"Grüne Woche" bei der Sportfördergruppe Sonthofen mal ganz anders. Wer im Sport erfolgreich ist, steht im Rampenlicht. Da gehört das klassische "Siegerinterview" natürlich dazu. Wer sich dabei gut schlägt sammelt Pluspunkte - nicht zuletzt für sich persönlich und für den Sport.
Diese Tatsache stand im Mittelpunkt der so genannten "Grünen Woche", die zwölf erfolgreiche Sportlerinnen und Sportlern der Sportfördergruppe der Bundeswehr Sonthofen vor kurzem absolvierten. "Interview Survival Course" stand auf dem Programm. Und damit es wirklich international zuging, war Englisch die Unterrichtsprache, als die Wintersportler vor Mikrofone und Kameras traten.
So spielerisch der Crash-Kurs "Interview Survival Course" auch anmutete, den Teilnehmern wurde nichts geschenkt. Mehr noch als die Referenten nahmen sich die eigenen Sportkameraden gegenseitig in die Mangel. Im Interview- Training vor laufender Kamera zeigten die Sportsoldaten im Rollenspiel, wie fair oder unfair Medien sein können. Champion ist der, der kompetent und gelassen antworten kann.
Tatsächlich kann das spontane Interview oder die Pressekonferenz größeres "Nervenflattern" bewirken als der eigentliche Wettkampf. Mag das in der Muttersprache schon ein flaues Gefühl auslösen, wie viel mehr dann, wenn das Spielchen in englischer Sprache abläuft. Als Sieger redet es sich oft leichter, ob in der Muttersprache oder in Englisch. Schwieriger wird es immer, wenn es um ganz persönliche Dinge geht, oder darum, zu erklären, warum etwas nicht so geklappt hat wie erwartet. Erfolg ist ein gutes Stück Trainingssache. Wer wüsste das besser als Sportler. Genau das war die Idee, die Stabsfeldwebel Georg Kronawitter, der Leiter der Sportfördergruppe Sonthofen vor einiger Zeit hatte. Häufig war ihm aufgefallen, wie wichtig das Thema "Kommunikation" gerade auch für Leistungssportler ist, die ständig mit Medienvertretern umgehen.
Sprachen-Fan Kronawitter spann den Gedanken schließlich weiter und machte bald einen Vorstoß, um der Idee Leben zu geben. Fündig wurde er beim Kommandeur der Schule für Feldjäger und Stabsdienst in der Generaloberst Beck Kaserne, wo auch die Sportfördergruppe Quartier hat. "Hausherr" Oberst Hubert Katz war begeistert vom frischen Wind für die "Grüne Woche" und stellte mit Roy Ferguson und Andrew Pickles zwei gleichermaßen kompetente wie humorvolle Englischdozenten der Schule zur Verfügung. Statt Gefechtsdienst oder Bergmärsche stand dann das Survivaltraining für das Interview auf dem Dienstplan der Sportler.

"Let's talk about..." Claudia Grundmann, Anja Scheytt,
Andrea Lanzl, Susann Götz und Stephanie Wartosch-
Kürten (von links) hatten viel Spaß beim Interview-
Survivaltraining in Sonthofen.
"How did you manage to improve your stamina during the last weeks?" So lautete etwa eine Frage im Interview- Training. Wie hat es der Freestyle-Skifahrer Christoph Stark in wenigen Wochen geschafft, seine Ausdauer und Kraft zu verbessern? Im Gegenzug duften die Männer ihre Kolleginnen aus der Eishockey-Nationalmannschaft fragen, was "sie so machen" nach dem Match.
Eine Portion Schulenglisch brachten die Sportlerinnen und Sportler allesamt mit. "Nur die Praxis fehlte", betont Roy Ferguson. Der Survivalkurs sei erst einmal ein Experiment. "Wir sammeln dabei ebenso Erfahrungen wie die Sportlerinnen und Sportler. Wir lernen dazu, und können beim nächsten Mal noch besser sein." Um die Fachausdrücke der jeweiligen Sportart mit in den Fünf-Tages- Kurs einzubringen, stellten Ferguson und Pickles sogar ein spezielles Begleitheft zusammen, das alles Wesentliche zu Skisprung, Freestyle und Eishockey enthält - natürlich in Englisch. "Es sind tatsächlich oft die Fachbegriffe, die uns fehlen. Erst recht schwierig wird es natürlich wenn Kameras und Mikros vor einem stehen", berichtet Unteroffizier Anja Scheytt, Mitglied des deutschen Damen- Eishockey-Teams. Andererseits hat sie auch die Erfahrung gemacht, dass sich Journalisten "königlich freuen" wenn man bemüht sei, sich in deren Muttersprache oder zumindest auf Englisch, der Weltsportsprache zu verständigen. "Die kleinen Fehler, die man dabei macht, stören die wenigsten." Sie bemerkt sogar einen richtigen Sympathie- Schub bei solchen Gelegenheiten..
"Praxis, Praxis, Praxis - lautete die Devise während der fünf Vormittagsrunden. Die Interview-Szenen wurden mit Kameras aufgezeichnet und gemeinsam besprochen. Dabei erklärten die beiden Sprachenlehrer einmal was Deutsche häufig falsch machen, wenn sie Englisch reden. "Newspapers report, they don't write", erklärt er den Sachverhalt, dass im Englischen die Zeitungen eben "berichten" und nicht "schreiben". "Journalists write..." verdeutlicht Ferguson den kleinen Unterschied. Zum anderen wiesen die Lehrer die Soldatinnen und Soldaten darauf hin, wie wichtig die Körpersprache ist, wenn man vor laufender Kamera auf dem Präsentiertteller steht.
"Eine feine Sache", so die Bilanz, die stellvertretend der Alpin-Skifahrer Tobias Stechert und Skispringer Georg Späth ziehen. Und auch der "Vater" des Interview-Survival-Training, Stabsfeldwebel Georg Kronawitter, ist vom Probelauf begeistert. "Am besten wirkt der Kurs, wenn sie jungen Leute schon einen entsprechenden ‚normalen' Rhetorik- oder Interview-Kurs besucht haben", meint Kronawitter. Dann sei die erste Kamerascheu schon mal geringer. Auf jeden Fall will er den Sommer- Sportlern der Sportfördergruppe Sonthofen ebenfalls ein Survivaltraining vor der Kamera verordnen.
Josef Gutsmiedl


