„Du brauchst einen Killerinstinkt, um in Bruchteilen von Sekunden die richtige Entscheidung zu treffen, die Dich ganz oben aufs Treppchen bringt.“ Das sagt Normen Weber, einer der erfolgreichsten deutschen Wildwasser-Kanuten im Canadier Einer.

Sein Sportgerät ist nur 4,30 Meter lang und 70 Zentimeter breit, fährt jedoch auf den gefährlichsten und reißendsten Flüssen dieser Welt. Dabei wird er samt Boot von bis zu acht Meter hohen Wellen wie eine Nussschale hin und her geworfen. Dann schnappt sich das Wasser den Sportler, um ihn nur wenig später wieder verächtlich auszuspucken. Bei jedem Kentern hält man unweigerlich die Luft an und hofft, der Sportler schafft die Wende oder den Weg ans rettende Ufer. So sieht sie aus, die faszinierende Welt des Wildwasser-Kanusports. Unter www.normenweber.de findet man zahlreiche atemberaubende Videos zu seinen - wie es selbst nennt - Stunts.
Im Wildwassersport unterscheidet man zwei Bootsklassen. Der bekanntere Kajak-Einer unterscheidet sich vom Kanu durch die längere, schmälere und leichtere Form. Auch sitzt man im Kajak und hält ein Doppelpaddel. Im Kanu muss der Sportler knien und mit einem Stechpaddel durch die wilde Gischt pflügen. „Wenn Geschicklichkeit, Wendigkeit und Kraft dann perfekt zusammenspielen lässt sich die Gewalt des Wassers am besten ausnutzen“, sagt Weber und respektvoll fügt er hinzu: „Besiegen kann ich das Wasser mit meiner Nussschale nie. Ich muss es für mich arbeiten lassen, muss es lesen wie ein Buch und die schwierigen Passagen genau kennen.“
„Raketen-Normen“, so nennt ihn ein Konkurrent, hat schon einige spektakuläre Siege eingefahren. So gewann er sogar ein Rennen gegen einen Raddampfer. Aber er ist amtierender Weltmeister, Vize-Weltmeister und belegte den 2. Platz im Gesamtweltcup. Damit ist er bester Deutscher Teilnehmer zur Weltmeisterschaft, dem World-Cup und der Deutschen Meisterschaft 2008. Seit 2001 war er insgesamt 26x Deutscher Meister und die Erfolgsliste ließe sich noch lange weiter fortsetzen.
Normen Weber hat sich für die Offizierlaufbahn in der Bundeswehr entschieden. Dort hatte er 2005 seine Grundausbildung absolviert und war bis Mitte 2008 Sportsoldat. Seit Juli ist er in IdarOberstein. Später will er Sportwissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München studieren. „In IdarOberstein geht erst mal der Dienst vor“, sagt Weber. Nach Feierabend trainiert er hier zwei Stunden täglich nach den Trainingsplänen seiner Mutter Antje, die über eine langjährige Erfahrung als Canadier-Trainerin verfügt. Daneben trainiert er seine Kondition und sein Reaktionsvermögen mit Schwimmen, Baskettball, und dem anstrengenden Zirkeltraining. Die Muskelgegenspieler bringt er in der „Folterkammer“ in Form.
Normen Weber hat ein Ziel: „2009 bei der Wildwasserkanu-EM im italienischen Sondrio und beim Gesamtweltcup in Tasmanien will ich auf Platz eins stehen.“ Mit seinen „Stunts“ steht er jedenfalls im Internet schon hoch im Kurs.
Text: PIZ SKB
Foto: Archiv


