Auch wenn es zunächst soweit weg scheinen mag, doch nach dem Laufen breitet sich ein Wohlgefühl aus, dass positive Auswirkungen auf Körper, Seele und Geist hat. Mit sinnvoller Ausrüstung umso eher. Soldaten haben's gut. Oder nicht?

Was des Einen Freud, ist des Anderen Leid, sagt der Volksmund. Das gilt insbesondere für das Laufen. So wird es manchem in unseren Streitkräften geradezu entgegen kommen, dass Ausdauerdisziplinen regelmäßig auf dem Dienstplan stehen. Der Kamerad auf der Stube, im selben Zug oder im Büro hingegen verdreht schon beim Gedanken an die nächste Runde auf dem Standortübungsplatz oder auf der Sportanlage widerwillig die Augen. Dabei sind es aber meistens die falschen Grundlagen, die einem die Lust am Laufen verleiden. Als Übergewichtiger kann ich selbstverständlich nicht von heute auf morgen Rekorde brechen.
Anfänger geben oftmals auf, weil sie am Beginn des Trainings überfordert sind. Doch bietet uns Soldaten der Dienstherr die Möglichkeit, uns während der Arbeitszeit fit zu halten. Wer kann das im Zivilen schon von sich behaupten? Daher ist nichts einfacher, als diese Möglichkeiten individuell für sich zu nutzen. Vieles steht und fällt aber schon mit der Ausrüstung. Falsche Schuhe zum Beispiel können einem nicht nur die Freude am Lauf nachhaltig verderben, sondern im schlimmsten Fall sogar gesundheitliche Schäden hervorrufen. Daher ist es empfehlenswert, sich neben einer vorbereitenden Untersuchung beim Arzt, auch mit einigen Eckdaten zur richtigen Bekleidung zu befassen.
Für die Füße - der richtige Schuh
Wichtigste Regel: Fitnessschuhe sind keine Alternative. Es gelten einige wichtige Kriterien, für die Wahl des Schuhwerks. Der Fachmann im Fachgeschäft zeigt sie und berät bei der Auswahl. Denn das Laufen an sich ist ein komplizierter Ablauf von Bewegungen und ein Zusammenspiel verschiedener Muskeln. Der erste Bodenkontakt erfolgt nämlich mit der hinteren Außenseite des Fersenballens. Dann knickt der Fuß leicht nach innen, um mit der Sohle aufzusetzen. Diese als "Pronation" bezeichnete Bewegung ist das natürliche Dämpfungssystem des Sprunggelenks. Auch Längs- und Quergewölbe des Fußes fangen die auftretende Belastung ab. Das Körpergewicht verlagert sich nach vorne auf die inneren Zehenballen. Von dort erfolgt der Abdruck durch Strecken des Fußes und der Zehen. Der sogenannte Übersupinierer läuft abweichend von der beschriebenen Bewegung auf der Aussenkante des Fußes, der Überpronierer knickt nach innen ein. Dies muss genau festgestellt und der Fuß auf eventuelle Fehlstellungen getestet werden.
Am Besten stellt man all dies mittels einer Laufbandanalyse fest. Die LHD-Filialen bieten oftmals diese Möglichkeit. Zur Anprobe die Laufsocken tragen und den Schuh stets eine halbe Nummer größer wählen. Die Laufbandanalyse ist eine funktionale Betrachtung des Laufstils. Die Resultate der ersten Messung mit nackten Füßen sind unverfälscht und bilden die Basis. Wichtig ist dies auch für die Anfertigung von Hilfsmitteln wie etwa Einlagen. Im weiteren Verlauf der Analyse werden unterschiedliche Laufschuhe eingesetzt, da diese nicht nur Fehlstellungen korrigieren, sondern auch falsch gewählt sogar erst verursachen könnten. Aus diesem Grunde sollten alte Laufschuhe nicht einfach entsorgt werden, sondern zur Laufbandanalyse mitgenommen werden. Die alten Schuhe zeigen meist deutlich, worauf man bei den Neuen achten sollte. Zum Beispiel ungleichmäßig abgelaufene Sohlen oder schief getretene Absätze helfen bei der Wahl der richtigen Dämpfung.
