne war bis 1994 Standort der in Berlin stationierten britischen Streitkräfte. Sie schufen Ende der 1960-er Jahre einen Golfplatz und gründeten den British Golf Club, aus dem der heutige Berliner Golf Club Gatow hervorgegangen ist. Das gute, teilweise persönliche Verhältnis zwischen den Golfern und den Bundeswehrangehörigen nutzt allen. Das Turnier ist ein weiteres Beispiel dafür. Früher fand es bei Bonn statt. "Aber mein Dienstsitz ist Berlin", sagt Generalleutnant Johann-Georg Dora. Er hat sich dafür eingesetzt, dass das Turnier in die Hauptstadt zieht. "Wir wollen die Nähe und die schöne Anlage nutzen und dem Golfsport noch mehr Aufschwung geben."
Golf ist zwar noch kein Volkssport, aber inzwischen zum Beispiel Teil der Sportausbildung in der Bundeswehr gleichberechtigt neben Fußball, Leichtathletik oder Tennis. Einen Anteil daran hat Detlef Mielatz. "Wer denkt, Golf ist ein Alt-Herren-Sport, der hat es selbst noch nicht versucht," sagt der Dipl.-Sportlehrer der Bundeswehr und Mitorganisator dieses Turniers. Er erinnert an die Turniersiegerin im vergangenen Jahr: der 22-jährige weibliche Offizier Lena Heidelmann. "Viele sagen, Golf sei nicht anstrengend, aber es ist eine richtige Sportart", sagt sie. Den Wanderpreis gewinnt in diesem Jahr Uwe Weber vom GC Oberstaufen. Lena Heidelmann kommt auf Platz 3.
Am Ende der beiden Turniertage gilt der Dank nicht nur den Organisatoren, dem Verein und den Aktiven, sondern auch den Sponsoren Daimler AG, Commerzbank, Fitness und Geräte Schnell, Arzberger GmbH, Reifendienst Hentschel und Michalk. Das typisch britische Wetter raubte niemandem die gute Stimmung. Golfer sind Optimisten wie alle Sportler: Das Turnier ist Spitze und das Wetter kann beim nächsten Mal nur besser werden.
Text: Angela Baufeld
Fotos: Bundeswehr


