Es gibt seit 1968 die Sportfördergruppen der Bundeswehr. Derzeit sind 15 in ganz Deutschland stationiert. In diesen mehr als 40 Jahren ist die Zahl der geförderten Spitzensportler stets gestiegen.

So bieten diese Einheiten über 800 Bundeswehrsportlern effektive Unterstützung. Die Athleten können sich voll auf ihren Sport konzentrieren, da die Fördergruppen sie finanziell absichern und ihnen Freiräume für die sportliche Entwicklung bieten. Eine Sportfördergruppe ist im bayerischen Bischofswiesen beheimatet.
Und auf die richtet sich derzeit wieder das Augenmerk und das sportliche Interesse. Die olympischen Winterspiele im kanadischen Vancouver stehen kurz bevor. Am Fuße des Watzmanns – Deutschlands zweithöchstem Berg – bereiten sich die erfolgreichen Wintersportler auf ihren Einsatz vor. Die Namensliste der Angehörigen liest sich wie das „wer ist wer“ des Wintersports.
Heute zählen zum Beispiel Michael Greis, Andreas Birnbaum, Thomas Lang, Tobias Angerer, Rico Groß und Simone Hauswald zu den prominentesten Athleten der Bischofswiesener. Aber auch Wintersport-Legenden wie Georg Hackl oder Susi Erdmann brachte dieses Leistungszentrum schon hervor. Geleitet wird die Sportfördergruppe von Oberstabsfeldwebel Christoph Langen, Olympiasieger und Weltmeister im Bobsport. Der selbst nennt eine beachtliche Medaillensammlung sein eigen. Quasi im Abo gewann der Ausnahmesportler regelmäßig die internationalen Wettbewerbe im Zweier- und Viererbob. Darunter Olympia, Deutsche-, Europa- und Weltmeisterschaften. 2004 beendete er seine aktive Laufbahn. So gibt er als „Chef“ der Sportfördergruppe seine Erfahrung an die derzeit aktiven Sportler weiter und formt die „Wintersportfamilie der Sportsoldaten“ entscheidend mit.

Viele Möglichkeiten
Langen erzählt aus der Praxis: „Ein Bobsportler zum Beispiel bewegt in einer normalen Kraftsporteinheit mehrere Tonnen Gewicht, Biathleten sind über 200 Tage jährlich unterwegs. Um weiterhin „Top of the World“ zu sein, bedarf es daher großer Anstrengungen.“ Dies ist nicht nebenbei zu erledigen. Vor allem sei das Leben als Leistungssportler auch entbehrungsreich, sagt der Profi.
„Wenn andere in der Disco tanzen, macht sich der Sportler noch mal auf in den Kraftraum“, schildert er beispielhaft. Disziplin ist das Stichwort und die Grundlage für den Erfolg. Die Bundeswehr ist der größte Sportförderer Deutschlands. Der Dienstherr schafft die nötige Unabhängigkeit für seine Sportsoldaten. So absolviert ein Spitzensportler eine verkürzte Grundausbildung von acht Wochen. Sein Dienstplan besteht danach etwa aus zwei Dritteln Sport und einem Drittel militärischem Dienst.
Während intensiver Wettkampfvorbereitungen kann er auch mal mehr trainieren. Im sportlichen Dienstanteil bereitet sich der Athlet nur auf Wettkämpfe vor und trainiert in seinem Verein. Militärisch hat der Sportler auch Lehrgänge und Weiterbildungen zu besuchen, sowie an Übungen teilzunehmen. „Wir organisieren zum Beispiel auch ein ganz normales Schießen“, sagt Langen. „Wie überall beim ‚Bund’.“
Gleich ist für die Soldaten auch die Laufbahn. Es gelten die selben Voraussetzungen wie in der Truppe. Die Athleten haben eine Ausbildung zum Feldwebel zu durchlaufen und dadurch eine abgeschlossene Ausbildung zu erlangen. Der Anspruch auf Berufsförderung erleichtert den Start ins Zivilleben nach der sportlichen Karriere. Rund um den Standort im Berchtesgadener Land befinden sich gut erreichbare Sport- und Trainingsstätten für die Wintersportler. In diese will die Bundeswehr weiter investieren und den herausragenden Standort auf insgesamt 1.400 Bundeswehr-Angehörige ausweiten. Dies betrifft auch die benachbarten Verbände. 50 Millionen Euro fließen derzeit in infrastrukturelle und sonstige Maßnahmen. So erhält die Sportfördergruppe in Kürze neue Räume für die physiotherapeutische Betreuung ihrer Athleten und moderne Trainingsgeräte. „Zahlreiche andere Spitzensportler nutzen die Möglichkeiten der Wintersportler“, berichtet Oberstabsfeldwebel Langen. Die deutschen Ringer zum Beispiel sind jährlich für mehrere Wochen zu Gast. „Wir bieten die militärische Organisation. Im Vordergrund steht deren Abstimmung mit den sportlichen Erfordernissen.“ In Bischofswiesen dient beispielsweise nicht Funktions- sondern Regiepersonal. Der feine Unterschied.
|
|
Nur hier
Nicht zu unterschätzen ist die Auswirkung sportlicher Erfolge von Bundeswehrsportlern auf den Breitensport. Neun der insgesamt elf deutschen Goldmedaillen während der letzten olympischen Winterspiele in Turin, errangen Bundeswehrsportler. Dieses Beispiel allein ist bereits eine gute Werbung für die Bundeswehr und den Sport. Einzigartig in Bischofswiesen ist die Anschubbahn für das Training der Bobfahrer und Rennrodler. Hier werden die Bewegungsabläufe eingeübt und mit modernsten Verfahren digital analysiert.
Die Gemeinde Bischofswiesen unterhält das Ski- und Snowboardzentrum Götschen, ein Trainingszentrum des Deutschen Ski- und Snowboardverbandes. Hier trainiert die Weltelite, zu denen auch die Bundeswehrsportler aus Bischofswiesen zählen. Es finden regelmäßig hochkarätige Wettkämpfe statt.

Biathlon: Die Erfolge der deutschen Bundeswehrsportler sind auch den vielfältigen Möglichkeiten des Standorts im Berchtesgadener Land zu verdanken.
Highlights waren z.B. die Snowboardweltmeisterschaften im Jahr 1999, die Skibobweltmeisterschaften 2001 und die Aki-Alpin-Weltcups der Damen in den Jahren 1999, 2000 und 2002. Das Langlaufzentrum Aschauerweiher der Gemeinde Bischofswiesen bietet während der Wintersaison etwa 20 Kilometer bestens gepflegte Langlaufloipen in allen Schwierigkeitsgraden. In diesem Zusammenhang ist auch Die BiathlonAnlage der Bundeswehr am Silberg zu nennen. Diese Trainingsanlage für die Sportfördergruppe dient auch dem Nachwuchs der Biathleten, Nordisch Kombinierten und Langläufer und verfügt über Streckenabschnitte von drei und 1,5 Kilometern und 800 Metern.
Dazu gehören eine Biathlon-Schießanlage. Das Regionalzentrum für Bob, Rennrodel und Skeleton mit einem Eiskanal am Königssee rundet das breite Spektrum ab. Eine wahre Medaillenschmiede.
Text: MH
Fotos: Michael Mandt, Thomas Ströter, Marcus Rott