Zum Schuh: Im Vorfußbereich muss genügend Spielraum für freie Bewegung der Zehen sein. Das Profil und die Dämpfung richten sich nach dem Untergrund der Hauptlaufstrecken. Stabilität geht vor Gewicht und Optik. Auf atmungsaktives Obermaterial achten. Ein optimal gekaufter Schuh dämpft die Landephase. Unterschiedlichem Körpergewicht begegnet man durch die unterschiedliche Härte oder Beschaffenheit des Sohlenmaterials. Vorsicht, zu weiche Dämpfung kann die Achillessehne belasten! In der Standphase - dem Übergang von Kontakt zu Absprungphase, also der Fuß berührt komplett den Boden - muss ein Laufschuh den Fuß stützen und ihm optimalen Bodenkontakt ermöglichen, abhängig von der ermittelten Fußstellung. Während der Abstoßphase muss der Schuh den Fuß so führen, dass er möglichst geradlinig den Boden verlässt. Der Übersupinierer braucht eine stabile Fersenkappe. Ohne Fehlstellung wählt man den Normalschuh und der Überpronierer benötigt eine Verstärkung in der Innensohle, um das übermäßige Nach-Innen-Knicken des Fußes zu verhindern.
Laufbekleidung
Schlechtes Wetter? Es ist zu kalt, zu heiß, der Wind bläst einem um die Ohren, es regnet. Etwas trifft immer zu. Für jede dieser Bedingungen gibt es heute entsprechend optimierte Bekleidung. Sie hilft bei Kälte, die eigene Körperwärme zu speichern und bei Hitze den Schweiß schnell abzutransportieren. Darum ist wichtig, dass die Textilien atmungsaktiv, strapazierfähig, nicht einengend und pflegeleicht sind. Funktionelle Sportbekleidung ist daher mehrschichtig aufgebaut: Die innere Schicht transportiert zunächst die Feuchtigkeit von der Haut weg, während die mittlere Schicht für Wärmeisolation sorgt. Schließlich schützt die äußere Schicht vor Wind und Regen, ist aber atmungsaktiv. Die Anhänger von Naturfasern werden unfreiwillig zu "Wasserträgern", denn Baumwolle saugt sich voll wie ein Schwamm.
Die neuen Kunstfasern hingegen speichern keine Feuchtigkeit, die Haut bleibt trocken. So entsteht kein Hitzestau, kein Kreislaufkollaps, keine Verdunstungskälte, kein Frieren. Somit erreicht der Läufer einen Energiegewinn, der in mehr Leistung umgesetzt wird. Zu Beginn des Laufes darf zum Beispiel in der kalten Jahreszeit auch ein leichtes Kältegefühl vorherrschen. Dabei ist darauf zu achten, dass Hände und Kopf ausreichend geschützt sind durch Handschuhe und Fleece-Mütze. So gerüstet beugt man dem Auskühlen vor, erwiesenermaßen ist aber eine Verkühlung beim Laufsport nahezu unmöglich, da die vom Körper gefühlte Temperatur konstant bleibt.
Trainingstipps
Die Sportschule der Bundeswehr in Warendorf hat in ihrer "Arbeitshilfe Kondition und Fitness" die wichtigsten Kriterien für den Ausdauersport zusammengestellt. Hier wird ausführlich beschrieben, worauf beim Laufen zu achten ist und Anleitung zur Entwicklung von sinnvollen Trainingsplänen gegeben. Die Broschüre steht kostenlos im Inter- und Intranet zum Download bereit. Einfach auf http://www.sportschule.bundeswehr.de/ klicken und im Servicebereich nachschauen. Einen interessanten Überblick der Dämpfungsmöglichkeiten bei Schuhen bietet der neue Katalog der Firma Brooks, oder unter http://www.brooksrunning.eu/. Die Seiten Fitness.com und joggen-online.de bieten Trainingspläne und Anregungen in großem Stil. Doch wer sich nicht sicher ist, der sollte auf jeden Fall den Truppenarzt zu Rate ziehen und seinen Plan auf seine individuellen Bedürfnisse abstimmen. Dann fällt das Laufen bald leichter.
In den kommenden Ausgaben des Bundeswehr-Sportmagazins beschäftigen wir uns eingehend mit den verschiedenen Aspekten des Laufens und mit Trainingsmöglichkeiten.
Text: PIZ SKB, SportSBw
Fotos: Streitkräftebasis/Faller, IMZBw, asicsfoto


