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Der Soldat der Sportschule der Bundeswehr und Bergführer Hauptfeldwebel Walter Hölzler hat sein Leben den Bergen verschrieben. Schon seit vielen Jahren gehört er zu den bekanntesten Extremkletterern Deutschlands. Besonders hervorzuheben ist dabei die Art seiner Begehung. Denn nur „by fair means“ im Alpinstil, ohne künstlichen Sauerstoff und Hochträger, wird ein solcher Erfolg in Insiderkreisen wirklich anerkannt. |
Doch nicht allein die Herausforderung in Schnee und Eis reizen den Extremsportler, auch in vielen anderen Disziplinen des modernen Alpinismus hat er bereits beachtliche Leistungen erzielt. Seine bisher letzte Herausforderung führte ihn nach Amerika, genauer gesagt nach Kalifornien ins Yosemite Valley mit dem größten Monolithen der Erde.
Kampf um Leben und Tod
Am Eingang des Yosemite Valley findet man auf einem spartanisch eingerichteten Campingplatz, dem legendären Camp 4, eine Gruppe von Abenteurern. Mit großen Materialsäcken, Seilen und Sicherungsgeräten bereiten sich Kletterer aus der ganzen Welt auf die Verwirklichung jahrelang gehegter Träume vor. Die begehrtesten Ziele sind die steilsten und höchsten Granitwände Amerikas. Zum einen lockt die 800 Meter glatte Nordwand des Half Domes, dessen Form einer durchtrennten Halbkugel gleicht, und zum anderen ist es die 1.000 Meter senkrechte bis überhängende Südwand des El Capitan.
Walter Hölzler wagte sich bereits 1986 als 21-Jähriger an die damals schwierigste Kletterroute weltweit und musste viel Lehrgeld bezahlen. Nur mit einem T-Shirt bekleidet überlebte er mit seinem Partner einen 12-stündigen Schnee sturm mitten in der überhängenden Steilwand des El Capitan. Durch die Kälte völlig entkräftet und dehydriert wurden beide im Camp 4 zurück wie Helden empfangen.
Akribische Vorbereitung
Erst 22 Jahre nach dem „Schneesturm-Erlebnis“ wollte Hölzler noch einmal einen Versuch an der berühmten „Nose-Route“ wagen. Zusammen mit dem Schweden Olav Isaksson schmiedete er einen großen Plan, der mit vier Buchstaben im Camp der Spezialisten zu dieser Zeit die Runde machte: „NIAD“-„Nose in a day“, das heißt. Geschwindigkeitsklettern in einer 1.000 Meter hohen Felswand. Ohne wochenlanges Training im Team vor Ort fast undenkbar, aber eben nur fast. Nach Abwägung aller Fakten kamen beide überein, dass eine kleine Chance blieb.
Große psychische Herausforderung
Noch vor dem Morgengrauen, starteten Hölzler und Isaksson mit Stirnlampen und einem kleinen Rucksack ausgerüstet vom sicheren Talboden in die dunkle Felswand. Bereits bei Sonnenaufgang waren beide circa 200 Meter hoch geklettert und lagen hervorragend im eng gesteckten Zeitplan. Gegen 8 Uhr morgens wurde die erste kleine Trinkpause eingelegt. Um 9:30 Uhr kam die Sonne um die Ecke und heizte die Felsen auf. Ein starkes Durstgefühl setzte ein, die Muskeln verkrampften leicht.
Nach einer zweiten Trinkpause wurde es überhängend, so dass sich das Klettertempo automatisch verringerte. Gerade in dieser kritischen Phase verhängte sich das Kletterseil an einer Felsnase, weshalb wertvolle Zeit verloren ging. Dadurch ließen sich die beiden aber nicht beirren und kletterten „Vollgas“ weiter.
Um 14 Uhr erreichen sie den Felsabsatz, an dem Hölzler vor 23 Jahren den Schneesturm durchstehen musste. Doch für Melancholie war an diesem Tag keine Zeit. Immer noch brannte die Sonne unbarmherzig in die Wand, so dass der Durst und die damit verbundenen Muskelkrämpfe zum schier unerträglichen Begleiter wurden. Dennoch stimmten der Zeitplan und das Wetter. Um 15 Uhr war der größte Überhang der Wand gemeistert. Der Weg zu Gipfel schien frei.
Entscheidung zum Rückzug
Als sich Isaksson im weiteren Verlauf mit seinem ganzen Körper in einem Felsspalt abkämpfte, bemerkte er nicht, wie sich ein Karabiner mit Mikro-Klemmkeilen vom Klettergurt löste und unaufhaltsam zu Tale flog. Nur wenige Seillängen vor der Gipfelhochfläche hingen beide in einer der steilsten Felswände der Welt und sahen wie sich ihr Traumin sekundenschnelle in Luft auflöst. Das Risiko dennoch ohne die verlorenen Sicherungsmittel weiter zu steigen war einfach zu groß, um es zu wagen. Die Entscheidung des Rückzugs war gefallen.
