24 Stunden auf anspruchsvollem Parcours: Sie schwitzen, sie kämpfen, sie fluchen. Kradmelder der Bundeswehr und British Army zeigen im Gelände ihr Können. Endurosport hat was militärisches. Es geht ums Durchhalten, um Einteilung von Resourcen und Kräften.

Der Enduro-Fahrer muss seine Fähigkeiten beurteilen und einschätzen, sein Fahrzeug kennen und beherrschen. Dies sind auch die Bedingungen in Eutin beim Panzeraufklärungsbataillon 6. "Die Teilnehmer sollen unter Beweis stellen, dass sie in der Lage sind, ein Krad über eine lange Distanz materialschonend und sicher im Gelände zu führen", fasst Oberstabsfeldwebel Peter Glasewald das Ausbildungsziel zusammen.
Zum zehnten Mal traten jetzt zehn Teams aus der Bundeswehr und zwei aus den britischen Streitkräften zur internationalen Kradausbildung an. 28 Soldaten - fünf davon auf Quads - stellten sich als Einzelfahrer der Herausforderung, einen anspruchsvollen Geländeparcours in 24 Stunden so oft wie möglich zu umrunden. Die Teams, bestehend aus drei bis vier Soldaten, versuchen dies ohne Unterbrechung, während die Einzelfahrer jeweils vier mal zwei Stunden absolvieren müssen. Und was zunächst wie ein Motorradrennen aussieht, ist harte militärische Ausbildung.

Glasewald ist verantwortlich für Planung und Durchführung. Sein abgesteckter Parcours auf dem Standortübungsplatz ist rund zehn Kilometer lang und hat es in sich: Wiesenboden wechselt sich ab mit Walddurchfahrten und steilen Anstiegen. Schnellen Abschnitten auf Panzerstrassen, folgen unmittelbar schwer zu durchfahrende Engstellen oder Schotterpisten. Selbst Bahnschwellen und Morast haben die Fahrer zu bewältigen.
Auf hohem Niveau
Sogar als "Weltklasse", bezeichnet Oberfeldwebel d.R. Erik Pohl die Organisation und Durchführung der Veranstaltung. Der Reservist ist aktiver Quad- Endurist und nimmt an aktuellen Meisterschaften teil: "Die Strecke ist fordernd, verlangt Können und vorausschauende Fahrweise." Dies ist die Absicht des Organisations-Teams um Peter Glasewald: "Der militärische Kradfahrer ist oft auf sich gestellt und muss mit extremen Situationen umgehen. Verschiedene Untergründe im feuchten und trockenem Zustand muss er bewältigen, technische Probleme lösen können." In Eutin ist aber auch Teamwork erforderlich, um die lange Distanz zu bewältigen. Tag und Nacht stehen Helfer bereit, die schnelle Wartungsarbeiten an den KTM -Krädern vornehmen.
Nach jedem Fahrerwechsel wird der ankommende Pilot mit Getränken versorgt, Blessuren wie beispielsweise Blasen an den Händen behandelt. Viele der Einzelfahrer sind auf zivilen Motorrädern unterwegs. Ein gültiger Erlass ermöglicht dies als Weiterbildungsmaßnahme. Auch sie kommen immer wieder an die "Box" im Technischen Bereich der Rettberg- Kaserne, wo sie sich und ihre Fahrzeuge fit halten. Als besonders schwierig gilt die Nachtfahrt. Im diffusen Scheinwerferlicht erscheint selbst die bekannte Strecke im wahrsten Sinne in einem anderen Licht. Jeder Baum, jede Rille, jede Wurzel ist doppelt tückisch. Wippend bewegen sich Lichtkegel durch das Unterholz. Die Drehzahl der Motoren klingt verhalten. Vorsichtig manövrieren die Fahrer durch knifflige Abschnitte.

Das Team der dritten Kompanie des Feldjägerbataillon 252 begleitet im täglichen Dienst auf Straßenmotorrädern hochrangige Gäste als Eskorten durch Bonn. Eskortenfahrer gelten als die besten Motorradfahrer der Bundeswehr. Oberfeldwebel Norbert Leder ist mit einem vierköpfigen Team nach Eutin angereist: "Wir trainieren ständig schwierige Fahrmanöver. Das Fahren im Gelände ist jedoch etwas ganz anderes und stellt eine große Herausforderung dar. Für uns eine sehr gute Weiterbildung, die hilft, unsere schweren Straßenmaschinen besser zu beherrschen." Eine bunte Truppe also, die um die beste Platzierung kämpfte.
Unter ausbildungstechnischen Gesichtspunkten ist die internationale Kradausbildung ein echtes Highlight. Abgerundet wird das Anforderungsprofil durch Schießübungen und einen Hindernisparcours. Hier sind sowohl Einzel- als auch Teamleistungen verlangt. Die Ergebnisse geben den Ausschlag bei eventueller Rundengleichheit.
Gelungene Premiere
Bisher fand die Offene Kradausbildung in Celle statt. Mit der Verlegung nach Eutin, ging auch der Gesamtsieg an diesen Standort. Ganze 75 Runden schaffte das Team 2 um Stabsfeldwebel Andreas Lühr. Die Soldaten des Kraftfahrausbildungszentrums Eutin nutzten damit ihren Heimvorteil. Erfreulich für das Bataillon und die Organisatoren, dass sich entlang der Strecke Soldaten und Zivilisten einfanden, die das Spektakel verfolgten und die Akteure mit Szenen-Applaus anfeuerten. Gewonnen hat aber auch die Bürgerhilfe Eutin. Aus Startgeldern und Spenden sammelte Peter Glasewald 300 Euro für die gemeinnützige Arbeit des Vereins.
Text: HptFw Ralf Wilke, PIZ SKB
Fotos: SU Björn Leek, ZNBw

