7 Minuten umziehen, 5 Minuten Lauf-ABC zur Fitnesshalle, 3 Minuten Stretching, 10 Minuten Radergometer bzw. Ruderergometer, 7 Minuten Entspannung, 3 Minuten Lauf zum Kompanieblock, 2 Minuten Dehnübungen, 10 Minuten Körperpflege und Umziehen." Die Sportstunde für die Soldaten ist minutiös vorbereitet.

Oberfeldwebel Andreas Gaebler überlässt nichts dem Zufall. Er plant jede Sportstunde, denn "die Ausbildung", sagt er, "soll optimal und zugleich abwechslungsreich sein". Die fachlichen Grundlagen hat er an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf erworben, wo er zum Fachsportleiter für Kondition und Fitness ausgebildet wurde. Jetzt ist er im III. Zug der 5./Wachbataillon als stellvertretender Zugführer eingesetzt und mitverantwortlich für die Sportausbildung.
Wie wichtig sein Job ist, bekommen die Wehrpflichtigen schnell zu spüren. Die Protokollausbildung im Wachbataillon ist körperlich anstrengend. Sich fit zu halten ist unbedingt erforderlich. Deshalb gibt es Dienstsport, zweimal 90 Minuten pro Woche, und dreimal militärisches Ausbildungstraining. Hauptmann Steffen Buschmann zeigt den Dienstplan: "Sport haben wir täglich drauf." Aber wie dieser Plan konkret umgesetzt und wie die Stunde gestaltet wird, liegt vor allem in der Hand der Ausbilder.
Andreas Gaebler gehört seit 2001 zum Wachbataillon und kennt die Aufgaben. Er weiß, dass von den Soldaten beim militärischen Zeremoniell zum Empfang von Staatsgästen physische Höchstleistung verlangt wird. Er weiß, welche Muskeln und Sehnen beansprucht werden und wie sich der Körper mit Rückenschule und Entspannungsübungen regenerieren kann. Darauf baut er seine Sportstunden auf. Bei den Planungen kann er die guten Bedingungen in der Julius-Leber-Kaserne nutzen: zwei Sporthallen, eine Fitnessund Präventionshalle, ein Sportplatz mit Weitund Hochsprunganlage, ein Freibad und demnächst eine neue Schwimmhalle.
"Trotzdem kann es vorkommen, dass die Anlagen von anderen Einheiten genutzt werden. Dann weichen wir zum Laufen in die benachbarten Rehberge aus." Andreas Gaebler ist flexibel. In den Rehbergen ist genug Platz zum Aufwärmen mit einem Lauf-ABC. Seit dem vergangenen Jahr gibt es sogar einen neuen Anreiz fürs Lauftraining: Das Wachbataillon startet im Frühjahr und im Herbst komplett beim 10 km Erwin-Barth-Gedenklauf. Initiator ist der Kommandeur des Wachbataillons, Oberstleutnant Frank Schuster: "Unser Soldaten sind fit. Die Bedingungen, im Wachbataillon eingesetzt zu werden, lassen nichts anderes zu. Dennoch sind 10 Kilometer für den einen oder anderen eine Herausforderung."
Das schafft nicht jeder Wehrpflichtige auf Anhieb. Die sportliche Leistungsfähigkeit der Soldaten ist bei Dienstantritt unterschiedlich. Das zeigt alljährlich der Physical Fitness Test zu Beginn der Ausbildung. Auch darauf muss Andreas Gaebler reagieren, wenn er die Sportstunden plant: "Der eine hat längere Zeit kein Sport getrieben, der andere war zweimal in der Woche fechten, der dritte hat dreimal in der Woche Fußball gespielt, in den Ferien sogar viermal. Ihnen allen muss die Sportausbildung in der Bundeswehr gerecht werden. Sonst ist der eine überfordert, der andere unterfordert."
