Ein Weiterbildungslehrgang in Füssen für alle, die mindestens 40, gern aber auch älter sind. Wie ist gutes Wetter im Allgäu zu beschreiben? Ganz einfach, es regnet den ganzen Tag ziemlich heftig, der Himmel ist dunkelgrau, ...
... die Wolkendecke liegt fast auf, die Temperaturen bewegen sich um die 10° Marke herum. Sehr gutes Wetter hingegen zeichnet sich dadurch aus, dass es nur ab und zu regnet, gelegentlich gibt es ein kleines Gewitter, ein- oder zweimal am Tag zeigt sich für 3 - 5 Minuten die Sonne. Die Temperaturen liegen bei ca. 14 18°C (maximal).

Hervorragendes Wetter ist alles, was noch darüber liegt, also tiefblauer oder auch weiß-blauer Himmel, Sonne, Sicht bis fast ans Mittelmeer, Temperaturen über 24°C.
Mit diesen Vorgaben begann der Lehrgang mit einem Teilnehmerkreis, der aufgrund des Alters als abgeklärt, erfahren und zu allem bereit einzustufen war. Der jüngste weiterbildungswillige Sportfan war genau 40 Jahre alt, der älteste 58.
Am Anreisetag herrschte gutes Wetter, d.h. methodisch unangreifbar, zunächst Einstieg mit grauer Theorie. Dann aber, denn Sport ist in erster Linie Praxis, Aktivität und Bewegung, rauf aufs Bike und los - auf mehr oder weniger verschlammten Wegen durch die herrlich nasse Voralpenlandschaft zur Alpe Beichelstein. Einrollen heißt das im Fachjargon, vertraut werden mit dem Gerät, verlieren der Hemmungen vor Wasser und Matsch, kennenlernen der Gegend und der Besonderheiten. Danach Dusche für Biker und Bike, die Klamotten gleich in die Wäsche, sie waren ohnehin schon triefnass. Technischer Dienst und Ausklang beim gemütlichen Indoorabend.
Am 2. Tag erneut Theorie, die Bestimmungen für die Abnahme des Deutschen Sportabzeichens standen an. Danach gleich der Test. Keine Frage, natürlich haben alle bestanden, einige allerdings nur knapp. Am Nachmittag dann Schwimmen, Aquagymnastik, Schwerpunkt also eindeutig beim Wassersport, heute in der Halle, denn das Wetter war wieder gut.
Der 3. Tag sah so aus, als könnte sich das Wetter hin zu "sehr gut" entwickeln. Daher am Morgen zunächst praktisches Erarbeiten der Trendsportart "Klettern," in der Kletterhalle.
Physikalisch gesehen ist Klettern Hubarbeit, man muss sich mit seiner Masse vom Hallenboden, gut gesichert, bis unter die Decke - irgendwo zwischen 12 und 17 Meter Höhe - heben. Dies kann auf einfacheren Routen erfolgen, das ist dann der Schwierigkeitsgrad 3 oder 4, oder auch aufwendiger werden, wenn die Schwierigkeitsgrade steigen, Überhänge dazukommen, die Zahl und Größe der vorhandenen Griffe und Tritte dafür abnimmt. Für nicht Eingeweihte ist es kaum vorstellbar, welche Muskelgruppen beim Klettern benötigt und beansprucht werden, generell kann aber festgehalten werden, dass alle diejenigen Kameraden, die seltener am Schreibtisch sitzen und öfter an Seilen arbeiten, wegen der sich daraus entwickelten Armkraft eindeutig im Vorteil sind.
