Benefiz-Spiel Alemannia Aachen gegen Bundeswehrauswahl: Am Ende stand es 6:0, doch die Bundeswehrauswahl hat sich hervorragend präsentiert. Feldjäger, Malteserhilfsdienst und Security-Angehörige versammeln sich am regnerischen Nachmittag vor dem Stadion von Germania Dürwiß 07 e.V. Mitten drin Oberstabsfeldwebel Dieter Glas, Standortfeldwebel in Aachen.
Anlass ist das für den Abend vorgesehene Fußball-Benefizspiel zwischen dem Bundesligaaufsteiger Alemannia Aachen und der Bundeswehrauswahl zu Gunsten der Hospizinitiative Aachen und Eschweiler.

Während Oberstabsfeldwebel Glas sich um die Organisation kümmert, versammelt sich in der Theodor-Körner-Kaserne in Aachen die Mannschaft zur letzten Besprechung vor dem Spiel.
Hauptgefreiter Pascal Trzonnek (22) ist der jüngste Spieler in der Auswahl, die aus den Teilstreitkräften und Organisationsbereichen der Bundeswehr zusammengesetzt ist. Die Dienststelle des Zeitsoldaten (4 Jahre) ist das Bundeswehrkrankenhaus in Berlin.
Er hat schon beim BM-Cup 2005 in der Mannschaft des Zentralen Sanitätsdienstes mitgespielt und ist nun in der Bestenauswahl vertreten. "Es ist eine tolle Abwechslung des täglichen Dienstes, die ich hier erlebe. Prima Kameradschaft und dazu lerne ich noch eine Menge Technik und Taktik", erklärt der Hauptgefreite, der sonst für Blau-Weiß Neuhof (Hannover) in der Landesliga spielt.
Thomas Arzbach (32), Wehrtechnische Dienststelle 51 in Koblenz, war auch schon beim BM-Cup 2005 dabei. Die Mannschaft der Wehrverwaltung musste sich mit dem letzten Platz begnügen. Die Vorbereitungen für den diesjährigen Cup, der im September in Berlin ausgetragen wird, sind intensiver. Die Artillerieschule unterstützt die Auswahl "sehr gut", betont der Obersekretär, der im defensiven Mittelfeld eingesetzt ist und sonst das Trikot der Spielvereinigung EGC Wirges trägt.
Letzte taktische Anweisungen
Im Besprechungsraum der II. Inspektion hat sich die Mannschaft mit Trainern und Betreuern versammelt. Oberstabsfeldwebel Günther Lang gibt letzte taktische Anweisungen, Position für Position für wird noch einmal durchgegangen.
Er betont die Bedeutung des Testspiels auch als Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr. "Einsatz möchte das Trainerteam sehen." Jeder weiß Bescheid, sie begeben sich zum bereitstehenden Bus. Die Fahrt durch den abendlichen Berufsverkehr kann beginnen.

