Im Gespräch: Generalmajor Johann G. Oppitz, Befehlshaber im Wehrbereich III und Schirmherr des 1. Benefinz-Simultanschachturniers in Wolfshagen, Schach-Großmeisterin Hauptgefreiter Elisabeth Pähtz und Harald Merz, Pastor in der Ev.-luth. Kirchgemeinde St. Thomas Wolfshagen im Harz.
Am 17. Januar 2009 heißt es im Berghotel, Heimbergstrasse 1 in Wolfshagen ran an die Schachbretter. Die Juniorenweltmeisterin Elisabeth Pähtz wird Zug-um-Zug von Brett zu Brett ziehen und versuchen ihre Gegner Schach matt zu setzten. 40 Teilnehmer wollen im Simultanschach gegen die Großmeisterin antreten. Zehn zusätzliche Bretter werden vom Schachbundestrainer Uwe Bönsch im Analyseraum genauer unter die Lupe genommen. Hat überhaupt jemand eine Chance oder wird Pähtz die gegnerischen Könige nach und nach vom Brett fegen? Überzeugen sie sich selbst!!!

Gruppenfoto v.li.: Generalmajor Johann G.Oppitz, Hauptge-
freiter Elisabeth Pähtz, Stabsunteroffizier Doreen Ullmann.
Sehr geehrter Pastor Merz, wie sind Sie auf die Idee gekommen ein Benefiz-Simultanschachturnier auszurichten?
"Ich habe bei einem Gottesdienst Generalmajor Johann G. Oppitz kennen gelernt und erfahren, dass seinem Kommando auch die Sportfördergruppen unterstellt sind. Elisabeth Pähtz, das wusste ich aus Schachzeitschriften, wird von der Bundeswehr gefördert. Als ich Generalmajor Oppitz von meinem Hobby Schach erzählte und er mir von seinem Engagement für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, wurde die Idee geboren: "Wir machen eine Benefizschachveranstaltung!" Der Titel der Simultanveranstaltung: "Schach dem Vergessen", ist m. W. bisher einmalig und ebenso, dass die Einnahmen gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden. Wir gönnen der Juniorenweltmeisterin Elisabeth Pähtz und allen Beteiligten die Anerkennung, die mit diesem Engagement hoffentlich auch in der Berichterstattung deutlich wird."
Sie haben schon einmal Turnierschach gespielt und möchten gegen Elisabeth Pähtz antreten. Wie beurteilen Sie ihre Chancen?
"Frau Pähtz leistet in ihrem derzeitigen Beruf als Schachspielerin Herausragendes: Von mehr als drei Milliarden Menschen weiblichen Geschlechts gehört sie zu den 30 Besten der Welt. In einer Turnierpartie Frau gegen Mann wäre ich chancenlos, in einer Simultanpartie Frau gegen 40 andere Schachspieler/innen hätte ich gefühlt eine 30%ige Chance."
Und Sie Herr Generalmajor? Werden Sie sich der Herausforderung stellen?
"Nein, ich würde vielleicht 3-4 Züge mit dem Bauern machen und dann würde sie mich vom Brett fegen. Ich könnte mich einfach nicht mit ihr messen."
Herr Pfarrer, haben Sie selbst schon gegen andere berühmte Schachprofis gespielt?
"Ja, einmal simultan gegen den damaligen Weltklassespieler Wolfgang Unzicker. Wir kannten beide den "Geschlossenen Spanier" ziemlich gut. Herr Unzicker bot mir Remis an, ich habe sofort akzeptiert. Der Großmeister Robert Rabiega hat mir bei einem offenen Turnier einmal eine Lektion erteilt. Ich habe ihn bei meinen Schachfreunden, als ich die Partie zeigte, deshalb Robert Rabiato genannt, obwohl er ausgesprochen freundlich war und sogar mit mir analysiert hat."
Frau Pähtz, "Schach dem Vergessen" ist das Motto für das Benefiz-Simultanschachturnier. Wird es ein besonderes Turnier für Sie werden?
"Ich habe in meiner Karriere schon 4050 Simultans gegeben, doch das Benefizturnier im Januar ist auch für mich die erste Veranstaltung, dessen Erlös einem guten Zweck zu Gute kommt, deswegen freue ich mich ganz besonders auf dieses Turnier."
