Yamaha R6-Dunlop-Cup: Hier greift Stabsunteroffizier (FA) Christopher Gonsior nach drei Jahren Pause wieder an. Sein Saison-Ziel: Unter die ersten Zehn! Seit 2006 ist Christopher beim "Bund". Hier wird er derzeit an der Logistikschule zum Fahrlehrer ausgebildet.

Neben praktischer Ausbildung steht dort jede Menge Theorie auf dem Dienstplan. Entspannung findet der 23-jährige beim Rennen fahren. An den Wochenenden tauscht er die Uniform gegen den Lederkombi und fegt mit seiner Yamaha YZF-R6 durch die Kurven bekannter Rennstrecken. Seine Knie berühren dabei fast den Boden, die Schräglage ist atemberaubend. 287 km/h läuft der japanische Vierzylinder Spitze. Fahrmanöver und Geschwindigkeiten, die als Fahrlehrer weniger gefragt sein dürften. Doch seine Erfahrung und sein Talent wirkt sich schon positiv auf seine Ausbildung aus. Es ist halt der Umgang mit der Technik und Motorrädern, die den Soldaten seit seiner Kindheit fasziniert. Bereits mit 16 Jahren fuhr er im ADAC Junior-Cup und bis vor vier Jahren in der IDM-Supersport 600, der Internationalen Deutschen Meisterschaft.
Nach der Pause wieder mitmischen
In seinen ersten Jahren bei der Bundeswehr fehlte ihm die Zeit, um seiner Leidenschaft intensiv und auf dem gewohnt hohen Niveau nachzugehen. Zudem ist Rennsport keine günstige Angelegenheit. Sein Vater war es jetzt, der Gonsior wieder zurück auf die Rennstrecke brachte. "Er fragte mich, ob ich es nicht noch einmal versuchen möchte. Mein Vater ist auch derjenige, der mich finanziell und mental unterstützt", erzählt Gonsior. Stets mit dabei ist auch Freundin Jasmin. Sie reist als Mechaniker, Physiotherapeutin und Köchin mit. So unterstützt sie ihren Lebensgefährten bei seinem Vorhaben, ab diesem Jahr "wieder vorne anzugreifen", wie Christopher seine Ziele formuliert. Im April ging es auf dem Lausitzring los. "Die Kurven lassen sich mit dem Motorrad nicht so flüssig fahren", erklärt er nach dem Saisonstart. In diesem ersten Lauf konnte er noch nicht an seine Erfolge aus der ersten Rennsportkarriere anknüpfen. "Es war nicht so, als könnte ich kein Motorrad mehr fahren, doch ich hatte durchaus Probleme, schnell zu fahren", kommentierte er seine hintere Platzierung. Doch bereits in den folgenden Rennen in Oschersleben und der grünen Hölle Nürburgring konnte er sich deutlich steigern und verbessern.

Mitten drin
Der Yamaha R6-Dunlop-Cup ist die älteste und bekannteste Nachwuchsrennserie der Welt. Jeder Teilnehmer fährt unter gleichen technischen Voraussetzungen. Die Fahrzeuge sind identisch. Die Yamaha verfügt über einen potenten Motor mit 599 Kubik, Anti-Hopping-Kupplung zur besseren Kontrolle, einem leichten Alu-Deltabox-Rahmen für die extreme Handlichkeit mit einem Rahmenheck aus Magnesium, sowie über individuell einstellbare Federelemente. Der japanische Motorradhersteller stellt den Fahrern die komplette Ausrüstung zur Verfügung - vom Motorrad, über den Helm bis zu den Handschuhen. Für dieses Starterpaket werden rund 15.000 Euro fällig. Durch insgesamt acht Rennen wird der beste Fahrer ermittelt. Die Läufe werden im Rahmen der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) ausgetragen. Da die Rennen immer an den Wochenenden stattfinden, lässt sich sein Hobby derzeit gut mit dem Dienst vereinbaren. Seine Vorgesetzten unterstützen ihn wo immer möglich. Meist, indem sie die Freitage vor einem Rennen Urlaub gewähren. "Leider unterliegt der Rennsport nicht der Spitzensportförderung der Bundeswehr", bedauert Christopher. Die würde vieles erleichtern, glaubt er. Die Kosten für Anreise und weitere Aufwendungen stemmt Christopher selbst bzw. mit seinem Vater und Sponsoren. Deren Liste ist lang. Unter den Firmen befinden sich zahlreiche Unternehmen aus Niedersachsen, der Heimat des soldatischen Rennfahrers. Wo sich Gonsior letztendlich platzieren wird, vermag er noch nicht zu sagen. Noch vier Läufe stehen aus, zwei davon im benachbarten Ausland. "Wir sind also mitten drin in der Saison. Da ist noch was drin. Nur hinterher fahren will ich jedenfalls nicht!" Ehrgeizig war er schon immer. Auch ein Sturz wie am Nürburgring halten ihn nicht auf. "Ich bin kontinuierlich schneller geworden und freue mich auf jeden neuen Lauf!" Am 13. September ist das letzte Rennen dieser Saison auf dem Hockenheimring. Hier noch einmal alles geben - vielleicht ist der StUffz dann schon wieder unter den ersten Zehn. Die Chancen stehen gut, Potential hat er genügend. Viel Glück!
Wer den Verlauf des Piloten mitverfolgen will oder einfach Rennatmosphäre schnuppern möchte, der findet auf Christophers Webseite viel Stoff für Benzingespräche: www.gonsi-racing.de
Text: PIZ SKB
Fotos: www.gonsi-racing.de