Öffentlichkeitsarbeit, Nachwuchswerbung und Fan-Artikel
Auf dem Platz vor dem Stadioneingang steht Hauptfeldwebel Christian Küpper mit dem Infomobil des Zentrums für Nachwuchsgewinnung West. Der Wehrdienstberater hat schon einige Interessenten. Immer mehr junge Frauen interessieren sich für die Streitkräfte. Sie sind meistens besser informiert als die männlichen Bewerber.
Rund achtzig Prozent der Fragen drehen sich um Ausbildung, gefolgt von technischem Interesse, Arbeitsplatzsicherheit und Weiterbildung. Kontaktkarten zur Terminabsprache hat er genügend dabei. Häufig wird aus ersten Kontakten am Infomobil ein intensives Beratungsgespräch im Büro des Wehrdienstberaters.
Neben dem Infomobil hat der Fan-Club von Alemannia Aachen seinen Platz. Hier drängeln sich jüngere und ältere Käufer, um einen Artikel ihrer Alemannia zu erwerben. Die Klänge des aufmarschierenden Heeresmusikkorps 300, Koblenz, unter der Leitung von Major Burkhard Zenglein erfüllen inzwischen das Stadionrund.
Die Mannschaft hat sich aufgewärmt. Auf dem nassen Rasen bildet sie um Generalmajor Wolfgang Korte, Delegationsleiter der Bundeswehrmannschaft, einen Halbkreis. "Macht ein schönes Spiel, das Ergebnis ist nicht wichtig." Nach diesen Wünschen geht es in die Kabine, gleich kann es losgehen.
Die Weltmeister im Fallschirmspringen warten vergebens auf den angekündigten Hubschrauber. Schlechtwetterfronten ließen ihn nicht nach Aachen fliegen, so dass die Landung mit dem Spielball auf dem Mittelpunkt entfällt.
Ausgeglichene erste, unterlegene zweite Halbzeit
Vor gut 3.500 Zuschauern pfeift Stabsfeldwebel Sönke Glindemann. Der DFB-Schiedsrichter und FIFA Schiedsrichter-Assistent wird an der Linie unterstützt von Hauptmann Hans-Jürgen Schrubba (Fernmeldesektor 301) und Daniel Meys. Vierter Offizieller ist Hauptmann Holger Christoph, der wie Glindemann im Heeresamt Dienst leistet. Oberfeldwebel Markus Hille, der Torwart, ist auch Kapitän. In der neunten Minute kann er einen Torschuss der Alemannen nur durch ein Foul verhindern und bekommt dafür die gelbe Karte. Die Abwehr steht gut, die Bundesligaaufsteiger finden in den ersten 25 Minuten keine Lücken und so rennt sich jeder Angriff fest. Dann ist Sascha Rösler allerdings nicht zu stoppen und versenkt mit einem 20-Meter-Schuss, unhaltbar für Hille, den Ball im Tor. In der 34. Minute knallt Thomas Winterstein das Leder an die Querlatte. Schade, der Ausgleich wäre bei dem bisherigen Spielverlauf gerecht gewesen.
General Wolfgang Schneiderhan, Generalinspekteur der Bundeswehr, sagt in der Halbzeit zum bisherigen Verlauf: "Bisher hat mir das Spiel gut gefallen, beide Mannschaften spielen etwa auf gleichem Niveau, mal sehen wie es weitergeht."
In der Pause übergibt Generalmajor Korte einen symbolischen Scheck mit 9.300 Euro an die Hospizinitiative. Veronika Schönhöfer-Nellessen und Reinhard Gawlak sind über die Summe erfreut: "Mit diesem Betrag haben wir nicht gerechnet."
Nach der Pause zieht Alemannia das Tempo an. Ein Eigentor (62. Minute), drei Tore (65., 70. und 74. Minute) und schließlich das sechste in der 82. Minute bilden das Endergebnis.

Hervorragende Präsentation
Nach dem Abpfiff sammelt sich die Mannschaft zum Gruppenfoto mit dem Generalinspekteur und dem Amtschef des Heeresamtes. Seine Beobachtung fasst General Schneiderhan zusammen: "Wir können mit dem Spielverlauf zufrieden sein, Alemannias Präsident hat es auch gefallen. Es sind ja Bundesligaspieler gegen die wir angetreten sind, unsere Männer waren gut, trotz der deutlichen Tordifferenz können sie stolz vom Platz gehen." Generalmajor Korte dankt für das Entgegenkommen des Vereins und bewertet die Veranstaltung als "hervorragende Präsentation."
In zwei Wochen wird zwar die Fußballweltmeisterschaft in den Blickpunk der Öffentlichkeit rücken. Aber der BM-Cup 2006 wirft seine Schatten schon voraus. Am 4. September beginnt die Vorrunde, am 12. finden die Halbfinalspiele und am 14. das Endspiel in Berlin statt. Für den Projektleiter Oberst Hans-Günter Engel und seine Männer gibt es bis dahin noch viel zu tun.
Text: Peter E. Uhde
Fotos: Uwe Anspach


