Lisa Brennauer beendet ihre Karriere – Olympiasiegerin, Weltmeisterin, Europachampion – erfolgreiche Athletin tritt zurück

Lisa Brennauer, eine der erfolgreichsten Radsportlerinnen aller Zeiten im Bund Deutscher Radfahrer, erklärt heute ihren Rücktritt vom aktiven Leitungssport. 17 Jahre, nachdem sie im Sommer 2005 ihre erste Goldmedaille bei einer Junioren-Weltmeisterschaft im Einzelzeitfahren auf der Straße gewann, hängt sie ihr Rad an den berühmten Nagel. Die European Championships in München werden ihre letzten Wettkämpfe sein.

Lisa Brennauer, geboren und aufgewachsen im Allgäu, hat in 15 Jahren 24 Welt- und Europameisterschafts-Medaillen gewonnen, war Olympiasiegerin mit dem Bahnvierer, ist 14-fache Deutsche Meisterin. Auf der Bahn hat sie insgesamt sechsmal Gold, fünfmal Silber und dreimal Bronze gewonnen. Die 34-Jährige Sportsoldatin war in verschiedensten Disziplinen fünfmal Weltmeisterin auf der Straße, gewann viermal Silber und zweimal Bronze, war fünfmal Deutsche Zeitfahrmeisterin, viermal Champion im Einer-Straßenrennen. Hinzu kommen Etappen- und Gesamtsiege in großen Rundfahrten. Lisa Brennauer war mehr als ein Jahrzehnt der Dauerbrenner im deutschen Radsport und ist die erfolgreichste deutsche Fahrerin aller Zeiten auf Bahn und Straße.

Immer motiviert, immer einsatzbereit und hoch konzentriert. Was Lisa Brennauer auszeichnet, ist ihre Verlässlichkeit und ihre stetige Bereitschaft, immer wieder Höchstleistungen zu bringen und sich für andere einzusetzen. Sie ist Teamplayerin und Vorbild für viele.

Der Bund Deutscher Radfahrer dankt Lisa Brennauer für ihren jahrelangen erfolgreichen Einsatz im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Sie war eine perfekte Botschafterin des deutschen Radsports.

 Lisa Brennauer zu ihrem Rücktritt

Ich habe mich entschlossen, den aktiven Teil meiner Karriere nach den Europameisterschaften in München zu beenden. Eine solche Entscheidung trifft man nicht über Nacht, sie ist Teil eines längeren gedanklichen Prozesses. Mit den vielen Erfolgen im vergangenen Jahr, die ich alleine und im Team erreicht habe, möchte ich mich verabschieden. Ich schaue auf zwei Jahrzehnte Radsport zurück. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit sehr wenigen sportlichen Rückschlägen so viele Erfolge feiern durfte. Der Dank gilt vielen Menschen um mich herum. Menschen, welche mich unterstützt und aufgefangen haben, aber auch motiviert haben. Dazu gehört auch Kritik.

Die Freude und Liebe zum Radsport steht für mich über allem. Und so wird der Radsport – neben der Familie – auch meine Zukunft mitbestimmen. Radsport hat mich als Mensch geprägt. Ich habe gelernt im Team Ziele zu verfolgen, sich gemeinsam aus Niederlagen heraus zu kämpfen, mich selbst und Andere zu motivieren das Beste aus sich herauszuholen. Ich habe erfahren dürfen was man alles erreichen kann, wenn man den Willen hat, hart und konsequent zu arbeiten. Eigenschaften und Werte, welche mich auch über den Sport hinaus mein Leben lang begleiten werden. Für all dies bin ich unendlich dankbar.