Ich habe gelesen, dass Sie mit neunzigprozentiger Sicherheit, anhand Gestik, Mimik und der Aura, die ihr Gegenüber ausstrahlt, sagen können, ob sie es mit Schachspielern zu tun haben oder nicht. Wie schätzen Sie Generalmajor Oppitz und mich ein?
"Ich hatte damit gemeint, dass ich Leute erkenne, die Turnierschachspieler sind. Sie sind ja beide keine Berufsschachspieler oder Leute die an Turnieren teilnehmen. Ich will damit sagen, dass ich einen Turnierschachspieler von einem Hobbyspieler unterscheiden kann, ich fühle das einfach. Vielleicht ist es der Blick oder die Art und Weise wie er mit mir spricht."
Sehr geehrte Frau Pähtz, Sie haben schon Blindschach gegen die KlitschkoBrüder gespielt und ich habe gehört, dass professionelle Schachspieler sich bis zu 60 Züge merken können. Ist das so?
"Eine Blindpartie kann natürlich 60-70 Züge andauern, bei uns im Schachgehirn ist das Brett mit den Koordinaten vor Augen und wenn sich die Figuren bewegen, ändert sich die Stellung visuell im Kopf. Was die Züge betrifft, berechnen wir während einer Partie 8-15 Züge voraus."
Weiß gewinnt statistisch gesehen häufiger als schwarz, können Sie das bestätigen? Wie ist ihre persönliche Bilanz, bezogen auf die Spielfarbe.
"Ja das stimmt, vor allem in den "Top 10" der Welt. Es ist ein wichtiger Faktor, man eröffnet die Stellung und hat einen Zug mehr. Es ist einfach angenehmer mit weiß zu spielen. Bei mir persönlich, ist es zur Zeit so, dass ich mit schwarz ein besseres Resultat habe, weil ich eher die Konterspielerin geworden bin, die sich angreifen lässt und dann die Chance sucht."
Was waren ihre Beweggründe zur Bundeswehr zu gehen, und wie sind Sie überhaupt auf diese Idee gekommen?
"Der Bundestrainer hat mich damals auf die Idee gebracht. Ich hatte in meinem Jahrgang keine richtige Konkurrenz und wenn ich Lust hätte, könnte ich mich bewerben. Ich fand das sehr interessant und sah es als neue Erfahrung."
Meine letzte Frage Frau Pähtz, was machen Sie, wenn Sie kein Schach spielen?
"Ich nehme hin und wieder Gesangsunterricht und koche sehr gerne."
Herr Pfarrer, wird das eingenommene Geld an Ihre Kirchgemeinde St. Thomas Wolfshagen gespendet, oder was soll mit dem Erlös geschehen?
"Die Teilnehmerbeiträge, Spenden, Eintrittsgelder und Sponsoreneinnahmen gehen zu ¾ an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Die Pflege eines Soldatenfriedhofs in der Nähe von Cheb (Eger) in Tschechien kann hoffentlich mit dem Geld gewährleistet werden. Das übrige Geld kommt der Kinder- und Jugendarbeit der Kirchengemeinde Sankt Thomas Wolfshagen im Harz zugute: Wir brauchen eine Anschubfinanzierung für die Renovierung und Neumöblierung des Jugendraums."
Herr Generalmajor Oppitz, was erwarten Sie von dem Benefizschachturnier?
"Zumindest bei den Schachspielern erwarte ich mir eine gute Resonanz. Ich könnte es nicht verstehen, wenn sich ein passionierter Schachspieler diese Gelegenheit entgehen ließe."
Möchten Sie noch ein Schlusswort sagen Herr Pfarrer?
"Ja, gerne. Ich wünsche mir, dass der Benefizgedanke unter dem Titel: "Schach dem Vergessen", Schule macht und bedanke mich für die bisherige Zusammenarbeit der Bundeswehr mit der Kirchengemeinde St. Thomas und dem Luftkurort Wolfshagen im Harz."
Vielen Dank für das Gespräch!
Text: SU Doreen Ullmann
Fotos: HG Christoph Bockisch


