Der gebürtige Eisberger Jörg Wecke sicherte sich im italienischen Pescara als erster Deutscher überhaupt den Weltmeistertitel im Speedskating über die Marathonstrecke in der Altersklasse Ü40. In der ostitalienischen Hafenstadt war ein Parcours über sieben Kilometer insgesamt sechs Mal zu umrunden.

Dabei ging es durch die Stadt und an der Küste entlang, wo starker Gegenwind herrschte. Da es zudem regnete, war das Rennen stark taktisch geprägt. Es startete zunächst die Ü-30-Gruppe, mit einer Minute Abstand gingen die Ü-40-Starter ins Rennen.
"Bereits am Start merkte man, dass nur neun Fahrer das hohe Tempo gehen können", berichtete Wecke. Das nun nur noch neun Fahrer starke Ü-40-Feld hatte die 30er, auch durch die Initiative Weckes, bereits nach vier Kilometern eingeholt.
Pulk überholt rechts, Jörg Wecke links
In der fünften Runde kam es zum entscheidenden Manöver: Die im Pulk fahrenden Herren Ü-40 überholten die auf der Fahrbahnmitte rollenden Ü30-Fahrer auf der rechten Seite, Wecke zog links vorbei. "Nachdem sich das 40er Feld wieder in das 30er eingereiht hatte, haben sie mich übersehen und ich konnte ungehindert davon ziehen", so Wecke.
Das Gefühl des Sieges stellte sich endgültig aber erst bei der Siegerehrung ein, als die deutsche Nationalhymne gespielt und das Weltmeisterschafts-Trikot überreicht wurde: "Da habe ich eine richtige Gänsehaut bekommen", schilderte der mittlerweile in Bielefeld lebende Portaner.
Zum Sport kam er durch seinen Vater Heinz Wecke, dem Initiator des Eisberger Volkslaufs. Im Alter von fünf Jahren begann er mit der Leichtathletik und feierte unter anderem Siege bei der Westfalenmeisterschaft. Knieprobleme zwangen ihn im Jahr 2000 zur Aufgabe der Leichtathletik und er suchte eine neue Herausforderung, die er im Speedskating fand. "Ich war sofort fasziniert von der Sportart", erklärt der Berufssoldat, der in Bückeburg als Prüfer für Luftfahrzeuge tätig ist.
In der Vorbereitung auf die Serie beläuft sich das Trainingspensum auf täglich anderthalb bis zwei Stunden, in denen je nach Witterung 30 bis 60 Kilometer zurückgelegt werden. Während der Serie reduziert sich das Training, bedingt durch die regelmäßig stattfindenden Rennen.
Bis zu 42 km/h im Durchschnitt
Bei Trockenrennen werden Durchschnittsgeschwindigkeiten von rund 42 Kilometern pro Stunde erreicht. In die Kurven fährt man mit 55 km/h und mehr. Stürze sind an der Tagesordnung. "Daher besteht auch Helmpflicht", erklärte Wecke, "Freizeit-Inliner vernachlässigen das Tragen der Helme leider, zumindest die Erwachsenen. Dabei ist es für die Verletzung eher unerheblich, wie schnell man beim Sturz gefahren ist."
Der WM-Titel war für Wecke die Krönung eines erfolgreichen Jahres. Zuvor gewann er bereits die Deutsche Meisterschafte im Halbmarathon (in Lorsch), im Marathon (in Duisburg) und im Doppelmarathon (in Prezelle), er startet seit 2006 für das Etap-Race-Team Lübeck.
Speedskating ist in den Medien bislang verhältnismäßig wenig präsent. "Das liegt daran, das die Sportart noch nicht olympisch ist", erläutert Wecke, "es ist aber gut möglich, dass das 2012 in London bereits anders ist. Für mich ist der Zug dann abgefahren, aber für die jüngeren Skater wäre das eine tolle Sache."
Text: Michael Lorenz
Foto: Herrn Woisch


