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Medaillen-Flüge – European Helicopter Cup 2016

Filed in Allgemein, Motorflugsport by on 24. August 2016 0 Comments • views: 284

Während die deutschen Sportsoldaten in Rio um olympische Medaillen kämpften, traf sich Europas Helikopter-Elite in Mengen, um ihre besten Crews zu ermittel. Dabei landeten ehemalige Soldaten der Bunderswehr auf dem Siegertreppchen. Mit seinem Piloten Martin Eigner siegte der ehemalige UH-1D-Bordwart Michael Schauff in der Navigation; in der nationalen Gesamtwertung wurde die Crew Vizemeister. Platz drei belegte hier Andreas Rübner mit Copilot Holger Wolff, der in der NVA und in der Bundeswehr Helikopter flog.

Der Regio Airport im baden-württembergischen Mengen war am ersten Augustwochenende Austragungsort des Europäischen Helicopter Cup 2016 (EHC). Der Wettbewerb, in den Disziplinen Navigation, Präzisionsflug, Fender Rigging und Slalom, alle angelehnt an die Rettungsfliegerei, wurde vom Deutschen Hubschrauber Club (DHC) in Zusammenarbeit mit dem königlich-belgischen Aeroclub ausgerichtet. Das Regelwerk basierte auf dem internationalen Reglement der Féderation Aéronautique International (FAI). Als Wettbewerbs-Hubschrauber kamen die US-Muster Robinson R22 und R44 sowie Schweizer 300 zum Einsatz. Alle drei Muster sind mit Kolbenmotoren ausgestattet, sind leicht und wendig, und werden weltweit auch als Basishubschrauber für die Pilotenausbildung verwendet.

Der erste Wettkampftag in Mengen bescherte den 18 Teams aus Belgien, Deutschland, Österreich, Polen, Russland und der Schweiz extrem wechselhaftes Wetter mit sehr ungleichen Bedingungen. Konnten die ersten Besatzungen mit ihren Helikoptern am späten Vormittag noch bei relativ guten Sichten zur 80 Kilometer langen Navigation starten, und die am Bonde ausliegenden Sichtzeichen zuordnen, gerieten die Starter am späteren Nachmittag in Gewitter mit Starkregenschauern. Wettbewerbsleiter Axel Wingerath (ehemals UH-1D-Pilot der Luftwaffe) und Chefschiedsrichter Lothar Oehler (ehemals Heeresflieger in Bückeburg mit großer Wettkampferfahrung als Pilot und als Copilot) entschieden, die Navigation abzubrechen und aus der Gesamtwertung auszuklammern. Die betroffenen Besatzungen hatten am Folgetag die Chance, die Strecke erneut abzufliegen. Die Resultate der Navigation wurden in die nationale Wertung aufgenommen, um den Crews eine eigene Standortbestimmung zu ermöglichen.

Die beste Besatzung auf der Navigationsstrecke waren Martin Eigner/Michael Schauff auf einer R44. Sie erreichten 296,03 von insgesamt 300 möglichen Punkten und verwiesen die späteren Gesamtsieger Marcel Stegmüller/Jens Scholpp (auf R22 und mit 293,85 Punkten) auf den zweiten Rang. Platz drei belegten die polnischen Brüder Marcin und Michal Szamborski (R44/283,31 Punkte). Auf der anspruchsvollen Strecke, die ohne GPS-Hilfe abgeflogen werden muss, erwies sich die große navigatorische Erfahrung von Michael Schauff aus Luftrettung und zahlreichen SAR-Einsätzen als Basis für den Erfolg.

Am zweiten Wettkampftag herrschte Sonnenschein bei geringen Windgeschwindigkeiten; das waren nahezu ideale Bedingungen für den Präzisionsflug (Hoverparcours), bei dem die Helikopter in exakt einzuhaltender Höhe und binnen 180 Sekunden einen markierten Korridor abzufliegen hatte. An dessen Wendepunkten erfolgten Drehungen und Richtungswechsel. Bei diesem technisch sehr schwierigen Wettbewerbsteil hängen unter dem Helikopter zwei unterschiedlich lange Ketten, wobei die längere den Boden ständig, und die kürzere den Boden nie berühren darf. An den Wendepunkten müssen Drehungen geflogen werden, die Bahnen werden vorwärts, seitwärts und rückwärts absolviert. Am Ende der Bahn muss der Pilot seinen Helikopter auf einem nur fünf Zentimeter breiten Bodenbalken absetzen. Der Copilot, der bei allen anderen Disziplinen enorm wichtig ist, kann hierbei nur wenig Hilfestellung geben. Dies ist das Event des Piloten. Optimal läuft es, wenn die Markierung an der Kufe des Helikopters deckungsgleich mit der Balkenlinie ist.

Beim EHC in Mengen kamen wieder nur die Besten dem Wunschergebnis nahe. Dabei spielten Stegmüller/Scholpp ihre große Wettkampferfahrung aus und überzeugten mit 293,82 Punkten vor Szamborski/Szamborski ( 283,31 Punkte) und Eigner/Schauff ( 281,09 Punkte).

Tag drei des Europäischen Helicopter Cups 2016 begann mit einem Schiedsrichterbriefing.  Die beteiligten Schiedsrichter, die sowohl dem Starkregen als auch der Hitze des zweiten Tages im Freien standgehalten hatten, und, das muss bemerkt werden, allesamt ehrenamtlich tätig sind, waren am Abend zuvor bei einem festlichen Bankett geehrt worden. Ohne die zahlreichen freiwilligen Helfer, die aus den Teilnehmerländern sowie zusätzlich aus Frankreich und Großbritannien kamen, ginge nichts im Wettbewerbsfliegen. Auch hier sind mit Pit Schöffler, Mario Faß (ehemals Luftwaffenpiloten) und Hubert Gesang (ehemaliger Heeresflieger) Helfer dabei, die ihre reiche Erfahrung an die jüngeren Crews weitergeben können.