Weggefährten über Lisa Brennauer

BDR-Präsident Rudolf Scharping: „Lisa Brennauer ist und bleibt eine großartige Botschafterin des deutschen Radsports, über ihre aktive Zeit hinaus. Über mehr als ein Jahrzehnt hat sie internationale Erfolge gefeiert. Herausragend ist dabei der Olympiasieg mit dem Vierer vor einem Jahr in Tokio. Sie hat Verantwortung übernommen; war Vorbild und Zugpferd gleichermaßen. Der Radsport hat Lisa Brennauer viel zu verdanken. Wir wünschen ihr für die Zukunft nur das Beste und hoffen, dass sie dem Verband auch nach ihrer Karriere erhalten bliebt.“

Trixi Worrack: „Wir hatten eine richtig gute Zeit zusammen. Vor allem denke ich gern an die Jahre bei Canyon zurück, wo wir nicht nur eine tolle Truppe waren, sondern auch noch super erfolgreich. Mit Lisa hatte man – bei aller Professionalität – immer Spaß. Das ist in anderen Teams oft verloren gegangen. Abseits des Rennstresses konnte man mit ihr auch mal ausbrechen. Die Olympia-Party in Rio war legendär. Wir haben das Deutsche Haus abgerissen.“

André Korff, Bundestrainer: „Mit Lisa zu arbeiten, hat immer Spaß gemacht. Ich hatte immer ein super angenehmes Verhältnis mit ihr. Sie ist kein Mensch, der auf seinen Standpunkt beharrt, sondern ist kompromissbereit. Das war vielleicht auch letztlich der Schlüssel ihres großen Erfolges. Lisa war stets das Zugpferd in der Mannschaft, ob auf der Bahn oder auf der Straße. Was sie gemacht hat, haben die anderen abgeguckt. Lisa ist kollegial, immer fair, immer geradeaus. Hatte man mit ihr etwas abgestimmt, dann lief das, zu 100 Prozent.“

Franziska Brauße, Teamkollegin: „Lisa war für uns immer die „Mutti“, die den Haufen zusammenhält. Sie hat für jeden ein offenes Ohr, ist für jeden da, wenn sie gebraucht wird, egal wieviel Stress sie gerade selbst hat. Ein großes Plus ist, dass sie ihre Erfahrungen auch immer weitergebeben hat.“

Ronny Lauke, früherer Sportlicher Leiter: „Der damalige Bundestrainer Thomas Liese hatte mir Lisa seinerzeit empfohlen und meinte, „sie musst du nehmen, sie ist ein Riesentalent.“ 2012 kam sie dann zu uns, aber Ende des Jahres habe ich bei einer Rundfahrt in Belgien gesagt, entweder du gibst Gas, oder wir müssen uns trennen. Sie hat sich dann mit einer Wahnsinnsleistung in Geraardsbergen aufs Podium gefahren und unsere Zusammenarbeit dauerte sechs tolle Jahre. Lisa hatte anfangs Selbstzweifel, mit Hilfe unseres Trainers Andreas Lang hat sie viel Selbstbewusstsein erlangt und wurde immer erfolgreicher. Sie ist ein Teamplayer, immer positiv eingestellt, hat es immer geschafft, die Gruppe zu verbinden und auf ein Ziel einzuschwören. Sie hat die Richtung vorgegeben. Lisa ist zudem sehr bodenständig und eine starke Persönlichkeit. Mit ihr zu arbeiten, hat immer Spaß gemacht.“

Mieke Kröger: „Lisa weint immer, wenn sie lachen muss, und sie lacht gern. Wenn es drauf ankommt, ist sie da, kann dann auch alle zur Ordnung rufen. Sie ist auf dem Rad hochprofessionell, kann aber auch sehr gut Kaffee zubereiten und Räder putzen.“

John Degenkolb: „Lisa kenne ich seit Kindesalter an. Schon in den Schülerklassen U11 und U13 sind wir mit- oder gegeneinander gefahren. Lisa ist ein Jahr älter als ich, und die Mädchen konnten dann mit den ein Jahr jüngeren Jungs gemeinsam starten. Wir gehörten damals beide zum Landesverband Bayern und haben einige Lehrgänge in Unterhaching gemeinsam bestritten, sind auch bei der Kids-Tour in Berlin zusammen gestartet. Unsere Eltern sind noch heute befreundet und wir hatten in den letzten 20 Jahren immer Kontakt. Es war schön, Lisas Karriere mitzuerleben. Lisa ist sehr ehrgeizig und hat sich immer neue, höhere Ziele gesetzt. Es ist phantastisch, dass sie sie auch fast immer erreichen konnte. Herausragend war sicher ihr Olympiasieg, da habe ich mich sehr für sie gefreut. Lisa ist immer für andere dagewesen, und ich wünsche ihr für das Leben nach der Karriere nur das Beste.“