Am Nachmittag dann endlich wieder eine Outdoorveranstaltung, sie hieß diesmal "Run and Bike." 2 Lehrgangsteilnehmer teilen sich dazu ein Fahrrad eine Konzession an die Zeiten des Mangels, die mit der Finanzkrise auf uns zukommen werden - einer läuft, der andere fährt auf dem Fahrrad daneben her und redet dem Läufer gut zu, (Coachen nennt man dies im Fachjargon) denn je länger dieser laufen will und kann, desto länger kann sein Kamerad Fahrrad fahren. In dieser Formation geht es zweimal um den idyllischen Hopfensee, an der Seepromenade, der "Allgäuer Riviera" entlang. Aber - die 2 vorausgehenden Tage guten Wetters haben den Pegelstand des Hopfensees erheblich ansteigen lassen, so dass der Rundweg und die Seepromenade zum Teil knietief unter Wasser standen. So wurde aus "Run and Bike" eben "Kneipp and Bike," was dem Spaß an der Veranstaltung aber keinen Abbruch tat. Bemerkenswert, wie hoch die Wassertemperaturen der Allgäuer Seen im Sommer sind.
Am 4. Tag dann eindeutig sehr gutes Wetter. Der Tag des Mountainbikes. Am Vormittag, nach der obligatorischen theoretischen Grundlagenvermittlung diesmal zur Trainingslehre - Mountainbike-Schule. Schule heißt in diesem Fall " Im Kreis fahren, stehen bleiben, ohne abzusteigen oder umzufallen, richtiger Einsatz der vorderen und hinteren Bremse, auf Paletten hüpfen, und wieder runter" u.v.a.m. Erstaunlich, was man mit einem Mountainbike alles anstellen kann. Am Nachmittag zunächst Einstieg in den "Gesundheitssport. Fast unglaublich, mit welch einfachen Geräten, mit welch einfacher Gymnastik man selbst einen sportlich versierteren Teilnehmerkreis in heftige Atmung und Schweiß versetzen kann. Wesentlich dabei ist aber, dass die Höhe und Qualität der Belastung beim Gesundheitssport ohne Mühe individuell dosiert werden kann, damit selbst eine heterogene Gruppe gleichzeitig sportlich beschäftigt werden kann, ohne dass die Frage der Über- oder Unterforderung entsteht.
Danach Ausfahrt mit dem Mountainbike in die Kultur- und Bergwelt des Königswinkels. Fast alle haben dabei dazugelernt, z.B. wie steil können Wege sein, die man hinauf- und auch hinunterfahren kann, wie viele Wege auf wie viele Berge gibt es im Allgäu, wie viele Leute, die keinen Lehrgang "Sport über 40" machen, sind auf den gleichen Wegen mit ihrem Mountainbike unterwegs, warum kehrt man, wenn es so viele Hütten neben all diesen Wegen gibt, nur in der am höchsten gelegenen ein usw.usf. Wie üblich, viele Fragen und wenig Antworten.
Der letzte Tag dann erneut ein Tag mit sehr gutem Wetter. Also wieder Beginn mit einer Outdoorsession, diesmal "Nordic Walking." Nordic Walking ist ja gerade für etwas gesetztere Jahrgänge eine ideale Trainingsmöglichkeit, weil mechanisch nicht so stark belastend, aber dennoch hinsichtlich der Muskelarbeit, des Bewegungsapparats und des Koordinationsvermögens vielseitig fordernd. Damit war das Lehrgangsende schon erreicht.
Was bleibt noch festzuhalten? Es hat viel Spaß und Freude bereitet, in einer Gruppe älterer und abgeklärterer Kameraden (s.o.) bei guter Stimmung, in lockerer Atmosphäre sportlich wieder dazuzulernen. Dank natürlich an den durchführenden Sportlehrer, André Jansen, für die selbst bei nur guten Witterungsverhältnissen erzeugte Begeisterung, aber auch an die Kameraden aus dem Standort Füssen, besonders soll hier SF Hans Harald Grandl genannt werden, die bei den zahlreichen Veranstaltungen mit viel Freude, Kompetenz und Hilfsbereitschaft unterstützt haben.
Wiederholung wird dringend empfohlen, selbst bei sehr gutem und hervorragendem Wetter.
Text: Georg Juretzko
Fotos: Alfred Wolf


