Olympiateilnehmer plaudern aus dem Nähkästchen. Eine Führerweiterbildung der besonderten Art gab es am 2. Februar 2009 für die Angehörigen des Stabes Wehrbereichskommando II. Drei Spitzensportler der Sportfördergruppe Mainz standen ihnen Rede und Antwort, erzählten von ihren persönlichen Erfahrungen bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und boten tiefe Einblicke in und um den Spitzensport.
Zunächst gab Stabsfeldwebel Stefan Kainath, Leiter der Sportfördergruppe Mainz und selbst erfolgreicher Sportler und 2003 Weltmeister in der KickboxDisziplin Kata, einen Überblick über die Sportförderung der Bundeswehr.
Diese beschloss der Deutsche Bundestag am 8. Mai 1968. Zur Zeit befinden sich rund 800 Sportler in 15 Sportfördergruppen, davon zwei für rein militärische Sportarten. Ihre Grundausbildung durchlaufen die Athleten in Nienburg oder Dillingen an der Donau. Die Sportfördergruppe Mainz gibt es seit 1970. Zur Zeit gehören ihr 12 Sportlerinnen und 40 Sportler an. Die größten Gruppe bilden die Leichtathleten mit zwölf, gefolgt von den Fechtern mit zehn Personen. Sieben Frauen und vier Männer waren in Peking dabei, am erfolgreichsten: Stabsgefreiter Eugen Spiridonov, der mit der Kunstturn-Mannschaft den vierten Platz belegte.

Stabsfeldwebel Stefan Kainath (links) mit
den drei Olympiateilnehmern.
Olympische Spiele erleben
Fünfter wurde der Florett-Fechter Peter Joppich. „Mit dieser Platzierung war ich nicht zufrieden. Ich hatte mehr erwartet“, sagte der Stabsunteroffizier, der den Zuhörern einen tiefen Einblick in die Olympischen Spiele in Peking aus der Sicht eines Teilnehmers bot. Er berichtete von strengen Sicherheitskontrollen und ständig präsenten Sicherheitskräften. Wichtig sei die Akkreditierung als Olympiateilnehmer gewesen: „Das war die Eintrittskarte für alles“, so Joppich, der sich trotz einer „spartanischen Unterkunft“ im Olympischen Dorf wohl fühlte. „In der Mensa haben wir besonders viel Zeit verbracht. Sie war 24 Stunden geöffnet und wir haben stundenlang staunend gekuckt, wer rein und raus geht“, erzählte der Fechter mit leuchtenden Augen.
Der Eröffnungsfeier habe man regelrecht entgegengefiebert. Der Tag sei schwül und drückend gewesen, sodass man die „Krawattenpflicht“ aufhob. „Vor dem Einmarsch in das Olympiastadion hat man die Mannschaften in einer Sporthalle versammelt, wo schon eine tolle Stimmung herrschte. Mehrfach machte man die Welle, die anfangs bei den Afrikanern stockte, die das nicht kannten. Doch sie lernten schnell“, so der Stabsunteroffizier. Direkt hinter dem deutschen Fahnenträger Dirk Nowitzki, der einst auch der Sportfördergruppe Mainz angehörte, marschierte er ins Stadion ein und konnte so das Treiben um das Basketball-Ass hautnah miterleben. „Da habe ich gemerkt, was es heißt, ein Superstar zu sein. Ständig war er von Leuten umringt, die sich mit ihm fotografieren lassen oder ein Autogramm haben wollten. Einmal schritten sogar die Sicherheitskräfte ein und vertrieben die Anhängerschar. Danach haben sie sich selbst ein Autogramm geholt.“
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Medaillenbilanz rückläufig
Oberfeldwebel Anja Schache ist seit 13 Jahren bei der Bundeswehr und belegte in Peking mit der Florett-Mannschaft den fünften Platz. In ihrem Vortrag zog sie eine Bilanz der Spiele. Deutschland hatte mit Ersatzleuten und Trainingspartnern 542 Sportler dabei. An 90 Prozent der 302 Wettbewerbe nahmen deutsche Sportler teil, holten dabei 41 Medaillen und damit den fünften Platz im Medaillenspiegel. Tendenziell sei seit 1992 ein Rückgang der deutschen Medaillenbilanz erkennbar. Die Medaillen würden sich auf mehr Länder verteilen, weil dort mittlerweile gute Trainer beispielsweise aus der ehemaligen Sowjetunion tätig seien, verdeutlichte die Fechterin.
Anschließend stellte sie die Vor- und Nachteile von Amateursportlern denen von „Staats- und Bundeswehr-Profis“ gegenüber. Für Amateure von Vorteil sei die duale Karrieremöglichkeit im Beruf und beim Sport. Nachteilig wirke sich das dadurch entstehende allgemeine Zeitdefizit, der Rechtfertigungszwang gegenüber dem Arbeitgeber und das Regenerationsdefizit aus. Bei den staatlich geförderten Sportlern könne dagegen wegen der gesicherten finanziellen Basis der Sport im Fokus stehen. Dies führe jedoch häufig zu einer Stagnation der beruflichen Entwicklung und zu einer einseitigen psychische Belastung.

Oberfeldwebel Anja Schache (links) zieht Bilanz.
„Der Körper ist mein Kapital“ Danach schilderte Stabsunteroffizier Kamghe Gaba wie das tägliche Leben eines Spitzensportlers abläuft. Der 2,02 Meter große Modellathlet erreichte mit der 4x400-Meter-Staffel in Peking den zwölften Platz. Zweimal täglich sei Training angesagt, mittwochs nur einmal, „um die Füße hochzulegen und Kraft zu tanken“. Um 10 Uhr beginne das Vormittagstraining. „Zunächst laufe ich 16 mal 400 Meter“, erzählte er so, als ob dies eine Kleinigkeit wäre. Neben einem strikten Trainingsplan sei die regelmäßige Physiotherapie unabdingbar. „Der Körper ist mein Kapital. Da muss man auf vieles verzichten können“, so der Leichtathlet, dessen Jahr voll durchorganisiert sei. Zum Stichwort Ernährung hat er eine einfache Formel parat: „Ich weiß, was mir bekommt.“
In der abschließenden Diskussion blieb das Thema Doping nicht außen vor. Die drei Spitzensportler beschrieben das für Dopingkontrollen „engmaschige Netz“ der nationalen und internationalen Dopingagenturen. Um für Kontrolleure auffindbar zu sein, müsse man auf einer Internetseite für drei Monate im Voraus seine genauen Aufenthaltsorte melden. Dies sei fast unmöglich und so schreibe man ständig Änderungen, denn bei zwei versäumten Tests drohe eine Sperre.
Text: Rudi Meiszies (rum)
Fotos: Dieter Stoltenberg




