Rallyefahrer müssen alles können: blitzschnell lenken, schalten, die Anweisungen des Copiloten umsetzen und ihr Auto auf jedem Untergrund und bei jedem Wetter beherrschen. Und dabei auch noch sehr schnell sein.

"Ein faszinierender Sport, Adrenalin pur", so sehen es der 48-jährige Stabsfeldwebel Lutz Bensinger und der 31-jährige Hauptgefreite der Reserve Alexander Gerstle. An den Wochenenden fahren Bensinger und Gerstle mit ihrem VW Golf Turbodiesel im Deutschen Rallyepokal bundesweit von Sieg zu Sieg. Seit drei Jahren sind sie Deutschlands schnellstes Rallyeteam in der Klasse G 5 (Serienfahrzeuge) und amtierende Baden-Württembergische Rallyemeister. Seinen Dienst verrichtet Lutz Besinger als Feldwebel für Reservistenarbeit beim Landeskommando Baden Württemberg in Stuttgart und zieht seinen Copiloten nebenbei regelmäßig zu dienstlichen Veranstaltungen ein.
Planung ist alles
Feitag, es ist kurz nach 10 Uhr Vormittag irgendwo bei Kaltenkirchen in Schleswig Holstein. Auf einer Bergabpassage rollt der schwarze Golf Diesel gemächlich über eine abgesperrte Landstraße. Am Steuer Lutz Bensinger. Auf dem "heißen" Sitz Copilot Alexander Gerstle. Die beiden erstellen gerade ihren Aufschrieb fürs Gebetbuch. "Du was meinst du", so Alex zu seinem Pilot, "geht die Kuppe voll"? Vor ihnen liegt eine ausgefahrene Asphaltpiste, hundert Meter weiter eine Kuppe, wie man sie nicht gerade überall findet. Eigentlich nur eine halbe Kuppe, nur auf der linken Seite der Straße. Fährt man rechts vorbei muss man zu sehr ins Gras und verliert wertvolle Zeit. Nimmt man sie so, als wäre sie nicht da, riskiert man einen harten Aufschlag, gegebenenfalls sogar einen Abflug. "Puh, schwer zu sagen. Schreib sie mal voll auf aber mach ein dickes Ausrufezeichen dahinter", so Lutz.

Mitten im Geschehen
Einen Tag später: Die Jungs stehen am Start der Wertungsprüfung, setzen die Helme auf und kontrollieren die Gegensprechanlage. Kribbeln im Bauch! Der Starter zählt runter von zehn auf null und los geht's. Bis zum Abzweig im Schotter geht alles voll, noch zwei enge Linkskurven alle im zweiten Gang, rauf in den dritten, mitten durch eine Ortschaft hindurch, rechts-links Kombination, die Bergabpassage, rauf in den vierten. Noch hundert Meter bis zur Kuppe. Lutz geht nicht vom Gas und hält voll rechts an und… es geht! Der schwere Turbodiesel hebt ab,… fliegt,… macht einen mächtigen Satz … und landet ziemlich hart auf dem Asphalt. "Das ist das geilste Gefühl überhaupt, wenn man vorher ausrechnet es könnte voll gehen und merkt es geht tatsächlich", so Alex. Zwar versucht der Golf hinten auszubrechen aber mit ein paar gekonnten Lenkkorrekturen hat Lutz das Rallyeauto wieder schnell im Griff. Durch den Helm erkennt man, dass die Zuschauer den Daumen nach oben halten um zu signalisieren, dass dies gerade so war, wie sie es gerne haben wollen. Noch ein langes Schotterstück, mit der Handbremse rechtwinklig auf Asphalt, ca. einen Kilometer bergauf und durch die elektronische Zeitnahme. Bestzeit! Das war’s. Wieder einmal konnten wir allen zeigen, dass unser Diesel nicht nur brummen sondern auch ganz schön giftig sein kann.

Immer weiter
Und nächste Woche? Da geht's in die andere Richtung. In Passau steht ein weiterer Meisterschaftslauf an. Ein Wanderzirkus - eine große Familie eben.
Eigentlich stünde ein Schulschießen mit den Reservisten an. Aber im Landeskommando in Stuttgart bekommt Stabsfeldwebel Lutz Bensinger volle Unterstützung. Da springt schon das eine oder andere Mal ein Kamerad für den Rennfahrer ein und übernimmt seinen Dienst.
Text: Lutz Bensinger
Fotos: Lutz Bensinger / Alexander Gerstle
Rallye - Sport unter Driftkünstlern Eine Rallye besteht aus mehreren Strecken, so genannten Wertungsprüfungen, die von den Sportlern nach und nach abgefahren werden. Der Schnellste aller Wertungsprüfungen gewinnt! Die einzelnen Strecken sind meist auf eine ganze Region verteilt, so dass Sportler und Fans neben dem Sport auch Sightseeing und Erlebnistouren geboten bekommen und so Deutschland kennen lernen. Bensinger und Co-Pilot Gerstle starten erfolgreich im DMSB Rallyepokal. Dieser wird in fünf Regionen (Nord, West, Ost, Mitte und Süd) ausgetragen. In jeder Region werden die fünf besten Ergebnisse gewertet. Die beiden Soldaten starten in der Klasse G 5 der seriennahen Fahrzeuge mit einem Leistungsgewicht von über 15 kg pro Kilowatt Leistung. Unterwegs sind sie mit einem VW Golf III Turbodiesel. Wer sie live erleben will, der kann das 2009 hier tun: 18.04.09 Ostalbrallye |


