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Für diejenigen, denen das Wetter des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft im Jahr 1954 in der Schweiz kein Begriff mehr ist: Es hat geschüttet wie aus Kübeln beim Anpfiff des Fußballturniers der Schulen des Heeres um den Wanderpokal des Kommandeur Heeresschulen. Die Pionierschule und Fachschule des Heeres für Bautechnik in Ingolstadt war am 26. Mai 2010 Veranstalter des Kleinfeldturniers. |
„Erstmalig, aber nicht einmalig“, begrüßte Brigadegeneral Heinrich Fischer die Teams aller Schulen, Truppenschulen und Ausbildungszentren des Heeres aus dem gesamten Bundesgebiet. General Fischer, Kommandeur der Heeresschulen und stellvertretender Amtschef des Heeresamtes, hatte nach Oberbayern geladen und vierzehn Teams waren in die Pionierkaserne „Auf der Schanz“ zum sportlichen messen angereist. Im Modus „Jeder gegen Jeden“ wurde in zwei Gruppen gespielt: In der Gruppe A kämpften die Mannschaften der Offizierschule des Heeres, des Ausbildungszentrums Munster, der Technischen Schule Landsysteme, der Luftlande-/Lufttransportschule, des Ausbildungszentrums Spezielle Operationen sowie das Team 2 der Pionierschule um die Platzierungen. In die Gruppe B wurden die Teams der ABC- und Selbstschutzschule, der Infanterieschule, der Unteroffizierschule des Heeres, des Gefechtsübungszentrums Heer, der Heeresfliegerwaffenschule, des Gefechtssimulationszentrums Heer sowie das Team 1 der Pionierschule gelost.

In der Pionierkaserne „Auf der Schanz“ prasselte der Regen
unaufhörlich hernieder.
Technik auf dem Spielfeld
Die Grundvorrausetzung waren für alle Mannschaften gleich: Auf dem Kleinfeld spielten jeweils ein Torwart und fünf Feldspieler, die allesamt Angehörige des Stammpersonals der Ausbildungseinrichtungen sein mussten. Lehrgangsteilnehmer waren nicht zugelassen. „Mir geht es um den Zusammenhalt und um die Kohäsion in der Schullandschaft des Heeres“, verdeutlichte General Fischer die Zielsetzung des Turniers. Gegenseitiges Kennenlernen und die Kameradschaftspflege standen somit nicht nur in der obligatorischen „3. Halbzeit“ des Fußballs im Mittelpunkt, sondern auch auf den vom Organisationsteam der II. Inspektion der Pionierschule hervorragend vorbereiteten Kleinspielfeldern. So war die Steigfähigkeit von 60% des „Manipulatorfahrzeugs Pioniertruppe“, das den Spielball zum Mittelkreis brachte, in keiner Weise gefordert.
