Wieso gibt es einen Lehrgang „Gesundheitssport“? Ist Sport nicht per se gesund? Getreu dem Motto „Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“? Diesen Fragen ging ein Teilnehmer des Weiterbildungslehrgangs für Übungsleiter nach.

Mit der Lehrgangszuweisung wurde mir die mitzuführende Ausrüstung bekannt gegeben: Nordic Walking Stöcke, Rucksack, Isomatte, Krawatte. Also Wandern, Ausschlafen und Kameradschaftsabend? Das versprach interessant zu werden. Ein Blick in das Lehrgangsprogramm konnte auch keine vollständige Klärung herbeiführen: Zwar sind einem die Themen der Trainingslehre wie Belastungssteuerung, etc. bekannt, aber was bitteschön ist CARPET-Gym? Und „kleine Spiele“ sowie „spielerisches Gesundheitsangebot“ hören sich zwar sehr entspannt an, sind aber auch nicht richtig greifbar. Immerhin war auch der Basis Fitness-Test in Theorie und Praxis enthalten. Außerdem hatte dieser Lehrgang auch die Verlängerung der Bundeswehr Übungsleiterlizenz als Ziel. Demnach – so war mein Gedanke – könnte ich als Neigungsgruppenleiter mit neuem Wissen bestückt durchaus auch als Multiplikator fungieren.
Volles Programm
Die Bandbreite der angereisten 15 Lehrgangsteilnehmer reichte vom interessierten Gelegenheits- über den Kraftsportler vom Typ Claudius Musculus bis hin zum ausgehungerten Langstreckenwindhund. Nach einer kurzen Einweisung in den Lehrgangsablauf und der obligatorischen Vorstellungsrunde ging es in die Sporthalle. Hier stand „Kennenlernen“ im Stundenplan. Und siehe da: man muss nicht sitzen, um sich einander vorstellen zu können; nicht einmal auf der Stelle stehen. Mit sportlichen und spielerischen Übungen zeigte uns der Sportlehrer, wie man eine Vorstellungsrunde sportlich- dynamisch gestalten kann. Da war sie- die Verbindung von gesundem Geist und gesundem Körper. Moderate sportliche Tätigkeit, verbunden mit Gedächtnisund Koordinationsübungen und einer Menge Gelächter. Das alles, ohne aus der Puste zu kommen. Überhaupt war dies die durchgängig spürbare Maxime des Lehrgangs: Viel Spaß- auch für den Untrainierten- bei schaffbarer, aber durchaus wahrnehmbarer sportlicher Betätigung. Sozusagen ausdauerndes Bewegen mit lächeln statt hecheln! Nach anderthalb Stunden war man noch nicht erschöpft, aber durchgewärmt von Kopf bis Fuß.
Theorie und Praxis
Am nächsten Tag kam nach einem theoretischen Anteil mit dem Inhalt Belastungssteuerung, der auch altgedienten Sportfreaks neue Erkenntnisse brachte, wieder die Praxis. Und zwar die erwähnte CARPET-Gym. Wer einmal erleben möchte, was sich mit einer Teppichfliese, unterstützt von einem satten Beat alles anstellen lässt, dem sei diese Form der Körperertüchtigung wärmstens empfohlen. Durch unseren Sportlehrer wurden hier Aktivitäten gezeigt, die auf den ersten Blick nicht viel mit der Bundeswehr zu tun haben, aber nach Meinung aller Beteiligten ein hervorragendes Mittel zur Motivation auch wenig trainierter Kameradinnen und Kameraden ist. Speziell der klassische Schreibtischtäter mit Rückenbeschwerden und „keiner Zeit für Sport“ bekommt hier wertvolle Präventiv-Übungen gezeigt, die sich ohne Aufwand in den Büro-Alltag integrieren lassen. Zur eingangs erwähnten Krawatte: Sie hat mir einen Muskelkater beschert, wie es auch noch so intensiv durchgeführte DSA-Disziplinen nie geschafft haben. Mehr möchte ich hier nicht verraten, nur so viel, dass es nichts mit hektischem Wettkampfsport oder körperverrenkenden Übungen zu tun hat sondern mit funktionellen gymnastischen Übungen, welche ich jederzeit und überall eben mit „nur“ einer, dieser Krawatte ausüben kann. Der Nachmittag war bestimmt durch externe Aktivitäten. So war in Bad Sobernheim ein etwa vier Kilometer langer Barfußpfad zu durchgehen, welcher alle Sinne ansprach. Anschließend folgte eine Einweisung in die Sportart Nordic-Walking mit ausgedehntem Praxisteil durch die Weinberge im Nahetal. Auch hier neue Erfahrungen, die ich im Vorfeld belächelt habe, aber im Rückblick nicht missen möchte. Die Fachkompetenz des Sportlehrers Kleinhans verdient hier nachdrückliche Anerkennung.
Drei lohnende Tage
Der dritte Tag stand im Zeichen des neuen Basis-Fitness-Tests. Nach kurzer theoretischer Einführung war Praxis angesagt. Korrekte Durchführung und mögliche Fehlerquellen wurden am eigenen Beispiel erläutert und hilfreiche Tipps für die späteren Abnahmen gegeben. Eine Auswertung der vergangenen drei Tage sowie Neuigkeiten zum Sport in der Bundeswehr schlossen den Lehrgang ab, der nach Meinung aller Beteiligten ein voller Erfolg war und der es verdient hätte, von einer größeren Teilnehmerzahl besucht zu werden.
Hptm Uwe Trompelt