Es gibt die zentrale Dienstvorschrift Sport in der Bundeswehr ZDv 3/10. Wie diese Dienstvorschrift im Wachbataillon umgesetzt wird, ist mehr als ein Dienst nach Vorschrift. Vom Kommandeur über den Hauptmann bis zum Oberfeldwebel als Ausbilder die regelmäßige Sportausbildung auf höchstmöglichem Niveau ist für sie wichtige Grundlage ihrer Arbeit. "Nur dadurch ist gewährleistet, dass das Wachbataillon trotz hoher Beanspruchung und hoher Fluktuation seinen Aufgaben gerecht wird." sagt. Hauptmann Buschmann. "Und auf der anderen Seite: Wir nehmen unsere Fürsorgepflicht für die Soldaten ernst."
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Kurzinterview mit Oberfeldwebel Andras Gaebler:
Wie versuchen Sie die Sportausbildung optimal zu gestalten?
"Ich überlege mir genau, wie die Sportstunde eingeteilt wird und nutze dabei die verschiedenen Sportanlagen in der Julius-Leber-Kaserne. Ziel ist eine abwechslungsreiche Ausbildung, die jeden Soldaten fordert und fördert, die aber auch Spaß macht."
Wie kann eine Stunde zum Beispiel aussehen?
"Wir beginnen zur Erwärmung mit dem Lauf-ABC, Am Bolzplatz spielen wir mit dem Fußbällen, trainieren 15 Minuten das Passspiel und die Ballannahme, kurze Dribblings und ein paar längere Pässe ja nach Größe des Platzes. Eine Erfolgskontrolle mit einem 20-Minuten langen Testspiel gibt einen Überblick, was bei der nächsten Sporteinheit trainiert werden muss."
Gibt es ausreichend Bälle?
"Die Bälle muss ich natürlich vorher besorgen, denn die gibt es in unserer Kaserne nicht in ausreichender Zahl. Doch mit Spenden und mit Hilfe von Freunden der Kompanie ist auch auf diesem Gebiet eine Menge möglich."
Wie organisieren Sie das Training an den Fitnessgeräten?
"Die Soldaten werden mit den Geräten vertraut gemacht. Sie können dann auch nach Dienstschluss Muskelaufbautraining selbst organisieren. Beim Fitness-Kraftkreis gibt der Ausbilder die Anzahl der Übungen und die jeweilige Anzahl der Wiederholungen vor. Natürlich kann der geübte Soldat seine bevorzugten Gewichtseinheiten selbst einstellen. Für Unerfahrene stehen Helfer bereit."
Welches Ziel hat die Sportausbildung?
"Die Soldaten müssen fit sein für die anstrengende Protokoll-Ausbildung im Wachbataillon. Um außerdem Anreize für das Training zu schaffen, organisieren wir sportliche Höhepunkte wie den 10 km Erwin-Barth-Lauf, Sportfeste, Fußballturniere und Abnahme des Deutschen Sportabzeichens."
Text: Angela Baufeld
Fotos: Bundeswehr Wachbataillon
Sie sagen „Ja“ zum Sport in der Bundeswehr (v.l.): Ausbilder, Oberfeldwebel Andreas Gaebler, mit den Soldaten Marcel Leske, Oliver Lenz und Christian Leser, die alle schon vor ihrer Dienstzeit bei der Bundeswehr sportlich aktiv waren und dennoch unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, auf die sich der Ausbilder einstellen muss. Marcel Leske hat zweimal in der Woche Fechten trainiert und will das Training auch während seiner Wehrdienstzeit am Wochenende fortsetzen. Ihm kommt es vor allem auf Reflextraining und Körperbeherrschung an. Oliver Lenz ist Handballer, konnte aber in den letzten beiden Jahren aus Zeitgründen nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen. Er will in seiner Bundeswehrzeit vor allem Willensstärke und Belastbarkeit verbessern. Christian Leser hat zwei- bis dreimal in der Woche - und in den Ferien noch öfter - Fußball gespielt. Trotzdem will er seine Fitness verbessern. Alle drei sind motiviert. Der Ausbilder fängt nicht bei Null an. Dennoch muss die Ausbildung jedem einzelnen gerecht werden, um maximalen Trainingserfolg zu erreichen. |





