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Harry Bähr ist Berlins dritter „Mister Olymipastützpunkt“

Filed in Allgemein, Spitzensport by on 13. Januar 2013 0 Comments • views: 72

+ Interview im Anschluss an den Artikel

OSP-Bln_Ltr_HarryBähr 2012 (5)Unter Experten gilt der Olympiastützpunkt Berlin als die innovativste Athletenschmiede Europas. Sportwissenschaftler Harry Bähr leitet die Spreeathener Spitzensportakademie, an der auch die Berliner Sportsoldaten der Bundeswehr trainieren. Es sei eine unbeschreibliche Gänsehautatmosphäre gewesen, sagt Harry Bähr wenn er die Olympischen Spiele in London noch einmal Revue passieren lässt. Das absolute Highlight sei natürlich der phänomenale Goldwurf des Berliner Diskusgiganten Stabsunteroffizier (Feldwebelanwärter) Robert Harting gewesen. Im Oval der 80.000 frenetisch jubelnden Olympiagemeinde war Harry Bähr hautnah dabei, als sich der Doppelweltmeister beim fünften Versuch mit seinem 68,27 Meter Befreiungswurf gegen Ehsan Hadadi, den bärenstarken Iraner, behauptete – eine Zitterpartie ersten Ranges sei dies gewesen. „Mehr Mitfiebern ging nicht“, erinnert sich Harry Bähr mit Glanz in den Augen. Auf Robert Hartings fabelhafte Siegesserie ist der Berliner Spitzensportfunktionär natürlich besonders stolz. „Dreimal Gold in 343 Tagen, Robert ist der erfolgreichste Berliner Athlet aller Zeiten“, lobt er den Olympiasieger, Welt- und Europameister.

Aushängeschild „Operation Diskusgold“
Kein Wunder, denn der promovierte Sportwissenschaftler hat an Hartings „Operation Diskusgold“ erfolgreich mitgewirkt. So geht der Megaerfolg des Spreeathener Sportsoldaten Robert Harting auch auf das maßgeschneiderte Engagement des Olympiastützpunkts (OSP) Berlin zurück, den Harry Bähr leitet. Seit 2009 hält der 51-Jährige an der hauptstädtischen Spitzensportakademie, dem Olympiastützpunkts (OSP) Berlin, die Zügel in der Hand. Nach Armin Baumert und Jochen Zinner ist der promovierte Sportwissenschaftler nun Berlins dritter „Mister OSP“. Als Spitzensportmanager ist Bähr mit seinem rund 50-köpfigen Mitarbeiterstab – darunter Sportmediziner, Psychologen, Trainingswissenschaftler und Physiotherapeuten – für die Koordination und Steuerung des hauptstädtischen Hochleistungssports und die Unterstützung vieler deutscher Nationalteams verantwortlich. So ist die Olympiakrone von Hartings „Operation Diskusgold“ auf ein tiefgreifendes Räderwerk synchroner wie paralleler Serviceaktivitäten, das engmaschig und höchst spezifisch an die Bedürfnisse der Sportler angepasst ist, zurückzuführen. Dies spiegeln vor allem die von Badminton bis Wasserspringen quer durch die Hauptstadt angesiedelten 26 Landesleistungszentren wider, denn dort findet jeder Athlet ganz exklusiv seine sportartspezifische Trainingsinfrastruktur vor.

Professionellste Kaderschmiede Europas
Zur Betreuung der 22 Schwerpunktsportarten verfügt Bähr über ein Netzwerk von 120 Trainern. „Ein Service aus einer Hand“, so Bähr. Mit Fug und Recht, denn der OSP bietet neben optimalen Trainingsstätten, sportmedizinischen Leistungsdiagnosen, hochmodernem Kraftlabor, dreidimensionalen Bewegungsanalysen auch Programme zur Verletzungsprävention und Rehabilitation an. Die OSP-Vermarktung und die Laufbahnberatung „für die Zeit danach“ komplettieren die Leitungspalette. Zu den insgesamt rund 500 Spitzensportlern, die im OSP organisiert sind, gehörten auch jene Sportsoldaten, die personell in der Sportfördergruppe Berlin geführt werden. Neben Harting befinden sich hier ebenso klingende Namen, wie die Elitewasserspringer Hauptgefreiter Patrik Hausding und Hauptgefreiter Maria Kurjo, der Weltklasse-Geher Oberfeldwebel André Höhne oder die Fünfkämpferin Hauptgefreiter Annika Schleu. Und auch der Leiter von Berlins Militärsportdependenz, Oberstabsfeldwebel Uwe Zimmer, war in den Achtzigern Militärweltmeister im Modernen Fünfkampf.

