Die Arbeit von Andreas Güldner ist eigentlich schon spannend genug: Als Minentaucher der Deutschen Marine beseitigt der Bootsmann unter Wasser Minen und Munition. Doch auch in seiner Freizeit springt der 23-jährige Nürnberger gerne ins kühle Nass.

Andreas Güldner bei der Vorbereitung auf seinen Tauchgang.
Training und Gelassenheit
für einen guten Zweck Andreas Güldner ist stolz auf seinen neuen deutschen Rekord. Er wird in Taucherkreisen auch "der tiefste Deutsche" genannt. Für ihn steht aber nicht die Jagd nach neuen Bestmarken im Vordergrund: "Man kann im Leben nicht nur nehmen, man muss auch geben können". Er wolle helfen - gerade weil er 2006 in Ägypten einen Bombenanschlag miterlebt hat. Damals wurden zwei seiner Freunde schwer verletzt. Es war der wohltätige Zweck, der Anlass dieses neuen Tiefenrekords war. "Ich habe gesehen, was Sprengstoff anrichten kann", so Güldner. Deshalb spendete er seine Sponsorengelder von über 2000 Euro der Minenopferstiftung Sankt Barbara. Die Stiftung - benannt nach der Schutzheiligen der Feuerwerker und Kampfmittelräumer - unterstützt Krankhäuser und betreut die Ausbildung von Minenräumern weltweit.
"Um solche enormen Tiefen erreichen zu können, muss sich die Lunge im Training erst an den Druck gewöhnen", so der Bootsmann. Wochen zuvor hatte der Minentaucher angefangen, sich auf den Rekordversuch vorzubereiten. Immer wieder drei Tage Training, einen Tag Pause. Zunächst nahm er in Angriff, 65 Meter tief zu tauchen und legte jedesmal zwei bis drei Meter drauf. Doch nur einmal am Tag durfte er einen Maximalversuch unternehmen, um die Belastung für die Lunge in Grenzen zu halten und die Taucherkrankheit zu vermeiden. "Vor einem Tauchversuch, muss ich zuerst meine Herzfrequenz auf 12 bis 14 Schläge pro Minute senken", sagt Güldner. Diesen Zustand erreicht er nur durch yogaähnliche Übungen. Fast wäre der Rekordversuch geplatzt: In der Nacht vor dem Tauchgang hatte er einen Motorradunfall. "Am nächsten Tag haben die Beine geschmerzt, weil die Haut aufgeschürft war. Zudem war ich nervös, aber es hat geklappt", sagt der junge Taucher erleichtert. Kurz vor dem Tauchgang ereilte Güldner noch eine gute Nachricht aus Deutschland, die ihn zusätzlich motivierte: Am Telefon war sein Vorgesetzter, der ihn ad hoc ins Stillgestanden stellte und zum Bootsmann beförderte.
![]() Andreas Güldner bei seinem erfolgreichen Rekord- versuch (72 Meter). | ![]() Andreas Güldner taucht nach erfolgreichem Rekordversuch wieder auf. |
Die Ausbildung zum Minentaucher
Was fasziniert Güldner an seinem Beruf? "Für mich ist es etwas Besonderes, Minentaucher zu sein", erwähnt Güldner nicht ohne Stolz. Er ist einer von Wenigen, die es geschafft haben, die harte, fast vierjährige Ausbildung zum Minentaucher erfolgreich zu bestehen. Zurzeit besucht Bootsmann Güldner einen Zusatzlehrgang, in dem er zum Meister seines Faches ausgebildet wird. Er ist dann "Fachkundiger für Munition", wie es im Marinejargon heißt. Die Ausbildung in Aachen dauert elf Monate und umfasst Fächer wie der Chemie, Physik und Mathematik oder Ballistik. Neben den Grundlagen werden einzelne Minentypen behandelt. Danach geht es für den jungen Unteroffizier wieder nach Eckernförde, dem Heimatstützpunkt der Spezialisierten Einsatzkräfte Marine. Dort wird er im Rahmen der Tauchereinsatzausbildung seine Kenntnisse als Meister erweitern. "Man muss aber kein Rekordhalter sein, um bei den Minentauchern anzufangen", sagt Güldner schmunzelnd. "Aber man sollte sportlich und geistig fit sein und das Tauchen mögen."
Als Güldner die Ausbildung zum Minentaucher begann, hatte seine Mutter schon Angst um ihn. Doch mittlerweile habe sie die Faszination der Taucherei angesteckt und „sie hat selbst mit dem Tauchen angefangen", grinst Andreas Güldner. Unter seinen Freunden genießt "Andy" hohes Ansehen. Einige von ihnen spielen schon mit dem Gedanken, selbst einmal das Tauchen auszuprobieren.
Text: Florian Schmidt / PIZ Marine
Fotos: Ricarda Schönbrodt / PIZ Marine
Weitere Informationen unter www.marine.de, www.andreasgueldner.de und www.Minentaucher.net



