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Deutsche Straßen-Radmeisterschaften 2016 – Worrack holt sich DM-Titel im Einzelzeitfahren, Stephanie Pohl und Lisa Brennauer auf den Plätzen.

Filed in Allgemein, Radsport, Spitzensport by on 8. Juli 2016 0 Comments • views: 48

Das war der Wahnsinn: Drei Monate, nachdem man ihr nach einer schweren Sturzverletzung in Italien eine Niere entfernen musste, meldet sich Trixi Worrack zurück und wird in Streufdorf neue deutsche Meisterin im Einzelzeitfahren. Es ist ihr zweiter Zeitfahr-Titel nach 2009 und der fünfte deutsche Meistertitel auf der Straße insgesamt.

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich habe mich zwar gut vorbereitet, aber ich war ja auch sehr lange außer Gefecht. Ich wusste gar nicht, wo ich stehe. Erik Zabel saß im Auto, hat mich gelotst. Ich bin so lange keine Rennen gefahren, dass ich mich nicht richtig einschätzen konnte. Darum bin ich nie ans Limit gegangen. Total krass. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll,“ sagte die neue Zeitfahrmeisterin im Ziel. „Eigentlich fühle ich mich bei Hitze gar nicht so gut, aber heute lief es“ so Worrack.

Die 34-jährige aus Dissen in Brandenburg benötige 36:47 Minuten für die 26,2 km lange Strecke und blieb dabei als einzige Starterin unter der 37-Minuten Marke. 22 Sekunden hinter Worrack fuhr Stabsunteroffizier (FA) Stephanie Pohl (Cervélo Bigla), 2015 in Paris Weltmeisterin im Punktefahren, als Zweite über den Zielstrich. Dritte wurde die Zeitfahr-Weltmeisterin von 2014, Oberfeldwebel Lisa Brennauer, die 50 Sekunden auf Worrack verlor. „Ich habe nach meinem Sturz in der Aviva-Womens-Tour in Großbritannien ein Schleudertrauma, und dann hat mir der Wetterumschwung zu schaffen gemacht und ich hatte mit einem Magen-Darm-Infekt zu kämpfen“, sagte Brennauer im Ziel und war froh, Bronze gewonnen zu haben. „Ohne Medaille hätte ich nicht gehen wollen,“ sagte sie.

Worrack kam mit dem welligen Parcours  am besten zurecht. Vorjahressiegerin Mieke Kröger, Teamkollegin von Worrack und Brennauer bei Canyon SRM Cycling, liebt eher die geraden Strecken und belegte mit 1:25 Minuten Rückstand Platz fünf hinter Corinna Lechner (Turbine Erfurt/1:19 Min. zurück).

Lechner übernahm mit ihrem vierten Platz auch die Führung in der Müller – Die lila Logistik Rad-Bundesliga, zu der die Meisterschaft zählt. Sie liegt jetzt mit 946 Punkten vor Wiebke Rodieck (Koga-Ladies/928 Punkte). In der Mannschaftwertung führt nach dem sechsten Wertungsrennen das Thüringer Maxx-Solar-Team (175 Punkte) vor dem Team Stuttgart (151 Punkte) und den Koga Ladies (130 Punkte).

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Stephanie Pohl, Trixi Worrack und Lisa Brennauer (v.links).

Ein Solo für Mieke Kröger – Brennauer und Hofmann auf den Plätzen

Mieke Kröger ist neue deutsche Straßenmeisterin der Frauen. Die Bielefelderin aus dem Team Canyon SRM siegte im Alleingang mit zehn Sekunden Vorsprung vor ihrer Teamkollegin Oberfeldwebel Lisa Brennauer, die den Sprint der Verfolgerinnen gewann. Auf den dritten Platz fuhr Jenny Hofmann vom SC DHfK Leipzig.

Das 107 km lange Meisterschaftsrennen wurde zu Beginn von einem Spitzenduo geprägt, in dem Nationalfahrerin Gudrun Stock (RSC Turbine Erfurt) den Ton angab. Ihre Begleiterin Stephanie Paul vom Team Stuttgart  fiel als erste ins Feld zurück, Stock wurde nach 79 Rennkilometern geschluckt.

Die Vorentscheidung fiel in der vorletzten Runde, als sich Mieke Kröger, Deutsche Zeitfahrmeisterin von 2015 und zweifache Zeitfahr-Europameisterin, zusammen mit Romy Kasper aus Forst in der Lausitz absetzte. Kasper musste 4000 Meter vor dem Zielstrich auf dem Juri-Gagarin-Ring in Erfurt abreißen lassen, während Mieke Kröger die letzten Kilometer wie ein Uhrwerk abspulte und sich mit zehn Sekunden Vorsprung den Meistertitel sicherte.

„Ich habe die letzten Kilometer alles gegeben. Kopf runter und Vollgas. Die Strecke lag mir, besonders das Finale, die letzten Meter bergab. Da habe ich noch einmal Tempo gemacht“, sagte die neue deutsche Meisterin, deren Teamkolleginnen im Verfolgerfeld Konterattacken abblockten. „Wir haben das Beste aus dieser Meisterschaft rausgeholt. Das hat uns keiner geglaubt, dass wir Mieke vorn fahren lassen. Aber das war unsere Taktik“, kommentierte Lisa Brennauer über den Doppelerfolg in Erfurt.

Jenny Hofmann freute sich über den Bronzerang: „Das war meine erste DM im Elitebereich. Ich bin ja in Erfurt groß geworden, fahre erst kurz für Leipzig. Ich kannte jeden Meter dieser Strecke und freue mich sehr über diesen Erfolg“, sagte sie nach der Siegerehrung.

Mieke Kröger hat sich wie die Zweitplatzierte Lisa Brennauer und Romy Kasper (14.) für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro qualifiziert, allerdings startet die Bielefelderin nicht auf der Straße, sondern in der Mannschaftsverfolgung auf der Bahn. Der topographisch anspruchsvolle Kurs kommt ihr so gar nicht entgegen. Erfurt hingegen war ein flacher, schneller Parcours. Ideal für Kröger, die sich ihren ersten deutschen Meistertitel im Einer-Straßenfahren holte.

In Rio werden Oberfeldwebel Lisa Brennauer, Trixi Worrack (beide Canyon SRM Cycling), Romy Kasper (Boels Dolmans) und Claudia Lichtenberg (Lotto Soudal Ladies) für Deutschland starten.

Text: BDR

Foto: rad-net.de/Michael Deines

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