„Führungsmittel Zahnstocher“ – Weiterbildung der Fachsportleiter Skitour im Lechtal (Tirol)

Das war es also…dachten am Freitag den 06.03.2020 alle Teilnehmer des Weiterbildungslehrganges für die Fachsportleiter Skitour. Der Lehrgang sollte vom 09.03.bis 13.03.2020, von Sterzing in Südtirol aus, durchgeführt werden. Alles war vorbereitet. Die Ausrüstungen verpackt und alle organisatorischen Maßnahmen im Vorfeld abgestimmt. Die Ausbreitung des Corona- Virus und die damit begründete sofortige Untersagung von Dienstreisen u.a. nach Südtirol, verhinderten an diesen Morgen eine Durchführung des Lehrganges. Alle warteten tief enttäuscht auf die offizielle Absage des Lehrganges. Zur Mittagsstunde war dann jedoch die Freude unheimlich groß- Entwarnung! Das Organisations- und Ausbilderteam aus dem Bereich Süd, die verantwortlichen Sportlehrer Jörg Kunstmann (Bergführer) und Andreas Jansen, sowie Heeresbergführer Toni Steurer, hatten sich mächtig ins Zeug gelegt und das scheinbar Unmögliche geschafft. Der Ausbildungsort konnte kurzfristig, auch Dank schneller und unbürokratischer Zuarbeit aus dem Landeskommando Bayern, von Sterzing nach Elbigenalp, ins schöne Lechtal, verlegt werden.

Der erste Tag

Am Montagmorgen war es dann soweit. Treffpunkt Mannschaftsheim in der Allgäu Kaserne Füssen. In den Fahrzeugen lagen bereits die aufgefellten Tourenski und die einsatzbereite Ausrüstung. Auf den Tischen im Mannschaftsheim wurden die Karten ausgebreitet und der aktuelle Lawinenlagebericht ausgewertet. Zwei leistungsorientierte Gruppen fanden sich auch schnell zusammen. So waren die Vorbereitungen für die erste Tour voll im Gange. Die erste gemeinsame Tourenplanung verlief ohne große Aufregung und recht harmonisch ab. Man konnte deutlich spüren, hier war man unter sich. Die gemeinsame Liebe zu den Bergen und den Skitourengehen, brachte alle schnell zusammen. Die Eingehtouren führten beide Gruppen in das Namloser Tal. Bei noch guten Wetter- und Schneeverhältnissen wurden der Kalte Stein (2.145 m) und die Hintere Steinkarspitze (2.215 m) bezwungen. Ausbildungsschwerpunkte der ersten Tour waren ein gemeinsamer Check der Ausrüstung und der notwendigen Sicherheitsausstattung, das Kennenlernen in der Gruppe, die Spuranlage und eine regelmäßige Untersuchung der Schneedecke. Zumindest in der oberen Hälfte wurden wir dann auch noch mit einer herrlichen Pulverschneeabfahrt belohnt. Nun ging es weiter nach Elbigenalp, wo jeder sein Zimmer beziehen, seine Ausrüstung nachbereiten und sich auch noch ein wenig in der Sauna regenerieren konnte. Vor dem Abendbrot wurde noch in den Gruppen der Tag ausgewertet und das Tourenziel für den nächsten Tag festgelegt. Unter Anleitung der Bergführer ging es nach den Essen an die Ausplanung der neuen Tour. Alle studierten akribisch die Karte. Aufstiegs- und Abfahrtsvarianten wurden gesucht, bewertet und festgelegt. Die Vorstellung und Einweisung in die Tour, war dann die Aufgabe der zwei bestimmten Tourenführer. Hierbei, aber auch schon bei der Planungsarbeit, etablierten sich die kleinen hölzernen Zahnstocher, auf den Tischen, als hervorragendes Führungsmittel bzw. Zeigestock bei der Arbeit mit der Karte.

Der Tagesablauf mit Frühstück, Durchführung der Skitour, Nachbereitung/ Nachbesprechung, Regeneration, Abendbrot, Weiterbildungen mit Kurzvorträgen zu Themen wie Erste Hilfe am Berg, neue Ausrüstungsartikel oder Lawinenkunde, Ausarbeiten und Vorstellen der nächsten Tour und natürlich auch noch etwas gemütlich beisammen sitzen, blieb uns dann bis zum Freitag erhalten.

