Berliner Golf Club Gatow feiert Geburtstag, kümmert sich um den Nachwuchs und organisiert traditionsreiches Bundeswehr-Turnier Christian Prestele ist extra aus Roth bei Nürnberg angereist. Die Entscheidung fiel ihm nicht schwer.

"Das Golfturnier ist die Anfahrt wert", sagt der stellvertretende Kommandeur des Luftwaffenausbildungsregiments bei der Bundeswehr. Dabei sein ist alles, lautet seine Devise. E liebt die mentale Anstrengung, wie er es formuliert, und die Konzentration, auf die es beim Spiel ankommt. Viele unterschätzen den Golfsport, sagt er. "In den Körper hineinhorchen, nicht ablenken lassen und im richtigen Moment abschlagen", das reizt ihn. Das Training einmal in der Woche möchte er lieber als Üben bezeichnen, denn viel Zeit hat er nicht dafür. Die Fitness, die er ausstrahlt, holt er sich noch auf andere Weise, u. a. ist er Skilehrer im Deutschen Skilehrer-Verband. Für den 47-jährigen mit einem Handicap von 35 ist Golf vor allem ein sehr kommunikativer Sport "im Gegensatz zum Beispiel zum Windsurfing" und eine wunderbare Art, die Gemeinschaft zu pflegen. Dazu hatte er am 24. und 24. Juli reichlich Gelegenheit. An dem Turnier um den "Wanderpreis des Stellvertreters des Generalinspekteurs" haben über 100 Bundeswehr-Angehörige und Mitglieder im Berliner Golf Club Gatow teilgenommen.
Der Verein war zum dritten Mal Gastgeber für dieses traditionsreiche Turnier, das früher am Bundeswehr Standort bei Bonn ausgetragen wurde. "Das ist hier ein schöner Platz, sehr abwechslungsreich." Brigadegeneral Dieter Warnecke weiß, wovon er spricht. Er hat die Neigungsgruppe Golf bei der Bundeswehr vor zehn Jahren mitgegründet und kennt ähnliche Turniere, u. a. in Hamburg, München und Bonn.
In den vergangenen Jahren ist der Golfsport nicht nur in der Bundeswehr immer populärer geworden. Wenn es stimmt, dass sich diese Sportart den Massen öffnet, lasst sich das am Beispiel des Berliner Golf Club Gatow gut beobachten. Der Verein feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen und die Chronik seiner Geschichte liest sich wie eine Entwicklung, die das Golfen Schritt für Schritt wegführt von einer elitären Sportart, die nur wenigen vorbehalten ist. Aus dem British Golf Club Gatow, der von den in Berlin stationierten britischen Streitkräften gegründet worden war, ging nach dem Mauerfall der Berliner Golf Club Gatow hervor. Die Verantwortlichen, die den Verein durch die turbulente Wendezeit führten, haben nicht nur dafür gesorgt, dass der Platz mit dem Casino in Vereinsbesitz überging und von neun auf 18 Loch vergrößert wurde. Sie haben auch die Nachwuchsarbeit groß geschrieben.

Baumpflanzen auf dem Clubgelände als Symbol für Zukunft,
Aufbruch und Neues: (v.l) LSB-Präsident Klaus Böger,
Brigadegeneral Dieter Warnecke und Clubpräsident
Dieter Wekwerth.
Heute sind die Clubverantwortlichen stolz auf das Erreichte. Innerhalb des Projekts "Abschlag Schule", mit dem Golfverbände in Deutschland Schüler an ihren Sport binden wollen, pflegt der Berliner Golf Club Gatow enge Kontakte zu vier benachbarten Schulen und bietet gemeinsame Arbeitsgemeinschaften an. Es werden Kinder- und Schülercamps organisiert, wo sechs bis 12-jährige das Golfabzeichen ablegen können. Es finden hier zahlreiche Schülerturniere statt. Außerdem hat der Berliner Golf Club Gatow dazu beigetragen, dass Golf inzwischen im September zum Standardprogramm bei "Jugend trainiert für Olympia" gehört, dem größten Schulsportwettbewerb der Welt, und damit zu den beliebtesten Schulsportarten Fußball, Leichtathletik und Tennis aufrückt.
Der Platz in Gatow ist so gut ausgelastet, dass es nicht einfach ist, hier überhaupt ein neues Turnier zu etablieren. Aber der Club hat sich in den vergangenen Jahren bewusst in viele Richtungen geöffnet. So liegt den Mitgliedern u. a. auch eine gute Beziehung zur benachbarten General-Steinhoff-Kaserne am Herzen. Es gibt teilweise sogar gute persönliche Kontakte zwischen Vereinsmitgliedern und Bundeswehrangehörigen. Deshalb ist der Umzug des Bundeswehr-Golfturniers von Bonn nach Gatow allen Beteiligten recht, sagen die beiden Organisatoren Clubmanager Bjorn Maas und BundeswehrSportlehrer Detlef Mielatz. "Und wir sind stolz darauf", sagt Clubpräsident Dieter Wekwerth. Am Ende dieses Turniers hat er gemeinsam mit Brigadegeneral Dieter Warnecke und Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes Berlin, der den Siegerpokal gestiftet hat, einen Baum gepflanzt. Einen Trompetenbaum als Fanfare, die signalisieren soll, dass es weiter vorwärts geht. Dass das Bundeswehr-Turnier eine feste Einrichtung in Gatow wird und dass der Berliner Golf Club Gatow wächst und gedeiht.
Text: Angela Baufeld
Fotos: Jürgen Engler


