Eine der größten Leistungen die ein Sportler in seiner Karriere erzielen kann, ist die Verbesserung eines Weltrekords. Die Krönung dieser Leistung ist es allerdings, wenn dies ein Sportler während seines Saisonhöhepunktes erzielt.

Dieses außergewöhnliche Meisterstück schaffte OFw Stefan Wiesner von der Sportfördergruppe der Bundeswehr aus Altenstadt.
Der Militärsportverband CISM führt jährlich eine Weltmeisterschaft im Fallschirmspringen durch. Die 34. Auflage dieser Veranstaltung fand vom 15. 22. August im slowakischen Lucenec statt. Bereits zum zweiten Mal wurde am dortigen Flugplatz eine CISM - Weltmeisterschaft im Fallschirmspringen unter dem Motto "Friendship through Sports" durchgeführt. Über 300 Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf der WM. Allein sechs Luftfahrzeuge (Mi-24, Mi-8 Hubschrauber und 2x L-410 Flugzeuge) gewährleisteten einen permanenten Wettkampfbetrieb. Ähnlich professionell wurden alle anderen Belange sichergestellt. Hervorragende Unterkünfte, ein ordentliches Pressebüro, gute Verpflegung und nicht zuletzt Möglichkeiten zur Erholung der über 200 Sportler, sprachen für die große Erfahrung des Veranstalters.
Start in Lucenec
Der Wettbewerb begann mit einem großen Einmarsch der 31 teilnehmenden Nationen auf den größten Platz der Stadt Lucenec. Neben den "großen" Fallschirmsprungnationen, Russland, Frankreich, Tschechien, Slowenien und Deutschland waren auch Länder wie Thailand, Brasilien oder die Sultanate Qatar und Oman am Start. Standesgemäß und zur Freude der vielen Zuschauer wurde jede Nationalflagge der teilnehmenden Nationen durch einen Aktiven mit dem Fallschirm zu Boden gebracht. Der Verteidigungsminister des Landes erklärte daraufhin die Weltmeisterschaft für eröffnet.
Die deutsche Mannschaft wurde vom Delegationschef Hauptmann Werner Ramminger angeführt. Des Weiteren gehörten zum deutschen Team, HptFw Albert Herbst, der als Disziplinschiedsrichter für das Zielspringen hauptverantwortlich war, der Diplomtrainer HptFw Henrik Lindner, welcher den Bundestrainer HptFw Torsten Kunke vertrat und die Mannschaft bestehend aus: OFw Sebastian Lutz, OFw Stefan Wiesner, Fw Sascha Lasotta, Fw Marius Weber, Stabsunteroffizier Josef Demmler und als Einzelstarterin bei den Damen Fw Claudia Lutz. Nachdem 2008 ein Generationswechsel in der Mannschaft stattfand, bedeutete die Teilnahme für drei der Aktiven die Premiere bei einer Weltmeisterschaft. So erlebte dieses neu formierte Team Höhen und Tiefen.

