Jugendliche Preisausschreiben-Gewinner aus ganz Deutschland testen in Mittenwald ihre Grenzen aus. Einmal Gebirgsjäger sein durften 15 Jugendliche aus ganz Deutschland zwischen 16 und 19 Jahren.
Sie hatten an einem vom Kölner Streikräfte-Amt ausgeschriebenen Preisausschreiben teilgenommen und waren fünf Tage Gäste der Gebirgs- und Winterkampf- Schule (GWS) im oberbayerischen Mittenwald.
Zum letzten Mal als Betreuer vom Streitkräfte-Amt dabei war Karl- Heinz Klein: "Mitgemacht haben 112 Tausend Jugendliche, darunter waren 870 Schulklassen". Der Oberstabsfeldwebel ist Ende Juli in Pension gegangen und brachte seinen Nachfolger Stabsfeldwebel Michael Löber mit: "Den Aufenthalt bei der GWS in der Karwendel- Kaserne haben sieben Mädels und acht Jungen gewonnen".

Keine Höhenangst: Die Preisausschreiben-Gewinner
auf dem Gratweg zum Höllentorkopf.
Für die Betreuung der Teilnehmer waren Presseoffizier Hauptmann Reiner Grotian, die Hauptfeldwebel Lutz Leibelt und Andreas Purwin sowie die Heeresbergführer Oberstabsfeldwebel Udo Knittel und Hauptfeldwebel Willi Brenner abgestellt. Nach einer ausgiebigen Einweisung standen eine Kletterausbildung im Alpspitz- und Zugspitzgebiet bei Garmisch-Partenkirchen "auf dem Dienstplan". Eingerichtet war im Alpspitz- Klettergarten eine 60 Meter lange und zehn Meter hohe Seilrutsche - für viele Jugendliche eine echte Mutprobe. Entschädigt wurden alle durch den nächtlichen Fackelmarsch zum Kreuzjoch mit Übernachtung im Kreuzeck- Haus. Durch das Höllental ging es am nächsten Morgen zurück nach Hammersbach. Eine Führung durch den Geigenbauort Mittenwald und ein Besuch in der Geigenbauschule rundeten die ereignisreichen Tage ab. Trotz aller Mühen war aber auch Spaß für die jungen Nachwuchsgebirgsjäger garantiert.
"Ich hatte den Ehrgeiz, alles zu schaffen", verrät Margit Spies (17) aus Bad Berleburg, "das Beste für mich war aber die Playstation für Erwachsene". Die in Ausbildung stehende medizinische Fachangestellte ("Viele Soldaten, die in unsere Klinik als Patienten kommen, haben mir eine Prospektanforderung schmackhaft gemacht") umschrieb damit salopp das Schießkino. Sie hatte nach einem Bewerbungsgespräch in der Kaserne in Erndtebrück Unterlagen angefordert. "Weil eine Bekannte meiner Mutter bei der Bundeswehr arbeitet. Jetzt überlege ich, nach Ende meiner Ausbildung eine Bewerbung für den Dienst in einem Bundeswehr-Krankenhaus abzugeben".
"Vielleicht gehe ich nach meinem Abitur 2007 anstatt zu den Panzer- lieber zu den Gebirgsjägern", meint Lennart Mextdorf (18) aus Hemeringen bei Hameln, "Die Spezialisierung der Gebirgsjäger auf Klettern, Skifahren und Auslandseinsätze würden mich schon reizen". Vom Preisausschreiben hat der Schüler über das Internet erfahren. "Ich habe mich gefreut, dass ich bei so vielen Teilnehmern gewonnen habe. Mein Ziel ist jetzt Offizier bei den Gebirgsjägern".

Schnupperten Gebirgsjäger-Luft: Jugendliche aus Deutschland bei ihren Betreuern(l.) Karl-Heinz Klein und (v.r.) Reiner Grotian und Michael Löber.
Die 18-jährige Schülerin Melanie Burckhardt aus Klebitz/Wittenberg verriet: "Mir war es zu anstrengend und ich spüre alle Knochen. Ich fange ab August lieber eine Lehre als Einzelhandelskauffrau an. Cool war aber das Gefühl, bis an die Grenzen gehen zu müssen. Toll fand ich auch das Schießen, ganz okay war das Wandern".
Der 19-jährige Brent-Christian Brüggemann aus Hamburg fand alles geil. Vom Schlafen in der Kaserne über den Bergmarsch durch das Höllental zum Höllentorkopf und den dortigen Klettergarten bis zum nächtlichen Fackelmarsch am Kreuzeck. "Nachdem mich aber die Gebirgsjäger leider nicht genommen haben, gehe ich als Wehrpflichtiger zur Luftwaffe nach Straußberg".
Zur Luftwaffe will auch Janine Mauck (17) aus Ulm. "Weil mein Vater und Schwester auch schon in Domstadt und Laupheim bei der Bundeswehr sind und weil es mir persönlich in Mittenwald zu anstrengend war". Die auszubildende Werbetechnikerin hatte auf der Berufsschule von dem Preisausschreiben erfahren. "Das schönste Erlebnis für mich war das Klettern. Einmal hatte ich sogar richtig Höhenangst. Da bin ich fünf Minuten nicht mehr weitergegangen".
Der 19-jährigen Isabell Barther aus Sinsheim gefiel besonders die Gegend zwischen Karwendel- und Wettersteingebirge. "Nach meinem Gewinn habe ich mir für diese Tage extra Urlaub genommen", so die Studentin der Pharmazie, "Ich mache zwar zivil weiter, aber ich fand die hier erlebte Gemeinschaft ganz toll und habe viele neue Freunde kennen gelernt. Die stärksten Eindrücke haben bei mir das Schießen und das Klettern hinterlassen".
Wolfgang Kunz

