Teilnahme an einem Traditions-Event. Seit nunmehr 34 Jahren stellen die 72,7 Kilometer des Rennsteiglaufs in Thüringen eine besondere Herausforderung dar. Oberstabsbootsmann Jürgen Witte und seine Laufpartnerin, Angestellte Sabine Brause, nahmen sie an.

Tausende liefen bereits den beliebten Rennsteiglauf.
Der GutsMuths-Rennsteiglauf (Crosslauf auf dem Rennsteig in Gedenken an GutsMuths) ist der größte Landschaftslauf Mitteleuropas und gewiss einer der schönsten. Er führt über den Rennsteig genannten Höhenweg des Thüringer Waldes. Jedes Jahr nehmen um 10.000 Läufer und Wanderer daran teil. Für Ostdeutschland hat die Veranstaltung zudem Kultstatus: Der seit den 70er Jahren stattfindende Lauf war die größte Breitensportveranstaltung der DDR. Auch heute ist es ein Markenzeichen für jeden Laufsportler, ein GutsMuths- Läufer zu sein. "Ich habe mir mit der Teilnahme einen Traum erfüllt", erzählt Oberstabsbootsmann Jürgen Witte. Der passionierte Läufer las vor vielen Jahren in einem Buch über die Faszination dieser Veranstaltung.
"Auch ich ließ mich vom Rennsteigfieber anstecken. Das Ziel war klar: ich muss dabei sein!" Er sieht in der Herausforderung, diesen Lauf zu meistern, die Krönung einer langen Laufkarriere. Zumal Witte nach einer langen, krankheitsbedingten Pause wieder mit dem Laufen begonnen hatte. Seit 30 Jahren trainiert der im Logistikamt der Bundeswehr stationierte Unteroffizier. Hier organisiert er als Sportbeauftragter unter Anderem auch den beliebten Waldlauf der Dienststelle. Mehrere Marathons stehen auf einer langen Liste von "abgelaufenen" Veranstaltungen. Sein Dienstzimmer zieren die wichtigsten Trophäen. Im Mittelpunkt steht natürlich der Rennsteiglauf. Mit auf den Erinnerungsfotos: Laufpartnerin Sabine Brause. Sie arbeitet in der Wehrbereichsverwaltung Ost in Strausberg. Die beiden Freunde lernten sich - wie sollte es anders sein - beim Laufen kennen.
Seit drei Jahren ist man gemeinsam zu Wettkämpfen unterwegs und trifft sich zum Training. "Aufgrund der großen Entfernung ist dies meist nur im Urlaub möglich", so Jürgen Witte. Die Ehepartner sind stets mit von der Partie. So setzen Sabine und Jürgen Veranstaltungen in ganz Deutschland auf ihre Terminkalender. Am Liebsten in interessanten Städten. "Mal laufen wir in Dresden, dann wieder in Berlin, oder wie jetzt im thüringischen Eisenach." Gemeinsam verbringen die Paare rund um einen Lauf dann noch gemeinsam ihre Freizeit.

