Zwei Heeresbergführer aus Mittenwald und Ulm auf dem Shimshal White Horn. Hauptfeldwebel Matthias Robl ist als Heeresbergführer und Rettungssanitäter im Standort-Sanitätszentrum in der Mittenwalder Edelweißkaserne eingesetzt. Als Extrembergsteiger und Eiszapfenkletterer hat sich der aus Oberstdorf im Allgäu stammende 36-jährige einen Namen gemacht.

Faszination Erstbesteigung: Bei Morgenröte klettert Dr. Markus Tannheimer in der Gipfelwand auf 5800 Metern Höhe.
Nicht minder begeistert vom Bergsteigen ist seine Ehefrau Alexandra. Die 30-jährige ist Krankenschwester auf der Intensivstation in Murnau. Sie stand mit ihrem Mann schon auf dem Cho Oyu. Er gilt mit seinen 8201 Metern als sechsthöchster Berg der Welt und wurde von den Beiden ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff bezwungen. Im Juli 2006 schafften nun die Beiden den bisher unbezwungenen Gipfel des 6304 Meter hohen "Shimshal White Horn" in Pakistan.
Möglich gemacht hatte dies Expeditionsleiter Oberstabsarzt Dr. Markus Tannheimer aus dem Bundeswehr- Krankenhaus in Ulm. Der Mediziner war 2003 nach bestandenem Lehrgang an der Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald zum Heeresbergführer ernannt worden und hatte immer Verbindung zu den Robl's gehalten. "Die Route auf den Shimshal haben wir dann gemeinsam vom Höhenlager aus mit dem Fernglas erkundet und mit Intuition, Können und Erfahrung auch so geschafft". Entdeckt hatte der Mediziner den bisher unbezwungenen Gipfel vor zwei Jahren. Da führte ihn eine Tour ins 800 Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad gelegenen Karakorum-Gebiet zwischen Pakistan und China.
![]() Die weiße Linie zeigt die von den Deutschen gewählte Erstbesteigungs-route auf den Shimshal White Horn. | ![]() Gipfelglück (v.l.): Alexandra Robl, Dr. Markus Tannheimer und Matthias Robl |
Seine diesjährige Forschungsexpedition bei allen Touren Mützen tragen", erinnert sich Robl, "diese waren mit Sensoren zur EEG-Messung bestückt".
Beschwerlich dahin war schon die Anreise. Von Frankfurt ging der Flug über Doha nach Islamabad. "Hier empfing uns der deutsche Militär-Attaché Oberstleutnant Carlos Schnell", erzählt Robl, "Dann ging es über den Karakorum- Highway ins Shimshal-Tal. Die Reise im Bus dauerte drei Tage. Zweimal mussten wir in kleinen Hotels übernachten". Zwei Wochen brauchte das vierköpfige Team - beim späteren Gipfelsturm musste Dr. Matthias Braun erkrankt im Basislager bleiben - zur Akklimatisierung.
Dann wurden quasi im Vorbeigehen drei "kleinere" Erstbesteigungen gewagt. Bezwungen wurden der Sunrise Peak (5661 Meter) sowie der Ost- und Westgipfel (5366/5685) des "Chu Kurtha Dust". Das Ziel "Shimshal White Horn" konnte nach einem Wettereinbruch erst am 21. Juli in Angriff genommen werden. Über das Basislager (4400) ging es zum Hochlager (5200). "Hier erfuhren wir, dass drei Briten wegen Schneefall ihre Erstbesteigung abgebrochen hatten".
Am 22. Juli um ein Uhr nachts wagte das Trio aus Deutschland eine so genannte Risikobesteigung. "Wir hatten immer mit unserem Satelliten-Telefon Kontakt mit dem Wetterdienst der Bundeswehr in Kabul", erzählt Robl. "Denn die Angst, dass uns beim Aufstieg durch Wärme ein Eisschlag trifft, lag wie ein Gespenst über uns". Trotzdem konnte bereits um 5.30 Uhr die unter dem Gipfel liegende 750 Meter hohe und bis zu 80 Grad steile Wand "seilfrei" durchstiegen werden.
Genau um 9.30 standen die Drei auf dem Gipfel. "Diesen Ausblick und die Tatsache hier oben die ersten Menschen auf der Welt zu sein, mussten wir genießen". Nach zehn Minuten und den obligatorischen Beweisfotos ging es zurück. Unter dem Gipfel musste auf einem Sattel (5700) pausiert werden. "Wir haben gewartet, bis die Wand einen Schatten bekam", beschreibt Robl den Vorteil, dass diese durch die Kälte sicherer wurde, "Wir konnten so die Gefahr von Eislawinen besser kalkulieren". Um 18.30 wurde das Hochlager und um 21 Uhr das Basislager erreicht. "Das war Nonstop im Alpinstil", beschreibt Robl diesen Kraftakt, wir hatten in unserem zehn Kilo schweren Rucksack nur Essen, Trinken und die Kletterausrüstung dabei". Am 23. Juli ging es nach Shimshal zurück. "Hier wurden wir wieder vom Attache empfangen und waren bei einer Schuleinweihung dabei".

Empfang in Islamabad(v.l.): Alexandra und Matthias Robl, Nazir Sabir, Dr. Markus Tannheimer, Saad Tarig Sidripil(Vizepäsident Alpinclub), Dr. Matthias Braun und Militärattache Carlos Schnell.
Zurück in Islamabad erwies ihnen Nazir Sabir die Ehre - der Präsident des Alpine Club ist als "Reinhold Messmer von Pakistan" ein Begriff. Er kam mit seinem Stellvertreter Saad Tarig Sidripil und überreichte die "Erstbesteigungsurkunde". Sogar die in Islamabad erscheinende Tageszeitung "DAWN" (Morgenröte) titelte in großen Lettern "Germans first to scale White Horn (Deutsche besteigen als Erste das Weiße Horn)" und auch das Fernsehen widmete den Deutschen unter dem Titel "Der Ruhm der ersten Frau auf diesem Gipfel gehört Alexandra Robl" einen Beitrag.

Matthias Robl mit dem pakistanischen
Zertifikat der Erstbesteigung auf den
"Shimshal White Horn"
"Unser Traum ist es jetzt", verraten es Alexandra und Matthias Robl, "gemeinsam den Nanga Parbat (8125) zu bezwingen". Als Vorgeschmack besuchten die Beiden auf der Heimreise schon einmal das unter dem Gipfel des neunthöchsten Berg der Erde gelegene Basislager mit der berühmten "Märchenwald- Wiese" in 4000 Metern Höhe. Von ihr hatte wegen dem hier wachsenden grünen Gras und blühenden Bäumen schon der deutsche Erstbesteiger Hermann Buhl geschwärmt. Seine Vision ging in Erfüllung - an ihrem Traum arbeiten die Robl's noch.
Wolfgang Kunz




