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Was ist dran am Mythos Sahara? Unbarmherzig oder schön? Lebensfeindlich oder herausfordernd? Ein altes Sprichwort sagt dazu: Du kommst nie wieder so aus der Wüste, wie du in sie hinein gegangen bist. Eine Bestätigung dafür und Antworten auf die Fragen fand Heiko Bahnmüller auf seinem Weg durch die Wüste. |
Vor etwa einem Jahr habe ich mich dazu entschieden, bei der 25. Ausgabe des „Marathon des Sables“ dabei zu sein. Der „MdS“, der vom Franzosen Patrick Bauer nun schon zum 25. Mal in der südmarokkanischen Sahara veranstaltet wird, gilt in Läuferkreisen als eines der härtesten Langstreckenrennen der Welt. Die Teilnehmer erwartet ein Rennen unter extremsten Bedingungen. Bei Temperaturen bis 50 Grad Celsius ist neben Tagesetappen von 20 bis 42 Kilometern auch eine UltraEtappe von rund 80 Kilometern Länge zu absolvieren. Alles, was man während des Rennens braucht, muss selbst im Rucksack mitgetragen werden. Neben der kompletten Nahrung (mind. 2000 kcal/Tag) ist das der Schlafsack, Kochgeschirr, Kleidung, Notrakete, Schlangenbisspumpe und die ent sprechende Tagesration Wasser. Das Rucksackgewicht muss dabei zwischen 6,5 und 15 kg liegen.

Gut ausgeruht für’s Vorwärtskommen (v.l.): Achim Knacksterdt, Thomas Eller,
Tilman Markert, Heiko Bahnmüller, Christian Bechtel.
Jetzt stehe ich am Bahnhof in München/ Pasing und trete die Reise zu einem der faszinierendsten Langstreckenrennen der Welt an. Meine Gefühle schwanken irgendwo zwischen Angst und Freude. Ich bin endlos gespannt, was mich in den nächsten Tagen erwartet! Es ist Donnerstag, 01. April 2010, 7:35 Uhr.
Nach meiner Teilnahme am Transalpine-Run begann im November 2009 die direkte Vorbereitung auf den „MdS“. Trotz des „harten“ Winters habe ich dabei keine einzige Trainingseinheit ausfallen lassen. Im Schnitt kamen dabei 80-120 Wochenkilometer zusammen. Nebenbei habe ich angefangen, mich intensiv mit geeignetem Material auseinanderzusetzen. Da jedes Gramm zählt, war die Vorgabe „leicht“ und „weglassen“. Am Ende wog mein Rucksack ohne Wasser knapp unter 9 Kilogramm. Läuferisch habe ich mir eigentlich weniger Sorgen gemacht. Was mich aber sehr beschäftigt hat sind die Umgebungsbedingungen wie Hitze, Sand, ungewohntes Essen, kalte Nächte oder auch, dass man sich eine Woche lang nicht vernünftig waschen kann. Bald werde ich es wissen…
Ich stehe also am Pasinger Bahnhof und beginne die Reise mit dem ICE nach Frankfurt zum Flughafen. Von dort geht es via Casablanca nach Ouarzazate. Am 02.04. um 01:30 Uhr kommen wir todmüde in einem billigen Hotel an. Macht nix, einfach nur schlafen. Am Morgen genieße ich die letzte Dusche für die nächsten 8 Tage. Nach dem Frühstück werden wir mit Reisebussen 350 Kilometer weit in die Wüste gebracht. Das letzte Stück zum ersten „Bivouac“ legen wir auf Militärlastern zurück. Wir sind fünf Teilnehmer in Berberzelt „Nr. 85“: Tilman, Achim, Thomas, Christian und ich. Normalerweise sind die Zelte mit 8 Personen belegt – Glück gehabt! Jetzt wird es ernst…
Samstag, 03. April