Fair-Play bei sportlichem Ehrgeiz
Fairness und „kein falscher Ehrgeiz“ lautete bei aller Verfolgung der sportlichen Ziele die Devise. Allerdings ließ der Dauerregen auch keine erhitzten Gemüter zu, wie ein Spieler augenzwinkernd bemerkte. Gelebtes Fair-Play zeigte sich beispielsweise im Verhalten des Torwarts des Teams Pionierschule 2: Ein reguläres Tor unmittelbar vor Spielschluss, das der Schiedsrichter nicht gesehen hatte, wurde durch den Stabsgefreiten Stephan Wolf dem Unparteiischen angezeigt, obwohl dies seinem Team gleichzeitig den Sieg kostete. Auch die Mannschaftsstrukturen spiegelten den Charakter des Turniers wider: vom Gefreiten bis zum Oberstleutnant waren die Teams bunt gemischt, die auch von Angehörigen der Schulführung begleitet und angefeuert wurden. Für Oberst Herbert Schmidtmeier, Kommandeur der USH, ein klarer Fall „Die Mannschaft vertritt die Unteroffizierschule des Heeres, deswegen begleitet sie ihr Kommandeur, wenn es ihm möglich ist.“ Der Kommandeur des Gefechtssimulationszentrums Heer, Oberst Peter Schütz, ergänzt mit Blick auf seinen bevorstehenden Ruhestand: „Ich bin gerne bei meinen Spielern dabei, zumal es für mich das letzte Mal als Kommandeur sein wird.“
Infanterieschule pudelnasser, aber glücklicher Gewinner
Kein Ball wurde verloren gegeben, packende Zweikämpfe und torreiche Spiele machten das Zuschauen auf beiden Plätzen zu einer Freude. In den Vorrundenspielen setzten sich die Infanterieschule und das Ausbildungszentrum Munster durch und bestritten das Finale. Petrus stand erneut nicht auf der Seite der Spieler: Das Finale bot eine Mischung aus Gewitter und Platzregen bis hin zu kurzen Auflockerungen. Am Ende setzte sich das Team der Infanterieschule mit 2:0 durch und kann nun analog zum DFB-Pokal den Wanderpokal des Kommandeurs Heeresschulen ein Jahr lang ihr Eigen nennen. Eine Besonderheit: Der Keeper der Hammelburger kassierte im gesamten Turnierverlauf nicht ein einziges Gegentor. Überreicht wurde dem Teamchef der Infanteristen, Oberfeldwebel Michael Volkmuth, der Pokal aus den Händen des Kommandeurs Heeresschulen und des Ehrengastes, Harald Gärtner, Sportdirektor des vor wenigen Tagen in die 2. Bundesliga aufgestiegenen FC Ingolstadt 04. Hauptmann Knut Witthöfft, Teambetreuer des zweitplatzierten Ausbildungszentrums Munster, haderte aber kaum mit dem verpassten Titelgewinn: „Wir hätten nie mit diesem Erfolg gerechnet. Im Finale waren wir ebenbürtig, aber der Ball muss eben auch über die Torlinie gehen.“ Im Spiel um Platz 3 setzte sich die Heeresfliegerwaffenschule gegen die Technische Schule Landsysteme durch, Platz 5 erreichte das Gefechtsübungszentrum Heer gefolgt vom Ausbildungszentrum Spezielle Operationen.
![]() Auch im Finale blieb die Infanterie- schule ohne Gegentor. |
![]() General Fischer (li.) und Harald Gärtner (re.) überreichen den Wanderpokal, der nun in Hammelburg steht. |
Zufriedene Turnierteilnehmer im Visier
Sechzehn Tage vor Eröffnung der Fußball-WM in Südafrika und im Jahr der Militär-EM standen die Spieler zudem in einem besonderen, zweiten Fokus: General Fischer ist zugleich Teammanager der Bundeswehr Fußballnationalmannschaft und somit grundsätzlich an talentierten Spielern interessiert. Durch die gezeigten Leistungen konnten sich einzelne Spieler für eine nähere Betrachtung empfehlen. Interessierte können sich zudem über die Bundeswehr-Auswahl im Internet informieren: In den Online-Netzwerken facebook und studivz ist eine Fan-Page „Bundeswehr Fußballnationalmannschaft“ mit Hintergründen und aktuellen Informationen eingerichtet. Die teilnehmenden Teams zeigten sich unisono beeindruckt und zufrieden mit der Turnierorganisation: „Ich habe noch nie so einen fairen Wettkampf erlebt“, zieht Hauptgefreiter (UA) Sascha Cäsar von der Infanterieschule den Vergleich mit zahlreichen anderen Fußballturnieren, an denen er bereits teilgenommen hat. Den Teilnehmern aus dem Herzen sprach Obergefreiter Anton Lapin vom Team des Ausbildungszentrums Munster, als er zusammenfasst: „ Ein ganz großes Lob an den Veranstalter. Wir haben es genossen!“
Text: Sebastian Bangert
Fotos: Reinhold Gerner; Carsten Werner





