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Was nicht tötet, härtet ab! Getting Tough – The Race

Filed in Allgemein, Laufsport by on 10. Februar 2017 0 Comments • views: 354

Crossläufe sind für Oberleutnant Lea Halfmann und ihren Sportverein, dem Sportclub Laage, nichts Neues. Auch die Teilnahme an Hindernisläufen hat es bereits das eine oder andere Mal gegeben. Doch die Teilnahme am härtesten Hindernislauf Europas ist selbst für diese Truppe etwas ganz besonderes.

„Was nicht tötet, härtet ab” erscheint zunächst als ziemlich abgedroschene Floskel. „Für manchen Läufer oder Läuferin wurde es jedoch zu einem unerlässlichen Mantra – für mich auf jeden Fall“, sagt Lea Halfmann, wenn sie auf ihre Teilnahme an Getting Tough – The Race oder auch „die Hölle von Rudolstadt“ zurück denkt. Die Eckdaten der Veranstaltung: 24 Kilometer, 1.000 Höhenmeter und etwa 160 Hindernisse. Das Rennen wurde 2016 zum fünften Mal durchgeführt und erreichte einen absoluten Anmelderekord. Während sich 2012 ganze 600 Leute anmeldeten, lag die Zahl nun bei 3.200 Frauen und Männern, die am 3. Dezember 2016, um 10:00 Uhr, den Lauf in einem Massenstart begannen. Allesamt ausgestattet mit dem Mut und dem Willen, sich der Herausforderung zu stellen und durchzukommen.
Bereits die Ankunft auf der „Festwiese“, auf der allein über 50 Hindernisse aufgebaut waren, ist ein Event für sich. Bei minus fünf Grad Celsius lauschten die Zuschauer und Teilnehmer der beeindruckenden Rede des Organisators „des Kallinators“. Lea berichtet: „Wir alle dachten ‚es wird schon nicht so schlimm werden‘ – dachten wir! Doch gleich zu Beginn erwartete uns eine 200 Meter lange Kriechgasse, die wir auf allen Vieren durchgleiten mussten.“ Bereits an dieser Stelle schwankte die eben noch eingetrichterte Motivation bedenklich, immerhin war die Wiese gefroren und die Knie protestierten das erste Mal. Aber was sind schon 200 Meter? Ist doch schnell geschafft! Zu Beginn des Laufs konnten sich die Sportler so noch motivieren.


Das folgende Hindernis zerstörte aber bereits jegliche Illusion: Zwei etwa vier Meter breite Wassergräben, die es zu durchwaten galt. Hier machten die Frauen und Männer das erste Mal Bekanntschaft mit dem kalten Wasser, das aus dem angrenzenden Fluss, der Saale, in den Graben umgeleitet wurde. Heftig durchnässt, begann eine längere Laufstrecke die ersten Höhenmeter hinauf. Einfach nur laufen wäre jedoch auch langweilig, also mussten ein Slalom und Eskaladierwände bezwungen werden. Mehrere Abhänge hinauf und wieder hinunter. Und schon stellte sich das erste wirkliche Problem heraus: die Wartezeit. Plötzlich stand das Teilnehmerfeld herum. Der Grund waren die ersten, besagten Eskaladierwände in Verbindung mit zu vielen Läufern. Ein Haufen zitternder, durchnässter und am ganzen Körper schlotternder Sportler stand still. Man versuchte sich mit lustigen Sprüchen aufzumuntern. Erneut ein Slalom, bergauf – bergab, wobei ein Autoreifen zu tragen war. Hier galt äußerste Vorsicht, immerhin war es glatt und der eine oder andere war mit Sommerreifen unterwegs.
Jetzt folgte eine längere „Laufphase“ die vielen Höhenmeter hinauf durch den Thüringer Wald. Eine weitere Station war die in Rudolstadt ansässige Papierfabrik, die es sich nicht hatte nehmen lassen drei Papierpyramiden aufzustellen, dann waren zumindest die Höhenmeter fast geschafft. Nach einem letzten Anstieg ging es richtig los. „Ganze 20 Kilometer und etwa 15 Hindernisse hatten wir hinter uns gebracht. Das was nun folgte, lässt sich ganz gut in einem Wort zusammenfassen: kalt.“ Lea schlottert heute noch. Bei einer Außentemperatur von etwa minus fünf Grad Celsius musste ein Wassergraben durchwatet werden. Tiefe: 1,30 Meter, Länge: 250 Meter. Vier Sanitäter in Neopren-Tauchanzügen überwachten das Vorhaben. Damit das Wasser etwas vom Körper ablaufen konnte, folgte im Anschluss das Überwinden der „Sturmkampfbahn“. Diese bestand aus mehreren Betonhindernissen, die es zu überklettern oder zu durchkriechen galt. Im Anschluss daran folgte ein 400 Meter Rundkurs bei dem große Baumstämme überwunden werden mussten. Damit dies nicht allzu einfach wurde, hatten die Läufer einen Sandsack zu tragen.
Was folgte, rechtfertigte den Namen „die Hölle von Rudolstadt“. Weil das Durchwaten des Wassergrabens noch nicht dazu führte, dass der Kopf unter Wasser getaucht wurde, kamen nun folgende Hindernisse ins Spiel: Zunächst hatte das THW Baucontainer mit Wasser befüllt und ein Brett so angebracht, dass die Aktiven durchtauchen mussten. Auch das sollte es noch nicht gewesen sein. Nächste Station: Das Freibad. Bei einer Wassertiefe von 1,30 Meter hätte das Bad theoretisch ebenso wie der Wassergraben durchwatet werden können. Aber das wäre ja viel zu einfach. Also wurden acht Baumstämme auf das Wasser gelegt, die durchtaucht werden mussten. „In meinem Kopf herrschte ein einziger Gedanke: Kalt!“ Die motivierenden Worte der Einstiegsrede des Kallinators waren völlig vergessen. Viele Läufer mussten an dieser Stelle leider aufgeben. Zu guter Letzt folgte dann noch der „Walk of Fame“. Der letzte Kilo­meter, an dem sich Hindernis an Hindernis reihte. Autowracks, Panzer, Reifen­stapel, Stromhindernisse, Betonblöcke, die beliebten Eskaladierwände, Eiswassercontainer und Holzwände von einer Höhe über 8 Meter sind nur einige Beispiele.

Hier war vor allem Teamgeist gefragt. Während die schnellsten und besten Läufer die Hindernisse alleine überwinden mussten, um zur „Getting Tough Elite“ zu gehören, galt es für den Rest der Läufer helfen wo immer man kann. Egal, ob klein oder groß, schwer oder leicht, Frau oder Mann, jeder half jedem. Nicht selten kamen helfende Hände auch aus den Reihen der Zuschauer. Und dann 24 Kilometer und einige Stunden später war es geschafft. Während viele Läufer eine gewisse Zeit vor Augen hatten, die sie erreichen wollten, ging es für einige auch „nur“ ums Ankommen. Ich denke, jeder der die Ziellinie überschritten hat, kann stolz auf sich sein, das Rennen bezwungen zu haben.

Text und Fotos: Lea Halfmann

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