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Gutes Rad muss nicht teuer sein

Filed in Allgemein, Mountainbike by on 26. Juli 2012 0 Comments • views: 30

Rauf auf’s Bike! Aber auf welches?
In über 30 Jahren hat sich viel in der MTB-Technik getan. Für Laien und Einsteiger, aber auch für manchen ambitionierten Radler ist der Markt fast unüberschaubar geworden. Doch bildet das Material für den Breitensport das gesunde Mittelmaß.Früher war ein Mountainbike ein Fahrrad für die Berge. Rauf und runter, auf Wald- und Forstwegen oder engen Pfaden. Unterschiede gab es nicht viele, höchstens in Ausstattung und Rahmenqualität. Vielfalt brachte erst die weitere Entwicklung mit sich: Verbesserte Schaltungen, Scheibenbremsen, Federelemente, Reifenprofile, Fertigungstechniken – heute ist Mountainbike nicht gleich Mountainbike. Vielmehr ist die Bezeichnung als Oberbegriff für viele verschiedene „Bergfahrräder“ zu verstehen. Da gibt es welche, die sind nur zum Bergabfahren geeignet – Downhill, einige für lange Touren oder Wettkämpfe – Enduros, für freies Fahren on und off road – die Freerider und wieder andere nennen sich All-Mountain – die für „Alles“.

Zwei Bike-Klassen für (fast) jeden Einsatzzweck

Der Breitensportler will – wenn er denn das MTB für sich entdeckt hat – sicher so viele Aspekte dieser Sportart abdecken wie möglich. Und so ist das All-Mountain für fast jeden das richtige Bike. Unter diesen Rädern tun sich die All-Mountain Fullys hervor, die Dank Vario-Gabeln mit verstellbarem Federweg, Plattform-Dämpfern und ausgewogener Geometrie sehr variabel einsetzbar sind. Mit voll ausgefahrener Gabel ist es ein Tourenbike, das Dank einer soliden und funktionellen Ausstattung auch grobes Gelände locker und laufruhig meistert. Reduziert man den Federweg an der Front, wird die Federung straffer, der Lenkwinkel steiler und damit das Bike wendiger. Der Einsatzbereich eines All-Mountain erstreckt sich über Touren, Trails und Alpencross bis hin zu Marathons.

So genannte Hardtails haben auch ohne Hinterradfederung eine große Fan-Gemeinde. Sie sind leichter, unkomplizierter und kostengünstiger, bieten allerdings weniger Reserven und Grip in schwierigem Gelände. Der Verzicht auf die Hinterradfederung bietet aber dafür verlustfreie Kraftübertragung, spürbaren Kontakt zum Untergrund sowie unmittelbares Feedback über die gewählte Fahrlinie. Für viele Biker ist gerade dieses pure, unverfälschte Erlebnis – die Konzentration auf das Wesentliche – ein unverzichtbarer Teil der Faszination am Mountainbiken. Obwohl das Hardtail Fahrfehler nur bedingt verzeiht, greifen gerade Einsteiger auf diese Form zurück, da die Bikes meist viel günstiger sind als ein vergleichbar ausgestattetes Fully.