Der letzte Tag vor dem Start dient den technischen Kontrollen. Dabei wird die gesamte Ausrüstung nochmals genau es tens kontrolliert und gewogen. Zusätzlich wird von einem Arzt das mitgebrachte Attest und die EKG-Kurve begutachtet. Bei mir ist alles in bester Ordnung und ich werde zum Start zugelassen. Die Verpflegung wird an diesem Tag noch vom Veranstalter übernommen. Ab morgen heißt es Selbstverpflegung…
Sonntag, 04. April
IHRS – KHERMOU, 29 km
Ich habe ziemlich schlecht geschlafen. Um 6:00 Uhr hat uns die marokkanische „Bivouac-Crew“ unter lauten „Jallah Jallah - Rufen“ unser Dach über dem Kopf weggerissen. Na ja, dann gibt’s halt Frühstück unter freiem Himmel! Nach Müsli und Kaffee habe ich mit den Startvorbereitungen begonnen. Endlich ist es soweit, 1013 Teilnehmer und Teilnehmerinnen stehen an der Startlinie zum 25. Marathon des Sables. Der Startschuss hallt durch die Wüste. Das Feld setzt sich in Bewegung als ob es um einen 1500m-Lauf gehen würde. Ich versuche ruhig zu bleiben und mein Tempo zu finden. Nach ein paar Kilometern die ersten Sandpassagen. Es fällt unheimlich schwer dort zu laufen. Die Hitze ist gegen Mittag fast unerträglich. Ich bin nur am trinken. Irgendwann erscheint dann das Ziel. Pro Tag schüttet man etwa 10 Liter Wasser in sich rein. Die Landschaft ist atemberaubend…
Montag, 05. April
KHERMOU – JEBEL EL OTFAL, 35,5 km
Ich habe mich schon fast an das „Bivouac-Leben“ gewöhnt. Essen zubereiten klappt auch schon ganz gut Man hilft sich gegenseitig. Die heutige Etappe beginnt eigentlich ganz locker. Dann geht’s in die Berge. Die kann ich dank Transalpine-Erfahrung super laufen. Nach einem 7 km Flachstück bei über 45 Grad Celsius wird’s dann brutal. Es folgt ein 2 Kilometer langer, extrem steiler, sandiger Anstieg bei dem man für’s Vorwärtskommen sogar die Hände benutzen muss. Ich bin total fertig und kämpfe mit Kreislaufproblemen. Die letzten Kilometer schleppe ich mich ins Ziel und bin froh, es bis hier geschafft zu haben. Mein „Travellunch“ (Kartoffelsuppe!) bringt die Lebensgeister wieder zurück…
Dienstag, 06. April,
EBEL EL OTFAL – TAOURIT MOUCHANNE, 40 km
Ich habe schlecht regeneriert. Zu allem Übel auch noch Durchfall. Auf der Etappe ist dann glücklicherweise Ruhe. Bis Checkpoint 1 bei 12,8 Kilometern kann ich noch gut laufen. Dann beginnt das Leiden. Ich muss Gehpausen einlegen. Das Thermometer zeigt inzwischen 50°C. Dann geht’s auch noch durch steile Dünen. Ich kann keine feste Nahrung mehr zu mir nehmen. Wasser kann ich auch kaum mehr trinken. Muss mich übergeben. Zeit und Platz verlieren plötzlich völlig an Bedeutung. Ich will nur noch ins Ziel! Den ganzen Abend liege ich mehr tot als lebendig im Zelt. Wie soll ich die lange Etappe morgen schaffen…
Mittwoch, 07. April
TAOURIT MOUCHANNE – OUED EL JDAID, 82,2 km
Ich fühle mich etwas besser. Nach dem Start beginne ich ganz verhalten. Ich laufe gemeinsam mit Achim aus meinem Zelt. Geht eigentlich ganz gut. Stück laufen, Stück marschieren… Ab Kilometer 52 geht es für fast 20 Kilometer in die Dünen. Dann kommt die Dunkelheit. Es ist ein komisches Gefühl nur mit einer Stirnlampe nachts durch die Sahara zu laufen. Ein Laserstrahl zeigt uns den Weg. Ich hole mir beim Marschieren zwei schmerzhafte Blasen. Macht nix, weiter! Irgendwann kurz vor 24:00 Uhr erreichen wir total erledigt das Ziel und legen uns gleich schlafen. Andere sind bis am Abend des nächsten Tages auf der Strecke…
