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Downhill ist eine so genannte Trendsportart. Sie ist aus dem Mountainbiking entstanden, hat aber mit „Fahrradfahren“ nicht mehr viel gemeinsam. Schnelligkeit, Dynamik und Adrenalin pur stehen im Vordergrund. Gefreiter Martin Knaup ist ebenfalls häufig auf dem schnellsten Weg nach unten. |

Die Strecken, die er fährt erinnern an Moto-Cross-Pisten. Sein Sportgerät eher an eine Enduro als an ein Fahrrad. Federwege bis 200 Millimeter sind nötig, um die Schläge und Sprünge ab zufangen, die beim Downhill entstehen. Denn es geht rasant bergab. Über Wurzeln, Stämme, Schotterstücke, Fels und metertiefe Absätze. „Daher ist der Sport auch eher mit dem Skialpin vergleichbar“, sagt Martin Knaup. Der 20jährige ist mittendrin in der Szene und weiß worauf es ankommt: „Auf Hundertstelsekunden teilweise. Ein kleiner Fehler auf der markierten Abfahrt kann den Sieg kosten.“ Zugleich räumt der Gefreite mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf, Downhill-Fahrer ließen sich bergauf transportieren um einfach abwärts zu rollen. „Wer nicht tritt verschenkt wertvolle Zeit und verliert Geschwindigkeit.“ Es sei eben eine eigene Sportart, die auch ihre eigenen Regeln hat.
Nach diesen geht es auf den Meisterschaften. Knaup fährt mit im European Downhill Cup – EDC – und im deutschen Äquivalent dem GDC. Wegen seines Wohnortes in der Nähe von Aachen, ist ihm auch die Teilnahme an der Belgischen Meisterschaft möglich. Dafür trainiert er rund 15 Stunden in der Woche mit dem Rad, einem vollgefederten High-Tech-Gerät mit hydraulischen Bremsen und Doppelbrücken-Gabel. Hinten federt ein hydraulischer Stoßdämpfer die Schläge und hilft auf Kurs zu bleiben. Neben der Technik ist aber auch körperliche Kraft und Ausdauer gefragt. Bis zu drei Mal in der Woche sucht Martin ein Fitness-Studio auf, läuft in und außer Dienst noch etliche Kilometer. „Sonst brauchst Du erst gar nicht antreten“, weiß er aus Erfahrung. Training ist das „A“ und „O“, wie in jedem Sport. Neben dem Lesen des Geländes, dem Finden der richtigen Linie, ist es die hohe Konzentration, die den Reiz des Downhills ausmacht. „Fünf Minuten musst Du voll auf der Höhe sein, dich konzentrieren, Fehler vermeiden. Eine Sekunde bleibt ruckzuck auf der Strecke und bedeutet mehrere Plätze weiter unten in der Endabrechnung!“ So dicht beschreibt der Instandsetzungssoldat die Leistungsdichte der Profis, zu denen er ebenfalls zählt mittlerweile.
![]() Will Jet-Pilot werden: Instandsetzer Knaup |
![]() Martin Knaup dient heimatnah in Aachen. |
Erfolgreiches Talent
Inzwischen sind Sponsoren auf ihn aufmerksam geworden. Der Monschauer Zweirad-Händler Big Air Max vermittelte das Talent an den deutschen Fahrrad-Hersteller Bergamont. Dieser stellt ihm ein Bike für die Saison 2010 zur Verfügung. Für Martin ist es Ehrensache, alles zu geben: „Mit etwas Glück fahre ich dann nächstes Jahr in deren Team. Dann wird für mich einiges einfacher.“ Denn die Rennen bedeuten regelmäßig einen enormen Aufwand. Im Durchschnitt ist Martin drei bis vier Tage unterwegs, während der Saison fast jedes Wochenende. Wann immer möglich, verbindet er seine Reisen mit Urlaub. Im französischen Morzine ist man auf die Downhiller eingestellt. „Da gibt’s Lifte und Strecken mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Wiederum ähnlich dem Skialpin. Manche Slalomstrecke führt auch auf den im Sommer schneefreien Skipisten ins Tal.“
Gemeinsam mit seinen Kumpels aus der Aachener Szene ist er dann unterwegs. Die Trips führen sie auch oft nach Österreich und in die Schweiz. „Dort finden wir optimale Bedingungen, was das Geländeprofil und das Niveau betrifft“, berichtet Martin und gerät dabei ins Schwärmen. In Deutschland sei nur der Standort Willingen im Sauerland mit diesen „Locations“ vergleichbar. Dort befindet sich die deutsche Welt-Cup-Abfahrt. In Winterberg existiert ein Bike-Park, wo die Sportler regelmäßig trainieren. Zu Hause stehen die Hügel der Eifel und der benachbarten Ardennen zur Verfügung. Allerdings ohne Lift oder Transportservice. „Dann ist es manchmal wie früher“ erzählt der Mannschaftsdienstgrad. Auch er hat wie viele der Bergabspezialisten als Mountainbiker angefangen. „Einfach durch die Gegend geradelt, im Wald und natürlich schmale Pfade – Trails genannt – bergab.“ Auch dafür gibt es inzwischen einen Fachbegriff: Freeride.
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Und daraus entstand irgendwann Downhill. Im heimischen Revier muss man die Strecken suchen, teilweise werden sie von der Forstverwaltung geduldet. Im Winter ist Martin dort öfter anzutreffen. Sein Chef im Stabsquartier der Technischen Schule Landsysteme und Fachschule des Heeres für Technik (TSL/FSHT) in der Aachener Lützow-Kaserne kommt seinem Wehrpflichtigen so gut es geht entgegen und ermöglicht ihm das Training.
Auch dienstlich ist Martin auf Geschwindigkeit aus. Mit seinem Fachabitur will er Maschinenbau studieren beim „Bund“. Aber nur, wenn es mit seiner Bewerbung zum Jet-Pilot nichts wird. „Das wär mein Ding – weil’s interessant und schnell ist!“ Und dann ging’s zur Abwechslung auch mal aufwärts.
Text: Ralf Wilke, PIZ SKB
Fotos: Thomas Ströter, PIZ SKB