Tipps vom Profi

Adelheid Morath, Oberfeldwebel und MTB-Profi, will Rennen gewinnen und wählt ihr Bike nach anderen Gesichtspunkten aus als der Hobby- oder Breitensportler. Sie sagt aber über die beiden unterschiedlichen MTB-Varianten: „Das Hardtail ist agiler und erlaubt einen aggressiveren Fahrstil. Komfort spielt im Rennen eine untergeordnete Rolle. Daher bin ich in der Regel auf einem Hardtail unterwegs. Je nach Strecke und Geländeprofil bevorzuge ich aber ein Fully. Tourenfahrer sind mit einem All-Mountain immer gut bedient.“ Adelheid wird von den Experten ihres Renn-Teams „Felt Ötztal X-Bionic Worldcup Team“ vermessen und ihre MTBs angepasst. „Ich fahre die Carbon Top Rahmen von Felt, die es als Rahmenkit für jeden zu kaufen gibt. Damit komme ich optimal zurecht. Individuell aufgerüstet wird mein Bike im Bereich der Sitzposition und der Komponenten.“ Die Bundeswehrsportlerin empfiehlt, sich beim Kauf ausführlich beraten zu lassen und mehrere Räder auszuprobieren. „Der ‚Wohlfühlfaktor‘ entscheidet!“ Die meisten Händler werden das ausgesuchte MTB bei Bedarf auch individuell anpassen, sprich einzelne Teile tauschen.
Vieles ist eine Frage der weiteren Ausstattung. Das bestätigt Bodo Probst, Entwicklungschef bei Radon, einem der führenden Bike-Hersteller: „Das heutige Rahmenmaterial ist an einem hohen Niveau angelangt. Schon im Einsteigerbereich zwischen 500 und 800 Euro gibt es ordentliche Qualität aus Aluminium für’s Geld.“ Damit seien viele der gängigen Marken unterwegs, die Qualitätsunterschiede vergleichsweise gering. Egal, ob wir uns bei einem ortsansässigen Händler oder bei einer Kette – wie zum Beispiel bike-discount.com – umsehen. „Nur wenige der sogenannten ‚Edelmarken’ bieten echte Alternativen und nur einige, handverlesene Rahmenbauer auf dieser Welt können der industriellen Fertigung Paroli bieten. Deren Produkte und Rahmen aus Carbon oder Titan sollten wir nicht im Breitensport ansiedeln.“ Der Experte warnt allerdings zugleich vor Billigrädern aus dem Baumarkt oder unseriösen Internethändlern. „Das hat mit einem Sportgerät nichts zu tun!“ Und als solche will er die MTBs verstanden wissen.

Das richtige Bike: Mountainbikes müssen vielen Szenarien begegnen können.

Die Unterschiede

Genau hier setzt der Käufer an. Ich weiß selbst am Besten, was ich will und wie oft oder wo ich biken möchte. Wie erwähnt darf es zu Beginn ein MTB um die 700 Euro sein. „Für ein solides Hardtail muss man nicht mehr als 1.000 Euro ausgeben“, weiß Probst, „für ein Fully aus dem Bereich All-Mountain reichen etwa 1.500 bis 1.700 Euro.“ Entscheidend sind die verwendeten Komponenten. An besagtem 1.000-Euro-Hardtail darf man heute schon eine gehobene Ausstattung im Bereich der Schaltung, Naben und Bremsen erwarten. „Gute Angebote weisen zum Beispiel die bekannte XT-Variante von Shimano oder SRAM XO 9 auf.“ Das gleiche gilt für den angesprochenen Preisbereich beim All-Mountain. Günstigere Räder sind mit kleineren Gruppen ausgerüstet oder weisen einen Komponenten-Mix auf. „Das muss nicht immer schlechter sein“, rät Bodo Probst unerfahrenen Kunden. Beispielsweise sei ein Kettenblatt der Shimano STX-Gruppe zwar aus Stahl und schwerer als eines der höherwertigeren Gruppen, halte dafür aber länger und ist günstiger. „Als Tourenfahrer kann man hier Kompromisse eingehen.“ (Siehe dazu auch unseren Info-Kasten).

Adelheid Morath: „Über Fully- oder Hardtaileinsatz entscheide ich je nach Strecke.“

Weitere Merkmale zur Qualitätsunterscheidung und letztlich auch ausschlaggebend für den späteren Einsatz im Sport sind die Federgabeln. „Kein MTB kommt heute ohne dämpfende Gabel in die Läden“, weiß Bodo Probst. Gängig sind etwa vier Hersteller, welche die Bikes der meisten Anbieter erstausrüsten. Ist eine Gabel von Rock Shox oder Fox verbaut, ist der Preis meist höher, als bei Rädern mit Suntour oder RST. „Der Qualitätsunterschied ist im Einsatz jedoch spürbar“, so der Experte weiter. Das liegt an den unterschiedlichen Federelementen und an der Fertigung. Fox und Rock Shox sind Markenprodukte mit geringer Fertigungstoleranz. Andere sind gut funktionierende „Massenware“, die naturgemäß ein breiteres Spektrum abdecken müssen. Das heißt, sie bieten weniger Möglichkeiten zum Einstellen. Man darf nicht vergessen, dass beim Bike das Gewicht des Fahrers dominiert. Daher sollten schwerere Biker besser auf Federelemente mit mehr Einstellungsvariationen zurückgreifen. Das gleiche gilt für die Dämpfer im Heck.