Lisa Klein: „Ich werde sie vermissen. Wir hatten eine verdammt gute Zeit, waren nicht nur im Rennen Seite an Seite, sondern haben uns auch oft das Zimmer geteilt.  Lisa hat es immer geschafft, hoch motiviert zu sein. Und wenn wir nach einer langen Straßensaison wieder auf die Bahn gewechselt sind, mal eben zum Weltcup nach Kanada flogen, dann hat sie mich immer angestachelt: „wir schaffen das, wir fahren Vollgas.“  Lisa ist eine absolute Teamplayerin, unendlich wertvoll für die Mannschaft. War sie am Start dann wusste man, es läuft. Was sie für den deutschen Radsport getan hat, ist unerreicht. Dass sie geht, ist echt schade. Aber unsere gemeinsamen Erfolge werden uns für immer verbinden.“

Patrick Moster, Sportdirektor des BDR: „Lisa war und ist ein Glücksfall für den deutschen Radsport. In den vielen Jahren unserer Zusammenarbeit habe ich sie als großartige Sportlerin erleben dürfen, die sich zu einer herausragenden Persönlichkeit entwickelte ohne ihre Bodenständigkeit zu verlieren.“

 

Lisa Brennauers Erfolgsbilanz

2005:  1. Junioren-WM Einzelzeitfahren
2008:  3. EM 1er-Straße,
2010:  3. EM Ma-Verfolgung, 2. DM Einer-Verfolgung
2011:  2. EM Ma-Verfolgung, 1. DM Omnium, 7. WM Ma-Verfolgung
2012:  8. Olympische Spiele Ma-Verfolgung
2013:  1. WM MZF Straße, 1. DM Einer-Verfolgung, 1. DM EZF
2014:  1. WM EZF Straße, 1. WM Ma-ZTF Straße, 2. WM Einer-Straße, 1. DM Einer-Straße, EZF und Berg, Etappensieg Holland-Ladies Tour und Thüringen-Rundfahrt., Radsportlerin des Jahres
2015:  3. WM EZF, 1. WM Mannschaftszeitfahren Straße
2016:  2. Gent-Wevelgem, 2. DM Einer-Straße, 3. DM EZF, 8. OS EZF, 2. WM Ma-ZTF Straße
2017:  1. und Prologsiegerin Thüringen-Rundfahrt, 2. DM Einer-Straße, 2. DM EZF
2018:  1. EM 1er Verf., 3. EM Ma-Verfolgung, 1. DM Einerverfolgung,, 3. EM 1er Straße, 1. DM EZF, 1. und Etappensieg. Thüringen-Rundfahrt, 5. WM Ma-Verf., 4. WM Einerverfolgung
2019:  2. WM 1er Verf., 2. EM 1er Verf.,  2. EM Ma-Verf.,  2. EM und WM Mixed Staffel Straße, 1. DM Einer-Straße, 3. DM EZF, 1. Madrid Challenge, 1. GW Festival E. Jacobs, 2. Bahn-Weltcup Ma-Verfolgung in Minsk und Glasgow
2020:  2. WM Einerverfolgung, 3. WM Mannschaftsverfolgung, Europameisterin Teamzeitfahren Straße, 4. EM Zeitfahren., 6. EM Straße, 4. WM Zeitfahren., 9. WM 1er Straße, 4. Flandern-Rundfahrt, Deutsche Straßenmeisterin,  Gesamt- und Etappensiegerin Madrid Challenge
2021:  Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin Mannschaftsverfolgung, Welt- und Europameisterin Einerverfolgung, Deutsche Meisterin Einer Straße und Einzelzeitfahren, Weltmeisterin Mixed-Staffel, Radsportlerin des Jahres, Auszeichnung mit dem Bahnvierer als „Mannschaft des Jahrs in Baden-Baden
2022:  Deutsche Meisterin Einer- und Mannschaftsverfolgung, Deutsche Meisterin Einzelzeitfahren

(Stand 2. August 2022)

Text und Foto: BDR

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