Sportsoldat Patrick Beckert: Dafür quäle ich mich

Die letzte WM beendete Unteroffizier (FA) Patrick Beckert als starker Vierter – und nach der Eisschnelllauf-Saison stürzte sich der 29-jährige Erfurter sofort in die Trainingsphase. Zusammen mit seinem Bruder Pedro bildet er ein eingespieltes Team, in Absprache mit DESG-Bundestrainer Erik Bouwman nimmt das Thüringer Duo jetzt am Eis-Lehrgang in Inzell teil. Grund genug, Patrick Beckert um ein “Sommer-Tagebuch” zu bitten.

Gib uns bitte mal einen Einblick in das zurückliegende Sommer-Pensum.

Die Sommervorbereitung verlief wie geplant. Es gab keine Ausfälle oder sonstige Störungen.

Kann man die Vorbereitung mit jenen der letzten Jahre vergleichen. Oder was hast Du Neuerungen ausprobiert?

Der Aufbau orientierte sich an den letzten Jahren, da ich mit den Leistungen der vergangenen Saison sehr zufrieden war. Natürlich sollte man jedes Jahr auch Kleinigkeiten verändern, um nicht zu stagnieren. Dafür muss man immer auf dem neuesten Stand sein. Dazu gehören auch Themen wie Vorbereitung, Nachbereitung und Ernährung. Essentiell für eine gute Vorbereitung ist eine gute Balance zwischen Regeneration und Belastung.

Auf Instagram haben wir Patrick auch auf dem Bike (bei der Deutschlandtour), im Fußballdress (des FC Bayern) gesehen.

Fußball spiele ich schon seit meiner Kindheit und ist meine große Leidenschaft. Deshalb gehe ich auch heute noch so oft es geht zum Fußballtraining. Dieses Jahr kam auch mein erstes Radrennen hinzu. Im Rahmen der Deutschlandtour fand ein Jedermann-Rennen in Erfurt statt. Ich stand als einer der Kapitäne für das “Team Thüringen” am Start. Da auf meinem Plan sowieso Radtraining stand, konnte ich das gleich verbinden. Eine willkommene Abwechslung und eine super Werbung für Thüringen.

Patrick bei Hipthrusts mit 180-kg-Hantel.

Ein kleiner Blick zurück. Wie lange hatte es gedauert, die 2/1000 Sekunden von Inzell abzuhaken?

Darüber habe ich mir nach der Saison gar keine Gedanken mehr gemacht. Ich bin sehr zufrieden mit meiner letzten Saison. Nicht nur mit den Ergebnissen, sondern auch mit meinen gelaufenen Zeiten. Im Sport gehört auch Glück dazu. An manchen Tagen hat man mehr und an anderen etwas weniger. Wichtig ist es, konkurrenzfähig zu sein, das heißt in den Medaillenkampf einzugreifen. Dafür quäle ich mich den ganzen Sommer. Mein Ziel war es, bessere Zeiten und Platzierungen als bei den Olympischen Spielen 2018 zu erreichen. Das ist mir gelungen und darüber habe ich mich sehr gefreut. Natürlich war es am Ende bitter, dass ich so knapp an der Bronzemedaille vorbei bin, aber der Abstand zu Gold betrug auch nur 4 Sekunden. Das ist über die 10km nicht wirklich viel und zeigt, dass für mich auf den 10km viel möglich ist. Am Ende ist es dann Tagesform abhängig.

Wo konntest Du bisher Eis “schnuppern”, jedes mal mit Deinem Bruder – wie läuft es mit ihm?

Wir waren dieses Jahr in Heerenveen. Das hatte ich von Anfang an so geplant, da es kein Sommereis in Inzell gab. Dort waren wir zwei Wochen und konnten unser Training wie geplant durchziehen. Mit Pedro an meiner Seite habe ich den perfekten Trainingspartner. Er ist auf den kürzeren Strecken schneller als ich und kann mir somit bei der Verbesserung meiner Grundschnelligkeit helfen, zudem ist er auf dem Rad ein Stück stärker. Aber es ist auch wichtig, jemanden dabei zu haben, der einem nicht nur im Training hilft, sondern mit dem man sich auch zwischenmenschlich versteht. Durch ein besseres Trainingsklima kann man mehr Leistung bringen. Ein optimaler Trainingspartner ist eine sehr wichtige Säule um am Ende des Tages auch erfolgreich zu sein.

Wie funktioniert der Austausch mit Bundestrainer Erik Bouwman?

Die Kommunikation mit Erik ist sehr gut. Wir stehen im regelmäßigem Austausch und er lässt mir die Freiheit, zusammen mit Pedro nach meinen Programm zu trainieren, solange ich meine Leistungen bringe. Seine Unterstützung für meinen eigenen Weg hat auch für die guten Resultate der letzten Saison gesorgt. Dadurch konnte ich mich in Ruhe vorbereiten, ohne irgendwelche Störfeuer von außen.

Die jenseits der Bande können sich manchmal nur schwer vorstellen, vor allem auf eigene Faust zu trainieren. Wie motiviert zum Beispiel der “Coach” Patrick den Eisschnellläufer Patrick, wenn der mal keine Lust auf noch und noch eine Einheit hat…?  

Am Anfang meiner Karriere wäre das nicht möglich gewesen, da man gar nicht die notwendige Erfahrung dafür hat. Natürlich gibt es immer wieder mal Tage, an denen man weniger Lust hat als an anderen. Da ist es wichtig, sich daran zu erinnern, warum man das alles macht, einen Grund zu finden, wofür man sich täglich im Training quält. Also sein Ziel vor Augen zu haben und dann das machen, was notwendig ist und nicht das, worauf man gerade Lust hat. Dabei ist es ebenso wichtig, die Signale des eigenen Körpers richtig zu interpretieren. Das ist vor allem am Anfang der Karriere als junger Sportler noch sehr schwierig.

Auf die demnächst beginnende neue Saison freust Du Dich, weil …

… die Einzelstrecken WM in Salt Lake City ist und ich auf dieser Bahn schon einige Deutsche Rekorde aufgestellt habe. Man könnte sagen, dass es meine Lieblingsbahn ist. Ich fühle mich nicht nur dort auf der Eisbahn wohl, sondern mag allgemein die USA sehr gern.

Text: DESG-Presse, Klaus Dobbratz/Beate Dobbratz

Foto: Beckert privat

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