Klassiker mit vielen Talenten: Gut ausgestattete Hardtails bilden den Einstieg in den MTB-Sport.

Der Trend: 29er

Der neueste Trend beim MTB geht hin zu größeren Raddurchmessern. Die „Twentyniner“ erobern die Szene. Bodo Probst geht davon aus, dass diese Größe schon bald die Normalität unter den MTBs darstellt und die bisherigen 26er ablösen wird. Für den Einsteiger bietet das größere Rad mehr Fahrstabilität und verzeiht daher auch mehr Fahrfehler. „Der Novize wird sich schnell sicher fühlen“, prognostiziert der Konstrukteur, macht aber darauf aufmerksam, dass geometrisch bedingt derzeit noch Gabeln mit weniger Federweg zum Einsatz kommen. „Daran tüfteln wir noch.“ Die 26-Zöller werden den Trial-Fans für enge Strecken und Pfade erhalten bleiben. Das glaubt auch Adelheid Morath, die den Trend zum 29er auch im World-Cup beobachtet. Ab dem kommenden Jahr wird sicher jeder Hersteller mindestens eines im Angebot haben, wobei sich die bisher noch vergleichsweise hohen Preise nach unten korrigieren werden. Dann gilt für diese neue MTB-Kategorie etwa das Gleiche wie eingangs beschrieben.
Schöne Aussichten für den Breitensportler.

Trend: Die Entwicklung geht zum „Twentyniner“.


Ausstattung als Unterscheidungsmerkmal

Woran erkenne ich die Unterschiede beim MTB-Kauf? Während sich die Rahmen bei den großen Herstellern oft nur in Nuancen unterscheiden, kann an der Ausstattung Niveau und Einsatzzweck bestimmt werden. Die meisten und gängigen MTBs sind ausgerüstet mit Gruppen von Shimano oder SRAM. Es gibt auch andere Hersteller, die jedoch im Handel eine untergeordnete Rolle spielen und für den „Otto-Normal-Biker“ uninteressant sind. Bei Shimano beginnen die sportlich relevanten Bauteile mit der Bezeichnung „Alivio“, SRAM stellt hier die „X5“ dagegen. Eine dieser beiden sollte mindestens vorhanden sein. Darüber geht es mit Shimano’s „Deore“ und der „X7“ von SRAM weiter, wobei Letztere schon der ersten echten Sport-Gruppe des Konkurrenten nahe kommt, der SLX. Diese wird oft mit der höheren XT vermischt, was den Preis des Bikes nach unten drückt, aber nicht unbedingt ein Qualitätsmanko darstellt. Die XT ist eine der Topp-Gruppen mit soliden Lagern, leichtem Gewicht und guter Haltbarkeit. Bikes um 1.000 Euro weisen diese oft schon auf, manchmal als Sonder-Edition der größeren Handelsketten oder Versender. SRAM stellt auf diesem Niveau die X9 zur Verfügung, welche ähnliche Qualitätsmerkmale aufweist. Die teureren Gruppen – Shimano XTR / SRAM XO oder XX – sind für den Freizeit- und ambitionierten Sportfahrer höchstens ein nettes Gimmick. Es sind die Gruppen für den Gewichts- oder Rennfanatiker, der sein Fahrrad im Grammbereich optimiert wissen will.

Text: Kerstin Wilke
Fotos: Radon, Felt Ötztal X-Bionic Worldcup Team, Hersteller

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