Natürlich fährt ein Rennfahrer lieber vor vollen Tribünen. Dies trifft normalerweise auch auf Hauptfeldwebel Mario Merten zu, der im Streitkräfteunterstützungskommando für die Lehrgangsbearbeitung in Sachen Brandschutz zuständig ist.

Der zweimalige Titelträger der BF-Goodrich-Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring sollte wie im Vorjahr auf einem Porsche 911 des Bonk-Teams aus Münster am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring teilnehmen. Unvorhersehbare Ereignisse haben dies kurzfristig verhindert.
Die Eltern von Merten betreiben eine Pension in Nürburg und hatten bereits mehrfach das Glück, bei der Vergabe von Imbissstationen auf dem Nürburgring zum Zuge zu kommen. Gleich zwei davon fielen der Familie in der neu gebauten Tribünenanlage des Eifelkurses zu. Nachdem Mertens Vater im Herbst 2008 überraschend verstorben war, hatte seine Mutter die Hauptlast dieser Arbeit zu tragen. Klar, dass der 35-jährige Hauptfeldwebel immer mit anpackt, wenn Not am Mann ist.
Die Eröffnung der neuen Tribünenanlage war zunächst für das Juli-Wochenende geplant, an dem das Formel-1-Rennen um den Großen Preis von Deutschland stattfinden soll. Kurzfristig wurde diese Planung geändert und die Einweihung im Rahmen des 24-Stunden-Rennens vorgenommen. Für Merten stand damit eine schwerwiegende Entscheidung an. Die Teilnahme am Rennen hätte die Familie vor große Probleme gestellt, waren doch die neuen Imbissstationen noch einzurichten und aufzubauen. Sich in den Dienst der Familie zu stellen hätte bedeutet, auf einen vielbeachteten Renneinsatz zu verzichten, bei dem ein möglicher Erfolg in Form eines Klassensiegs vielleicht weitere Optionen eröffnet hätte.

Der Bonk-Porsche musste ohne Mario Merten starten.
Ganz Soldat, stellte Merten seine persönlichen Belange hinten an. Er sagte den Renneinsatz ab und half der Familie. Das der gebürtige Nürburger dabei fast ständig Blick auf die Rennstrecke und die Boxenanlage hatte, nahm er gelassen. Sein Team hatte für diese Entscheidung Verständnis, allerdings ohne Merten auch viel Pech. Nach drei Stunden wurde der Porsche bei einem Unfall arg in Mitleidenschaft gezogen und konnte das Rennen nicht fortsetzen.
Im Training waren Mertens Teamkollegen, mit denen er auch in der BF Goodrich Langstreckenmeisterschaft zusammen fährt, noch auf Rang sechs der Klasse SP6 und Startplatz 45 gefahren. Die vorderen Plätze belegten die weitaus stärkeren Fahrzeuge von Porsche und Audi. Geärgert wurden die Favoriten allerdings von Raeder Automotive und deren Topauto, einem Ford GT, der sich im Abschlusstraining die Pole Position sicherte. Die erste Startreihe komplettierte der Sieger der letzten drei Jahre, der Manthey Porsche 911 GT3 RSR. Dahinter versammelten sich geschlossen die vier werkseitig eingesetzten Audi R8 LMS der Teams Abt Sportsline und Phoenix Racing.
Den erwarteten Zweikampf zwischen Audi und Porsche sollte es aber zu Beginn des 37. ADAC 24-Stunden-Rennens noch nicht geben. Zunächst verteidigte Dirk Adorf im Ford GT die Spitzenposition vor Marc Lieb im Manthey-Porsche. Beide setzten sich sukzessive vom Feld ab und flogen im Parallelflug um die 25,378km lange Kombination aus GPStrecke und Nordschleife. Ein Ende fand dieses packende Duell erst, als der Ford bei einem Überrundungsmanöver touchiert und in einen Dreher gezwungen wurde. Nun brach die Zeit von Audi an.

235.000 Fans zelteten direkt an der Strecke.
Bereits im Training kristallisierte sich die #99 von Phoenix Racing als der stärkste R8 heraus. Je nach Tankrhythmus lag mal der Audi und mal der Porsche in Führung. Auch dahinter kämpften ein Audi und der Manthey-Porsche GT3 Cup S um Platz drei. Erst ab Rang fünf zeigte sich die ganze Markenvielfalt, die durch das neue Reglement gewährleistet werden sollte. Die neuen Klassen für FIA-GT3 Fahrzeuge beherbergten neben den Ford GT, Audi R8 LMS und Porsche GT3 Cup S auch die BMW Alpina B6 GT3 und Dodge Viper GT3. Prominente Werksteams gab es nicht nur hier. Der amtierende Tourenwagenweltmeister Andy Priaulx teilte sich mit dem Markenkollegen Jörg Müller und zwei Journalisten einen neuen BMW M3 GT4 in der Klasse SP10. Weitere Werkswagen schickte die Volkswagen AG ins Rennen. Drei benzinbetriebene VW Scirocco versuchten den Klassensieg des letzten Jahres in der SP3T zu wiederholen, während zudem zwei Erdgas-Sciroccos bei den alternativen Antrieben starteten. Neben den angepeilten Klassensiegen konnten gleich drei dieser Fahrzeuge unter die Top20 im Gesamtklassement fahren. In den Kampf um die Spitze konnten diese Teams aber nicht eingreifen. Hier zeigte sich die Nacht über das gewohnte Bild. Audi und Porsche dominierten, bis der führende Audi fünf Stunden vor Rennende im Pflanzgarten ausrollte.
Nach einem Radlagerwechsel konnte das Team zwar weiter fahren, aber der Sieg war Manthey Racing nicht mehr zu nehmen. Zum vierten Mal in Folge sicherte sich der Porsche von Olaf Manthey den Gesamtsieg. Dabei vertraute er wieder einmal auf das Quartett Timo Bernhard, Marc Lieb, Romain Dumas und Marcel Tiemann. Christian Abt, Jean-Francois Hemroulle, Pierre Kaffer und Lucas Luhr sorgten, mit Platz zwei, für ein versöhnliches Ende im Audi-Lager. Komplettiert wurde das Siegerpodest von Emmanuel Collard, Wolf Henzler, Richard Lietz und Dirk Werner im zweiten Porsche aus dem Hause Manthey Racing.
Wieder einmal erlebten die über 200.000, an der Strecke campierenden Fans, dank des sommerlichen Eifelwetters und hochkarätigen Teilnehmerfeldes, ein packendes 24-Stunden-Rennen. Nach der plötzlichen Lageänderung im Vorfeld dieses Rennens wird Mario Merten für das nächste Jahr frühzeitig Vorkehrungen treffen, dass seine Teilnahme am Rennen auch sicher gestellt ist. Bis es soweit ist, wird er auf einem BMW weiterhin an der BFGoodrich-Langstreckenmeisterschaft teilnehmsen.
Text und Fotos: Matthias Behrndt