Die Bedingungen für das Fender Rigging  – hier müssen Bojen in Tonnen versenkt werden – waren wieder hervorragend. Der Himmel über dem Flugplatz war stahlblau und die Zuschauer erlebten, wie gleich die erste Crew einen extrem hohen Level setzte. Die Russen Alexander Sotnikov/Evgeniya Zamula –  er erst seit 2015 dabei, sie erfahrene Wettkampfpilotin seit 2009 und mehrmals bereits gekürt als Damenchampion – flogen nahezu perfekt. An Bord der R44, die sie mit den beiden polnischen Teams teilten, durchflogen sie die Tore in einer Ideallinie und setzten die Fender in der vorgegebenen, enorm knappen Zeit von nur 130 Sekunden optimal in die Tonnen. Ihre Ausbeute: 298,05 von 300 Punkten. Im Gesamtklassement des EHC 2016 wurden sie schließlich zweite hinter Stegmüller/Scholpp. Die deutschen Gesamtsieger wurden in diesem Wettbewerbsteil Dritte vor Eigner/Schauff.

Als letzte Übung der Titelkämpfe stand der Slalom an; eine Aufgabe, die wiederum in nur 130 Zeitsekunden bewältigt werden musste.

Bei diesem Event führen Copilot oder Copilotin einen mit Wasser gefüllten Eimer an einem sieben Meter langen Seil durch sieben Tore. Reihenfolge und Richtung des Durchflugs werden erst kurz vor dem Event bekanntgegeben. Berührungen bringen Strafpunkte. Am letzten Tor muss das Seil auf elf Meter verlängert werden. Ab hier muss sich der Pilot/die Pilotin ganz auf die Einsprache des COs verlassen, denn er/sie  kann das Ziel unter sich nicht sehen. Das ist eine Scheibe, deren Durchmesser wenig größer als der des Eimers ist. Der Eimer muss nach Möglichkeit mittig auf der Platte landen, möglichst ohne Wasserverlust, versteht sich. Dass diese Meisterschaft in Mengen ein sehr hohes Leistungsniveau hatte, zeigte die Tatsache, dass der Eimer bei allen Teams auf der Platte landete. Bei früheren Wettbewerben kippte er schon mal um, oder landete neben dem Target, was zur kompletten Einbuße der 300 Bonuspunkte führte.

Diesmal lief alles glatt und Sotnikov/Zamlua setzten sich mit 297,38 Punkten an die Spitze. Stegmüller/Scholpp konterten und kamen mit einem hauchdünnen Abstand auf 297,10 Punkte. Im Gesamtklassement reichte das für den deutschen Gesamtsieg. Mit einer unothodoxen aber überaus erfolgreichen Flugtechnik wurden Rübner/Wolff mit 291,52 Punkten Dritte.

EHC-Champion 2016 wurden Stegmüller/Scholpp vor Sotnikov/Zamula und Szamborski/Szamborski. In der nationalen Wertung kamen Eigner/Schauff auf Rang zwei, Platz drei belegten Rübner/Wolff.

In der Juniorenwertung belegten Sotnikov/Zamula den ersten Platz vor Thomas Morgenstern/Stefan Seer (Österreich, auf R44).  Morgenstern ist Olympiasieger, Weltmeister und Sieger der Vierschanzen-Tournee im Skispringen und hat sich nach seinem Karriereende als Wintersportler voll und ganz auf die sportliche Herausforderung des Wettbewerbsfliegens mit dem Helikopter verschrieben. Bei der Hubschrauber-WM 2015 in Polen war er Junionrenweltmeister. Dritte wurden Adrian und Jens Larsen (Sohn und Vater) auf R22 aus der Schweiz. Bei den Junioren zählt nicht das Alter des Piloten sondern seine Flugerfahrung; sie muss unter 250 Flugstunden liegen.

Die Damenwertung entschieden die Polinnen Maria Mus/Magdalena Woch (auf R44). Mit nur 22 Jahren war Mus zugleich die jüngste Pilotin im gesamten Teilnehmerfeld. Gut auch der zweite Rang von Sabine Bühlmann/Lena Maier (auf R44) , die in Mengen zum ersten Mal gemeinsam flogen und sich mehr als beachtlich schlugen. Dritte der Damenwertung wurden Bettina Schleidt/Gisela Freund (auf R44).

Text: rst

Fotos: Uli Schröer

Nationale Wertung EHC 2016 Mengen

  1. Marcel Stegmüller/Jens Scholpp, 1178,77 Punkte
  2. Martin Eigner/Michael Schauff, 1129,31 Punkte
  3. Andreas Rübner/Holger Wolff, 1114,28 Punkte
  4. Sebastian Fuhr/Helmut Brand 1064,98 Punkte
  5. *Adrian Larsen/Jens Larsen 1040,70 Punkte
  6. Andreas Seyfert/Benno Schultz, 1034,45 Punkte
  7. *Jacques Berlo/Pierre Porzheim, 878,11
  8. Frank Rudolf/Michael Junk, 838,35 Punkte
  9. *Stefan Meier/Sabina Graf, 769,24 Punkte
  10. Sabine Bühlmann/Lena Maier, 670,48 Punkte
  11. Bettina Schleidt /Gisela Freund, 547,23 Punkte
  12. Hartmut Hopf/Hans-Peter Lacher, 444,12 Punkte
  • *Die auf den Rängen 5, 7 und 9 platzierten Crews kamen zwar aus der Schweiz und aus Belgien, wurden aber aufgrund ihrer Mitgliedschaft im Deutschen Hubschrauber Club national mitgewertet.

 

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