Donnerstag, 08. April
OUED EL JDAID
Weil wir gestern so schnell waren, haben wir heute Ruhetag. Nur relaxen und regenerieren…
Freitag, 09. April
OUED EL JDAID – ERG ZNAIGUI, 42,2 km
Marathontag! Gut ausgeruht fliege ich heute förmlich durch die Wüste. Platz für Platz geht es weiter nach vorne! Was, schon im Ziel? Ich hätte nicht gedacht, dass sich ein Marathon in der Wüste so leicht anfühlen kann. Viele meiner Mitstreiter haben inzwischen ernsthafte Probleme mit ihren Füßen und müssen sich in der „Clinique“ (Medizin-Zelt) behandeln lassen. Dort werden die Blasen von Sanitätspersonal behandelt. Ich habe noch nie derartig geschundene Füße gesehen. Die Schmerzensschreie sind immer noch zu hören…
Samstag, 10. April
ERG ZNAIGUI – MERZOUGA, 21,1 km
Heute nochmal Vollgas, dann habe ich es hinter mir. Wir laufen vom Start weg direkt in die Dünen. Das Tempo ist fast schon mörderisch. Nach einem Flachstück geht’s in den letzen Dünenteil. Plötzlich kann ich in der Ferne das Ziel sehen. Ich gebe alles und laufe wie in Trance. Es gibt sogar ein paar Zuschauer. Dann habe ich es endlich gepackt. Ich bin überglücklich. Patrick Bauer nimmt mich in den Arm und hängt mir persönlich die Medaille um den Hals. Ich bin Finisher des „Marathon des Sables 2010“! Am Ende war ich auf dem 139. Gesamtplatz und damit viertbester Deutscher. Insgesamt habe ich 36:13:10 Stunden für die 250 Kilometer gebraucht. Für den letzten Finisher hat das Rennen mehr als doppelt so lange gedauert! Der Rest ist recht unspektakulär: Rücktransfer im Reisebus, Hotelübernachtung (endlich wieder eine Dusche und vernünftiges Essen!!!), Siegerehrung, Rückflug…

Geschafft: Endlich wieder zurück in der Zivilisation.
Nun bin ich wieder zu Hause und noch ist alles ist unwirklich. Ich muss mich erst wieder in die Regeln des „normalen“ Lebens einfinden. Es waren gerade mal 288 Stunden, die ich von zu Hause weg war, aber es scheinen mir Wochen, wenn nicht Monate, gewesen zu sein. Beeindruckt hat mich vor allem, wie wenig man eigentlich zum Überleben braucht. Wasser, Nahrung und ein Dach über dem Kopf reichen. Die grandiosen Landschaften, die absolute Ruhe abseits der Zivilisation oder auch das Wissen, was ein Mensch unter extremen Bedingungen alles leisten kann, haben bei mir ihre Spuren hinterlassen…
Ein Sprichwort sagt: „Du kommst nie wieder so aus der Wüste, wie du in sie hinein gegangen bist“
…da ist tatsächlich was Wahres dran! Wer mehr über den „Marathon des Sables“ wissen möchte, wird fündig unter www.darbaroud.com

Gut ausgeruht für’s Vorwärtskommen (v.l.): Achim Knacksterdt, Thomas Eller,
Tilman Markert, Heiko Bahnmüller, Christian Bechtel.
Jetzt stehe ich am Bahnhof in München/ Pasing und trete die Reise zu einem der faszinierendsten Langstreckenrennen der Welt an. Meine Gefühle schwanken irgendwo zwischen Angst und Freude. Ich bin endlos gespannt, was mich in den nächsten Tagen erwartet! Es ist Donnerstag, 01. April 2010, 7:35 Uhr.