OFw Stefan Wiesner bei seinem Rekordsprung.
Die Vorbereitung
Bereits im Januar dieses Jahres wurde mit der intensiven Vorbereitung auf diesen Saisonhöhepunkt begonnen. So mussten alle drei Disziplinen die bei dieser Weltmeisterschaft gesprungen werden gleichermaßen trainiert werden. In der Disziplin Freifallformation absolvierte das Team drei Trainingslager, eins in den USA und zwei weitere in Spanien. Hinzu kommen 15 Stunden Training im Freifallsimulationsgerät, dem Windtunnel. Schnell erreichten die vier Männer und ihr Videomann das Niveau des Vorgängerteams. Im Verlaufe der Weltmeisterschaft konnte sich das Team noch einmal steigern und erreichte mit 24,6 Formationen im Durchschnitt eine Leistung, die kein Sportfördergruppenteam zuvor erreichen konnte. Bedenkt man, dass man in dieser Disziplin nur 35 Sekunden Arbeitszeit nach dem Absprung aus 3200 Metern zur Verfügung hat, bleiben den Männern nur jeweils knapp 1,5 Sekunden um die entsprechenden Formationen zu bilden. Für diese Leistung wurde dieses junge Team mit dem vierten Platz hinter den spezialisierten Mannschaften aus Belgien, der Schweiz und Spanien belohnt.
Die Königsdisziplin dieser Weltmeisterschaft ist das Zielspringen. Die Sportler versuchen einen idealen Nullpunkt von nur zwei Zentimetern im Durchmesser aus einer Höhe von 1000 Metern mit der Ferse zu treffen. Jede Abweichung wird elektronisch gemessen. Das Mannschaftsergebnis setzt sich aus den Abweichungen der fünf Springer zusammen.
Seit über fünf Jahren marschiert OFw Wiesner in dieser Disziplin Schritt für Schritt an die Weltspitze. So sammelte er bereits Edelmetall bei den World Games 2005 (Silber) und 2009 (Gold). Obwohl er gleich mit einer Abweichung von drei Zentimetern im ersten Sprung in den Bewerb startete, spielte er seine ganze Erfahrung von über 6000 Sprüngen aus, blieb ruhig und kämpfte sich nach acht Wettkampfrunden in das Stechen um die Bronzemedaille. Er musste mit zwei Tschechen um dieses Edelmetall kämpfen. Die beiden tschechischen Springer landeten bei diesem Stechsprung nur einen Zentimeter neben dem Idealpunkt. Für sie allerdings genau einen Zentimeter zu weit von der Medaille entfernt. OFw Wiesner behielt die Nerven und traf den Nullpunkt.
Nach dem Gewinn seiner ersten Einzelmedaille bei einer Weltmeisterschaft war er überglücklich. Damit setzte er eine persönliche Serie fort. Bei allen CISM Weltmeisterschaften brachte OFw Wiesner Edelmetall mit nach Hause. Darunter bereits vier Goldmedaillen! Viel Zeit zum Feiern blieb für ihn allerdings nicht, da er zu diesem Zeitpunkt bereits 3 mal hintereinander das Idealergebnis erzielte. Nun bekam er die Möglichkeit den bestehenden CISM Weltrekord von vier mal Null und einer anschließenden "1" zu verbessern. Das gelang OFw Wiesner eindrucksvoll. Er konnte noch zwei weitere Nulllandungen und anschließend eine Abweichung von zwei Zentimetern auf seinem Konto verbuchen. Nun wird der offizielle CISM Weltrekord von einem deutschen, OFw Stefan Wiesner mit 5x Null und zwei Zentimetern gehalten.
Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann Die Einzelwertung nach acht Durchgängen musste ebenfalls in einem Stechen entschieden werden. Hier setzte sich Dimitri Maximiv aus Russland von dem Franzosen Ronan Henaff durch und durfte sich über die Goldmedaille und den Weltmeistertitel freuen.
In der Mannschaftswertung kam die Deutsche Equipe nicht über einen elften Platz hinaus, der jedoch aufgrund der Neuformierung der Mannschaft durchaus Hoffnung für die Zukunft gibt. In der dritten Disziplin, dem Figurenspringen, zeigten vor allem OFw Lutz (11. Platz), OFw Wiesner (12.Platz) und Fw Weber (17.Platz) gute Leistungen. In der Endabrechnung bedeutete das, den vierten Platz für die Mannschaft in dieser Disziplin.
Einen soliden Wettbewerb zeigte die einzige Deutsche Starterin Fw Claudia Lutz. Sowohl im Ziel - als auch Figurenspringen platzierte sie sich im vorderen Mittelfeld. Sie erreichte in der Einzelkombination den 18. Platz.
Die Krone aller Disziplinen ist die Mannschaftskombinationswertung. Hier gehen alle Leistungen ein und werden gewertet. Nachdem die Soldaten der Sportfördergruppe Bw Altenstadt diese Wertung bereits 2000, 2004 und 2007 gewannen, mussten sie in diesem Jahr den Mannschaften aus Frankreich, der Tschechei und Russlands den Vortritt lassen. Deutschland kam am Ende auf den vierten Platz.

Die Formationsmannschaft.
2010 in die Schweiz
Im nächsten Jahr findet die Weltmeisterschaft in der Schweiz statt. Bereits dann wird die Deutsche Mannschaft wieder um die goldene Krone im Fallschirmsport kämpfen.
An gleicher Stelle an der die Weltmeisterschaft begann wurde sie auch beendet. Mit einer stilvollen Abschlusszeremonie, bei der alle Kombinationssieger geehrt wurden, wurden die 34 Militärweltmeisterschaften beendet.
Text: HptFw Albert Herbst
Fotos: HptFw Henrik Lindner


