Mit dem internationalen CISM-Schießwettkampf in Sonthofen organisierte die Sportfördergruppe der Bundeswehr Sonthofen erneut einen hochkarätigen Wettbewerb. Das Turnier im Gewehrschießen zählt zu den herausragenden Sportereignisse im Jahr 2006, die innerhalb der Bundeswehr im Rahmen des internationalen Militär-Sportverbandes CISM durchgeführt werden.

Bei seinem ersten großen internationalen CISM-Wettkampf bewies Oberfähnrich Wolfgang Hofmann sein Können.
Erwartungsgemäß setzten sich in dem Vier-Nationen-Turnier die Teilnehmer aus Österreich klar durch, hatten sie doch mit Thomas Farnik einen der weltbesten Gewehrschützen im Aufgebot. Wolfgang Hoffmann, der Newcomer im Bundeswehr-Team, sammelt nicht „nur“ Wettkampferfahrung, sondern ließ durch eine beeindruckende Leistung aufhorchen.
Ein dickes Lob gab es schon beim ersten Training auf der neuen Standort- Schießanlage in Sonthofen-Winkel. Die hochmoderne Schießanlage wurde von den Schützen ausnahmslos gelobt. Jetzt sind vollelektronische Auswertung und Zielkontrolle möglich. „Ein Super-Ding“, zeigt sich Hauptfeldwebel Rudi Krenn begeistert, der Gewehr-Schießtrainer der Bundeswehr. Die Anlage ist einzigartig in der Bundeswehr und erlaubt auf ihren zehn Schießbahnen die Ausrichtung sämtlicher Wettkampfarten. „Wir hoffen natürlich auf möglichst viele Wettbewerbe hier in Sonthofen“, sagt Rudi Krenn zum Auftakt des CISM-Gewehrschießens 2006. Dank einer PC-Anbindung erfolgt eine laufende Auswertung und die Resultate können in Sekundenschnelle ausgedruckt werden. Über Monitore können die Sportler ihre Treffer unmittelbar „begutachten“.
Ein kleiner Wermutstropfen mischte sich zwar in das diesjährige CISM-Turnier in Sonthofen, da die Sportfördergruppe Sonthofen ursprünglich mit neun Gastmannschaften gerechnet hatte. Dass es dann lediglich drei – Österreich, die Schweiz und die Niederlande - waren, tat den Leistungen der einzelnen Sportler dennoch keinen Abbruch. „Aber eine größere Konkurrenz macht’s halt interessanter und für die Teilnehmer spannender“, so der Kommentar von Schießtrainer Krenn. Neben den „treuen Gästen“ aus der Schweiz und Österreich, waren schließlich nur die Niederländer nach Sonthofen gereist. Geschossen wird im Turnier auf 300 Meter Distanz, wobei „das Schwarze“ gerade mal zehn Zentimeter Durchmesser hat.
Als haushoher Favorit ging – wieder einmal – Thomas Farnik, der Spitzenmann im österreichischen Team, ins Rennen. Erst wenige Tage vor dem Wettkampf in Sonthofen hatte er einen Weltcup-Wettbewerb in Brasilien für sich entschieden und schob den CISM-Einsatz im Allgäu quasi dazwischen, bevor er von der Siegerehrung mit seiner Mannschaft zur nationalen Qualifikation für die WM in Norwegen „durchstartete“. Das Turnier sollte nicht nur seine absolute Spitzenklasse beweisen, sondern auch das Top-Niveau des Bundesheer-Teams unterstreichen: Die Gäste aus Österreich holten alle vier zu vergebenden Pokale für die Bestplatzierungen von Einzelschützen und in den Team-Wertungen.
Schon beim Auftakt-Wettkampf, Standard-Gewehr im Drei-Stellungskampf der Mannschaftswertung, zeigten die Österreicher, was „Sache“ war. Stefan Raser schoss 578 Ringe (von 600 möglichen). Dicht dahinter allerdings die neue Hoffnung im deutschen Team, Oberfähnrich Wolfgang Hofmann mit 574. Hoffmann ist erst wenige Monate im Bundeswehr-Kader. Als „normaler Soldat“, der in Kürze sein Studium beginnen wird, kann er sich nicht ausschließlich auf den Sport konzentrieren: „Die häufigen Umzüge machen das nicht einfach. Aber vielleicht wird es mit dem Studium etwas besser.“ Platz eins war den Österreichern nicht zu nehmen. Auf Rang 2 landete die Schweiz vor dem deutschen Aufgebot.