Der zweite Tag

Der Dienstag empfing uns mit Erwärmung und Regen. Keine guten Bedingungen für eine Skitour. Nach der Auswertung des aktuellen Lawinenlageberichtes, behielten wir dennoch unsere Tagesziele im Auge und starteten unsere Touren von Gramais zur Kogelseescharte und von Boden zur Westlichen Dremelscharte. Schwerpunkt der Tour war heute die Spuranlage, sowie ein regelmäßiger Test und die Analyse der Schneedecke. Als Testverfahren nutzten wir den Kompressionstest (CT), den Erweiterten Kompressionstest (ECT) und auch den Kleinen Blocktest. Unter Anleitung der Bergführer, wurden in Gruppenarbeit die verschiedenen Testverfahren durchgeführt, analysiert und letztendlich auch gemeinsam die notwendigen Schlussfolgerungen daraus gezogen, sowie die erforderlichen Entscheidungen getroffen. Dieser gemeinsame Erfahrungs- und Wissensaustausch, direkt im Hang und bei diesen schlechten Bedingungen, war für uns alle sehr wertvoll und gewinnbringend. Natürlich kam auch das Thema Verschüttetensuche nicht zu kurz. Sehr interessant war vor allem die Einweisung und das Testen neuerer Technik, wie zum Beispiel einer elektronischen Lawinensonde oder neuer Verschüttetensuchgeräte. Die Schneedecke erlaubte es uns heute leider nicht, bis zu unseren Tourenzielen vorzudringen. Dennoch hatten wir einen fordernden und sehr lehrreichen Tag zu verzeichnen.

Blocktest.

Der dritte Tag

Das Wetter war auch am Mittwoch nicht auf unserer Seite. Dennoch ging es raus und unsere Touren führten uns von Häselgehr durch das Noppenkar zur Bretterkarspitze (2.374 m) und von Grießau durch das Grießbachtal in Richtung Zwölferspitze (2.594 m). Der Tag verlief ähnlich dem Vortag. Aufgrund des schlechten Wetters und des sehr schlechten Zustandes der Schneedecke (Schmelzumwandlung bis über 2.000 m), hatten wir keinen schönen, aber dafür wieder sehr lehrreichen Tag, was vor allem die Analyse der Schneedecke, Schlussfolgerung und Entscheidungsfindung betraf.

Was machen wir morgen? …war am Abend die große Frage. Die Nacht soll kalt und klar werden und uns erwartet ein schöner sonniger Tag. Für Heeresbergführer Toni Steurer war es klar…die Bedingungen werden super! Unser Wetterloch der Woche!

Der vierte Tag und Abreise

Um 05:30 Uhr funkelten die ersten Stirnlampen durchs Kaisertal. Von dort ging es hinauf zur Vorderseespitze (2.889 m). Etwas später machte sich dann auch die zweite Gruppe auf dem Weg zur Feuerspitze (2.852 m). Zu spät?

Wie geplant erreichte die erste Gruppe gegen 11:00 Uhr den Gipfel der Vorderseespitze. Was für ein grandioser Gipfel! Nach einer anstrengenden aber sehr abwechslungsreichen Tour, ein wahrer Höhepunkt unserer Ausbildungswoche!

Die zweite Gruppe musste leider den Aufstieg zur Feuerspitze abbrechen. Allerdings konnte noch mit dem günstiger gelegenen Grießkopf (2.581 m) ein schöner Gipfelerfolg, als Höhepunkt der Woche, gefeiert werden.

Den Abend konnten wir nun geruhsam angehen. Am Freitag werden wir keine Tour gehen. Wegen des sehr schlechten Wetters haben wir uns für die direkte Heimreise entschieden. Im Gepäck hatte nun jeder eine physisch und psychisch sehr fordernde und unheimlich lehrreiche Ausbildungswoche, wunderbare Erlebnisse am Berg und vor allem auch eine gelebte Kameradschaft, wie sie heutzutage nicht mehr so oft zu finden ist!

Die Gipfelmannschaft.

In diesem Sinne nochmals vielen Dank an das Organisations- und Ausbildungsteam und viel Erfolg bei der Planung und Durchführung der nächsten Weiterbildung!

Text: Jan Wagner

Fotos: Privat

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