Nach meiner Teilnahme am Transalpine-Run begann im November 2009 die direkte Vorbereitung auf den „MdS“. Trotz des „harten“ Winters habe ich dabei keine einzige Trainingseinheit ausfallen lassen. Im Schnitt kamen dabei 80-120 Wochenkilometer zusammen. Nebenbei habe ich angefangen, mich intensiv mit geeignetem Material auseinanderzusetzen. Da jedes Gramm zählt, war die Vorgabe „leicht“ und „weglassen“. Am Ende wog mein Rucksack ohne Wasser knapp unter 9 Kilogramm. Läuferisch habe ich mir eigentlich weniger Sorgen gemacht. Was mich aber sehr beschäftigt hat sind die Umgebungsbedingungen wie Hitze, Sand, ungewohntes Essen, kalte Nächte oder auch, dass man sich eine Woche lang nicht vernünftig waschen kann. Bald werde ich es wissen…
Ich stehe also am Pasinger Bahnhof und beginne die Reise mit dem ICE nach Frankfurt zum Flughafen. Von dort geht es via Casablanca nach Ouarzazate. Am 02.04. um 01:30 Uhr kommen wir todmüde in einem billigen Hotel an. Macht nix, einfach nur schlafen. Am Morgen genieße ich die letzte Dusche für die nächsten 8 Tage. Nach dem Frühstück werden wir mit Reisebussen 350 Kilometer weit in die Wüste gebracht. Das letzte Stück zum ersten „Bivouac“ legen wir auf Militärlastern zurück. Wir sind fünf Teilnehmer in Berberzelt „Nr. 85“: Tilman, Achim, Thomas, Christian und ich. Normalerweise sind die Zelte mit 8 Personen belegt – Glück gehabt! Jetzt wird es ernst…
![]() Bivouac-Leben: Schlafplatz mit Ausrüstung, reicht aus um zu regenerieren. |
![]() Sand-Sand-Sand und im Hintergrund der Checkpoint. |
Samstag, 03. April
Der letzte Tag vor dem Start dient den technischen Kontrollen. Dabei wird die gesamte Ausrüstung nochmals genau es tens kontrolliert und gewogen. Zusätzlich wird von einem Arzt das mitgebrachte Attest und die EKG-Kurve begutachtet. Bei mir ist alles in bester Ordnung und ich werde zum Start zugelassen. Die Verpflegung wird an diesem Tag noch vom Veranstalter übernommen. Ab morgen heißt es Selbstverpflegung…
Sonntag, 04. April
IHRS – KHERMOU, 29 km
Ich habe ziemlich schlecht geschlafen. Um 6:00 Uhr hat uns die marokkanische „Bivouac-Crew“ unter lauten „Jallah Jallah - Rufen“ unser Dach über dem Kopf weggerissen. Na ja, dann gibt’s halt Frühstück unter freiem Himmel! Nach Müsli und Kaffee habe ich mit den Startvorbereitungen begonnen. Endlich ist es soweit, 1013 Teilnehmer und Teilnehmerinnen stehen an der Startlinie zum 25. Marathon des Sables. Der Startschuss hallt durch die Wüste. Das Feld setzt sich in Bewegung als ob es um einen 1500m-Lauf gehen würde. Ich versuche ruhig zu bleiben und mein Tempo zu finden. Nach ein paar Kilometern die ersten Sandpassagen. Es fällt unheimlich schwer dort zu laufen. Die Hitze ist gegen Mittag fast unerträglich. Ich bin nur am trinken. Irgendwann erscheint dann das Ziel. Pro Tag schüttet man etwa 10 Liter Wasser in sich rein. Die Landschaft ist atemberaubend…
Montag, 05. April
KHERMOU – JEBEL EL OTFAL, 35,5 km
Ich habe mich schon fast an das „Bivouac-Leben“ gewöhnt. Essen zubereiten klappt auch schon ganz gut Man hilft sich gegenseitig. Die heutige Etappe beginnt eigentlich ganz locker. Dann geht’s in die Berge. Die kann ich dank Transalpine-Erfahrung super laufen. Nach einem 7 km Flachstück bei über 45 Grad Celsius wird’s dann brutal. Es folgt ein 2 Kilometer langer, extrem steiler, sandiger Anstieg bei dem man für’s Vorwärtskommen sogar die Hände benutzen muss. Ich bin total fertig und kämpfe mit Kreislaufproblemen. Die letzten Kilometer schleppe ich mich ins Ziel und bin froh, es bis hier geschafft zu haben. Mein „Travellunch“ (Kartoffelsuppe!) bringt die Lebensgeister wieder zurück…
Dienstag, 06. April,
EBEL EL OTFAL – TAOURIT MOUCHANNE, 40 km