Erlebtes genießen
Mit den letzten Strahlen der untergehenden Herbstsonne erreichten die beiden Kletterer über die Abseilpiste schnell und sicher den Einstieg, an dem sie in der Nacht zuvor so zuversichtlich gestartet waren. Was bleibt, ist die Erkenntnis, Erlebtes zu genießen und sich dennoch zu freuen, auch wenn das Ziel knapp verfehlt wurde. Denn höher, schneller, weiter ist nur eine sportliche Herausforderung, die bei zu ehrgeiziger Sichtweise beim Bergsteigen sehr schnell zur gefährlichen Falle werden kann. Und dafür lohnt sich kein Berg der Erde.
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Kampf um Leben und Tod
Am Eingang des Yosemite Valley findet man auf einem spartanisch eingerichteten Campingplatz, dem legendären Camp 4, eine Gruppe von Abenteurern. Mit großen Materialsäcken, Seilen und Sicherungsgeräten bereiten sich Kletterer aus der ganzen Welt auf die Verwirklichung jahrelang gehegter Träume vor. Die begehrtesten Ziele sind die steilsten und höchsten Granitwände Amerikas. Zum einen lockt die 800 Meter glatte Nordwand des Half Domes, dessen Form einer durchtrennten Halbkugel gleicht, und zum anderen ist es die 1.000 Meter senkrechte bis überhängende Südwand des El Capitan.
Walter Hölzler wagte sich bereits 1986 als 21-Jähriger an die damals schwierigste Kletterroute weltweit und musste viel Lehrgeld bezahlen. Nur mit einem T-Shirt bekleidet überlebte er mit seinem Partner einen 12-stündigen Schnee sturm mitten in der überhängenden Steilwand des El Capitan. Durch die Kälte völlig entkräftet und dehydriert wurden beide im Camp 4 zurück wie Helden empfangen.
Akribische Vorbereitung
Erst 22 Jahre nach dem „Schneesturm-Erlebnis“ wollte Hölzler noch einmal einen Versuch an der berühmten „Nose-Route“ wagen. Zusammen mit dem Schweden Olav Isaksson schmiedete er einen großen Plan, der mit vier Buchstaben im Camp der Spezialisten zu dieser Zeit die Runde machte: „NIAD“-„Nose in a day“, das heißt. Geschwindigkeitsklettern in einer 1.000 Meter hohen Felswand. Ohne wochenlanges Training im Team vor Ort fast undenkbar, aber eben nur fast. Nach Abwägung aller Fakten kamen beide überein, dass eine kleine Chance blieb.
Große psychische Herausforderung
Noch vor dem Morgengrauen, starteten Hölzler und Isaksson mit Stirnlampen und einem kleinen Rucksack ausgerüstet vom sicheren Talboden in die dunkle Felswand. Bereits bei Sonnenaufgang waren beide circa 200 Meter hoch geklettert und lagen hervorragend im eng gesteckten Zeitplan. Gegen 8 Uhr morgens wurde die erste kleine Trinkpause eingelegt. Um 9:30 Uhr kam die Sonne um die Ecke und heizte die Felsen auf. Ein starkes Durstgefühl setzte ein, die Muskeln verkrampften leicht.
Nach einer zweiten Trinkpause wurde es überhängend, so dass sich das Klettertempo automatisch verringerte. Gerade in dieser kritischen Phase verhängte sich das Kletterseil an einer Felsnase, weshalb wertvolle Zeit verloren ging. Dadurch ließen sich die beiden aber nicht beirren und kletterten „Vollgas“ weiter.
Um 14 Uhr erreichen sie den Felsabsatz, an dem Hölzler vor 23 Jahren den Schneesturm durchstehen musste. Doch für Melancholie war an diesem Tag keine Zeit. Immer noch brannte die Sonne unbarmherzig in die Wand, so dass der Durst und die damit verbundenen Muskelkrämpfe zum schier unerträglichen Begleiter wurden. Dennoch stimmten der Zeitplan und das Wetter. Um 15 Uhr war der größte Überhang der Wand gemeistert. Der Weg zu Gipfel schien frei.
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Entscheidung zum Rückzug
Als sich Isaksson im weiteren Verlauf mit seinem ganzen Körper in einem Felsspalt abkämpfte, bemerkte er nicht, wie sich ein Karabiner mit Mikro-Klemmkeilen vom Klettergurt löste und unaufhaltsam zu Tale flog. Nur wenige Seillängen vor der Gipfelhochfläche hingen beide in einer der steilsten Felswände der Welt und sahen wie sich ihr Traumin sekundenschnelle in Luft auflöst. Das Risiko dennoch ohne die verlorenen Sicherungsmittel weiter zu steigen war einfach zu groß, um es zu wagen. Die Entscheidung des Rückzugs war gefallen.
Erlebtes genießen
Mit den letzten Strahlen der untergehenden Herbstsonne erreichten die beiden Kletterer über die Abseilpiste schnell und sicher den Einstieg, an dem sie in der Nacht zuvor so zuversichtlich gestartet waren. Was bleibt, ist die Erkenntnis, Erlebtes zu genießen und sich dennoch zu freuen, auch wenn das Ziel knapp verfehlt wurde. Denn höher, schneller, weiter ist nur eine sportliche Herausforderung, die bei zu ehrgeiziger Sichtweise beim Bergsteigen sehr schnell zur gefährlichen Falle werden kann. Und dafür lohnt sich kein Berg der Erde.
Text: Lena Fakler
Fotos: Walter Hölzler