Faszination Sport bereits im Schultornister erlebt
„Die Faszination Sport hat mich mit Kindesbeinen gepackt“, verrät der emphatisch wirkende Spitzensportmanager. Im Sportstudium, 1982 bis 1986 an der Ostberliner Humboldt-Universität, sei er Allrounder gewesen, sagt Bähr: „Ich brachte in allen Disziplinen gute Leitungen“. Zwar hätte er immer mit einer Volleyballkarriere geliebäugelt, aber da fehlten ihm die „notwendigen Zentimeter“, schmunzelt er rückblickend. Doch nicht nur im Trainingsprozess ist der OSP-Leiter immer ganz nah bei seinen Athleten. Auch für deren Meinung hat Bähr ein offenes Ohr. Hartings Kritik am überbordenden Medienhype im Profifußball kann der OSP-Leiter gut nachvollziehen. Gerade bei Kindern würde dies falsche Erwartungen wecken und klassische Olympiadisziplinen, wie die Leichtathletik, ins falsche Licht gerückt werden.ISTAF_2012 (40)

Leitbildfunktion des Militärs besonders im Spitzensport wichtig
Im Gegensatz zum Militär, das gerade für Topathleten eine wichtige Leitbildfunktion ausübe. Hier stünden charakterliche Werte wie Disziplin, Einsatzbereitschaft, Tapferkeit und Kameradschaft im Vordergrund. Tugenden also, die auch Spitzensportler bräuchten, um auf internationalem Parkett zu bestehen. Mit den Erfolgen ihrer Sportlerasse sollte die Bundeswehr medial stärker in die Öffentlichkeit preschen, findet Bähr. Nach der Aussetzung der Wehrpflicht wären die Militärathleten ideale Werbeträger. Ein Werbeslogan nach dem Motto „Wir. Sportsoldaten. Dienen. Deutschland.“ würde da genau passen.

Text: Stabsunteroffizier Robert Harting, Doppelweltmeister und Olympiasieger
Foto: Volker Schubert


Berlins Olympiastützpunktleiter Dr. Harry Bähr für Bundeswehr Sportmagazin im Interview

Der Berliner Sportjournalist Volker Schubert besuchte kürzlich Spreeathens Olympiastützpunktleiter Dr. Harry Bähr in seinem Hauptquartier, dem weiträumig erschlossenem und disziplinspezifisch konzipierten Trainingszentrum im Stadtbezirk Hohenschönhausen, das schon zu DDR-Zeiten als elitäre Athletenschmiede galt und dessen politisch instrumentalisierte Spitzensportler während des Kalten Krieges in den internationalen Arenen neben Spitzenplatzierungen vor allem vom Ruhm des Sozialismus, als dem Kapitalismus überlegenem Gesellschaftssystem, künden sollten. Mittlerweile gänzlich in der real existierenden Demokratie des vereinten Deutschlands angekommen, trainieren hier insbesondere Leichtathleten, Schwimm- und Wassersportler, Ballspieler unterschiedlichster Sportarten, Eisschnellläufer und Eistänzer sowie Berlins olympische Turnerequipe.

Bundeswehr Sportmagazin: Herr Dr. Bähr, wie wichtig sind unsere Streitkräfte mit ihren flächendeckenden Bundeswehr Sportfördergruppen für die Fortentwicklung des deutschen Spitzensports?

Dr. Harry Bähr: Die 15 Sportfördergruppen (Spofö) der Bundeswehr sind der größte „Sponsor“ im deutschen Spitzensport. Sie sichern Sportlerinnen und Sportlern optimale Rahmenbedingungen für ihre leistungssportliche und berufliche Laufbahn. Sportler haben somit ausreichend Zeit, sich in einem sozial abgesicherten Umfeld uneingeschränkt dem Training widmen und so optimal auf anstehende Wettkämpfe vorbereiten zu können.
Die Bundeswehr bietet aber auch den Athleten nach ihrer Spitzensportkarriere die Möglichkeit einer beruflichen Entwicklung. Unterschiedliche Optionen, wie die Tätigkeiten im Truppendienst, Nutzung der Berufsfördermaßnahmen sowie der Chance, als Trainer im Sport zu fungieren, stehen den Athleten offen.

Bundeswehr Sportmagazin: Wie viele Sportsoldaten werden durch durch Sie und ihre Experten-, Mediziner-, Physiotherapeuten und Trainerteams im Olympiastützpunkt Berlin betreut, trainiert und gefördert?

Dr. Harry Bähr: Gegenwärtig befinden sich 101 Spitzensportler des Olympiastützpunkts Berlin in unterschiedlichen Standorten bei den Sportfördergruppen. In Berlin, in der Julius-Leber-Kaserne, sind die meisten Athleten stationiert; darüber hinaus dienen die Athleten auch in den Sportfördergruppen in Appen in Schleswig-Holstein, in Frankfurt/Oder, also recht hauptstadtnah in Brandenburg, in Warendorf, Nordrhein-Westfalen sowie an anderen Standorten.

Bundeswehr Sportmagazin: Mit Blick auf Berlins Sportsoldaten, wie fällt da Ihr Olympiafazit aus?

Dr. Harry Bähr: Von den 47 Berliner Olympiateilnehmern, die 2012 in London antraten, waren 18 Sportsoldaten. Das sind rund 40 Prozent. Unter ihnen befanden sich die beiden Olympiasieger Robert Harting im Diskuswurf und Julius Brink im Beachvolleyball. Ohne die Sportfördergruppe der Bundeswehr und deren hervorragende Unterstützung wären diese einzigartigen Weltklasseergebnisse nicht möglich gewesen.

Bundeswehr Sportmagazin: Sehr geehrter Herr Dr. Bähr, vielen Dank für das interessante Interview und weiterhin viel Erfolg für Ihre europaweit beispielgebende, hochprofessionelle Athletenschmiede.

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