Ich habe schlecht regeneriert. Zu allem Übel auch noch Durchfall. Auf der Etappe ist dann glücklicherweise Ruhe. Bis Checkpoint 1 bei 12,8 Kilometern kann ich noch gut laufen. Dann beginnt das Leiden. Ich muss Gehpausen einlegen. Das Thermometer zeigt inzwischen 50°C. Dann geht’s auch noch durch steile Dünen. Ich kann keine feste Nahrung mehr zu mir nehmen. Wasser kann ich auch kaum mehr trinken. Muss mich übergeben. Zeit und Platz verlieren plötzlich völlig an Bedeutung. Ich will nur noch ins Ziel! Den ganzen Abend liege ich mehr tot als lebendig im Zelt. Wie soll ich die lange Etappe morgen schaffen…
Mittwoch, 07. April
TAOURIT MOUCHANNE – OUED EL JDAID, 82,2 km
Ich fühle mich etwas besser. Nach dem Start beginne ich ganz verhalten. Ich laufe gemeinsam mit Achim aus meinem Zelt. Geht eigentlich ganz gut. Stück laufen, Stück marschieren… Ab Kilometer 52 geht es für fast 20 Kilometer in die Dünen. Dann kommt die Dunkelheit. Es ist ein komisches Gefühl nur mit einer Stirnlampe nachts durch die Sahara zu laufen. Ein Laserstrahl zeigt uns den Weg. Ich hole mir beim Marschieren zwei schmerzhafte Blasen. Macht nix, weiter! Irgendwann kurz vor 24:00 Uhr erreichen wir total erledigt das Ziel und legen uns gleich schlafen. Andere sind bis am Abend des nächsten Tages auf der Strecke…
Donnerstag, 08. April
OUED EL JDAID
Weil wir gestern so schnell waren, haben wir heute Ruhetag. Nur relaxen und regenerieren…
Freitag, 09. April
OUED EL JDAID – ERG ZNAIGUI, 42,2 km
Marathontag! Gut ausgeruht fliege ich heute förmlich durch die Wüste. Platz für Platz geht es weiter nach vorne! Was, schon im Ziel? Ich hätte nicht gedacht, dass sich ein Marathon in der Wüste so leicht anfühlen kann. Viele meiner Mitstreiter haben inzwischen ernsthafte Probleme mit ihren Füßen und müssen sich in der „Clinique“ (Medizin-Zelt) behandeln lassen. Dort werden die Blasen von Sanitätspersonal behandelt. Ich habe noch nie derartig geschundene Füße gesehen. Die Schmerzensschreie sind immer noch zu hören…
Samstag, 10. April
ERG ZNAIGUI – MERZOUGA, 21,1 km
Heute nochmal Vollgas, dann habe ich es hinter mir. Wir laufen vom Start weg direkt in die Dünen. Das Tempo ist fast schon mörderisch. Nach einem Flachstück geht’s in den letzen Dünenteil. Plötzlich kann ich in der Ferne das Ziel sehen. Ich gebe alles und laufe wie in Trance. Es gibt sogar ein paar Zuschauer. Dann habe ich es endlich gepackt. Ich bin überglücklich. Patrick Bauer nimmt mich in den Arm und hängt mir persönlich die Medaille um den Hals. Ich bin Finisher des „Marathon des Sables 2010“! Am Ende war ich auf dem 139. Gesamtplatz und damit viertbester Deutscher. Insgesamt habe ich 36:13:10 Stunden für die 250 Kilometer gebraucht. Für den letzten Finisher hat das Rennen mehr als doppelt so lange gedauert! Der Rest ist recht unspektakulär: Rücktransfer im Reisebus, Hotelübernachtung (endlich wieder eine Dusche und vernünftiges Essen!!!), Siegerehrung, Rückflug…

Geschafft: Endlich wieder zurück in der Zivilisation.
Nun bin ich wieder zu Hause und noch ist alles ist unwirklich. Ich muss mich erst wieder in die Regeln des „normalen“ Lebens einfinden. Es waren gerade mal 288 Stunden, die ich von zu Hause weg war, aber es scheinen mir Wochen, wenn nicht Monate, gewesen zu sein. Beeindruckt hat mich vor allem, wie wenig man eigentlich zum Überleben braucht. Wasser, Nahrung und ein Dach über dem Kopf reichen. Die grandiosen Landschaften, die absolute Ruhe abseits der Zivilisation oder auch das Wissen, was ein Mensch unter extremen Bedingungen alles leisten kann, haben bei mir ihre Spuren hinterlassen…
Ein Sprichwort sagt: „Du kommst nie wieder so aus der Wüste, wie du in sie hinein gegangen bist“
…da ist tatsächlich was Wahres dran! Wer mehr über den „Marathon des Sables“ wissen möchte, wird fündig unter www.darbaroud.com
Diplomsportlehrer Heiko Bahnmüller