Noch eins drauf setzte Hoffmann am zweiten Tag, als es im Dreistellungskampf um die Einzelwertung ging: Nach dem Favoriten Farnik mit 580 Ringen, lag Wolfgang Hofmann nur zwei Ringe dahinter. Verständlicher Weise war die Freude bei Trainer Krenn groß über den „Wurf“ der deutschen Neuentdeckung. Gute Ergebnisse erzielten hier zudem Stabsunteroffizier Sebastian Höfs (565), Hauptmann Jörg Dietrich (556) und Stabsfeldwebel Dieter Lindlmüller (556). Krenn zur Leistungsdichte in seinem Team: „Alles über 550 Ringe bei insgesamt 60 Schuss ist Weltklasse.“
Im nächsten Wettbewerb, dem Militärischen Schnellfeuer spielte Thomas Farnik seine Stärke ein weiteres Mal aus und lag mit 569 Ringen klar vor seinem Landsmann Florian Kammerlander (554) und dem Deutschen Jörg Dietrich (554). Oberfähnrich Höfs kam mit 545 Ringen auf Platz 6. Enttäuscht zeigte sich allerdings Wolfgang Hofmann über seine 540 Ringe beim Schnellfeuer-Durchgang. „Der Puls war ganz oben“, meinte der Newcomer im Team. Die Kameraden erklärten dem Turnier-Neuling das Ergebnis mit mangelnder Wettkampferfahrung und motivierten ihn: „Das kriegst Du noch in Griff.“
Pech in diesem letzten Turnierabschnitt hatte der Schweizer Roger Schnetzler: Mitten im Wettkampf gab der Auswerfer seiner Waffe den Geist auf. Zwar erlaubt das Reglement eine Ersatzwaffe – doch die lag in de Unterkunft des Schweizer Teams und war so schnell nicht auf die Schießanlage zu bekommen. Entnervt gab Schnetzler den Wettkampf auf. Durch diese Panne fielen die Schweizer auf Platz 4 zurück, während die Niederländer völlig unerwartet doch noch aufs Siegertreppchen gelangten hinter den Sportlern aus Österreich mit insgesamt 1672 Ringen und Deutschland mit 1639.
Bester Schütze des Turniers war – natürlich – Thomas Farnik mit insgesamt 1149 Ringen aus beiden Disziplinen (Standardgewehr und Schnellfeuer). Auf Platz zwei schob sich der Überraschungsmann im deutschen Team, Wolfgang Hofmann, mit 1118 Ringen vor Stefan Raser (1116) aus Österreich. Die überlegenen Österreicher lagen damit auch in der Mannschaftswertung des Turniers mit 3375 Punkten klar in Front, gefolgt von Deutschland (3329) und den Niederlanden (2931).

Das deutsche Team unter der Leitung von Oberstleutnant Wolfgang Lache (von rechts), dem Leiter der Sportfördergruppe Sonthofen, Stabsfeldwebel Georg Kronawitter und Schießtrainer Hauptfeldwebel Rudolf Krenn.
Im Rahmen der Siegerehrung wurde Diplomtrainer Schießen Rudolf Krenn für seine „über das normale Maß weit hinausgehenden Einsatz“ und die „herausragende Art und Weise“ wie er das jüngste CISM-Turnier als Trainer und Organisator vorbereitet und begleitet hatte, mit einer förmlichen Anerkennung gewürdigt. Bundestrainer Krenn blickt zudem auf eine glänzende sportliche Laufbahn als Schütze zurück: 42 mal Deutscher Meister, Weltmeister, zweifacher Europa-Meister, Militär-Weltmeister und mehrfacher Team-Weltmeister. „Ein Vorbild für alle Soldaten im Spitzensport“, zitierte Oberst Wolfgang Lache, der Missionschef des Turniers aus der Urkunde. Die nächste „Prüfung“ für die Schützen der Streitkräfte in der CISM ist die Weltmeisterschaft in Norwegen, die Ende Juni stattfindet.
Josef Gutsmiedl