Unterwegs: Sabine Brause und Jürgen Witte.
Das Training
Vor den Preis haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. Besonders gilt dies für den Laufsport. Jürgen Witte erstellte die Trainingspläne für den Rennsteiglauf. Das nötige Wissen bringt er als ausgebildeter Schwimmtrainer mit. Hinzu kommen einige Lehrgänge an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf. Allein in diesem Jahr standen insgesamt schon mehr als 1.500 Trainingskilometer im Pflichtenheft. "Nicht immer ganz einfach", erinnert sich Sabine Brause. "Der strenge und lange Winter dieses Jahr erschwerte mein Training erheblich." Vereiste Wege, Regen und vor Allem Schnee machten ihr zu schaffen. "Ich war teilweise gezwungen, mich mit einer 250 Meter langen Bahn auf einem geräumten Fußweg zu begnügen. Die einzig eisfreie Möglichkeit." Dass sie hier auch eine 25-Kilometer- Einheit zusammen lief, findet nicht nur Jürgen Wittes Bewunderung. Mit eiserner Disziplin steuerten er und Sabine den 20. Mai 2006 an, dem Termin des Rennsteiglaufs. Drei Wochen zuvor ging es ans Eingemachte. "160 Kilometer liefen wir in einer Trainingswoche zum Test für den Rennsteig", so Witte über die letzten Vorbereitungen. Besonders eine Bergetappe von 26 Kilometern Länge nahmen die Läufer vorab unter ihre Sohlen. "Eine Schlüsselstelle des Laufs", sagt Sabine, "wo sich die Spreu vom Weizen trennt." Zwölf Stunden war die anvisierte Zeit, in der sie und Jürgen von Eisenach nach Schmiedefeld laufen wollten. Hochmotiviert und bestens vorbereitet traf man sich zum Wettkampf.
Der Lauf
Der Supermarathon gilt als Königsstrecke des Rennsteigs. Vom Startort Eisenach auf 150 Metern Höhe, führt die Strecke auf den höchsten Punkt mit 970 Metern. Schmiedefeld, der Zielort, liegt auf 711 Meter. So kommen zu der Distanz auch etliche Höhenmeter zusammen. "Landschaftlich ist der Lauf äußerst reizvoll", erinnert sich Jürgen Witte, "aber der Thüringer Wald hat's in sich!" Die Witterungsbedingungen waren mit sieben Grad am Wettkampftag alles Andere als optimal. Die Teilnehmer standen gut eingepackt am Start. Der einsetzende Regen verwandelte manchen Abschnitt in eine Schlamm- und Rutschpartie. Einmal stürzte Sabine sogar. Entmutigen konnte die Beiden aber weder dieser Ausrutscher, noch das miese Wetter. Routiniert liefen sie Kilometer um Kilometer, unterstützt von den mitgereisten Ehegatten. Diese stellten nicht nur die motivationsfördernden Zurufe, sondern auch die Erinnerungsfotos sicher. "Der Lauf hat durchaus auch ruhige Abschnitte, wo man einfach nur stramm geht," erläutert Sabine Brause den Ablauf. Der Plan sah anfangs ein Tempo von etwa sieben Minuten pro gelaufenem Kilometer vor, später dann bis zu zehn Minuten.

Verschnaufpause an den Verpflegungsstationen.
An den Verpflegungsstationen gönnte man sich eine kurze Verschnaufpause. Der Lauf gilt als die Sportveranstaltung mit der besten Verpflegung. Der Rennsteiglauf ist schon seit vielen Jahren als eine sehr gut organisierte Veranstaltung bekannt. 1500 Helfer in 32 Sportvereinen Thüringens sorgen für ein wunderbares Lauferlebnis inmitten herrlicher Natur. Das Gepäck der Läufer wird mit Autos vom Start zum Ziel transportiert, für den Rücktransport der Läufer mit Bussen ist ebenfalls gesorgt.

Überglücklich im Ziel: Mit 10:05:51 Stunden
die Erwartungen übertroffen.
"Die einzelnen Strecken sind sehr gut ausgeschildert, regelmäßig wird über den Kilometerstand informiert." Oberstabsbootsmann Witte ist begeistert. Seine Erwartungen an die Veranstaltung sind übertroffen. Der Trainingsfleiß sollte sich auszahlen: Mit 10:05:51 Stunden bleiben Sabine und Jürgen weit vor ihren Erwartungen. Überglücklich erreichten sie Schmiedefeld. Das Empfangskomitee bildeten Familie, Zuschauer und Freunde. Gemeinsam feiert man im Zielort Schmiedefeld den großen Erfolg auf der stimmungsvollen Abschlussparty im Schmiedefelder Festzelt. "Das gehört dazu", so die stolzen "Finisher".
Und was bringt die Zukunft? "Schaun wir mal", so Sabine und Jürgen unisono. Viele Läufe und in spätestens zwei Jahren wieder nach Thüringen auf den Rennsteig. Die Trainingspläne liegen in der Schublade.
Text: Ralf Wilke
Fotos: Jürgen Witte, Sabine Brause


