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Leutnant Timo Schaffeld wird Weltmeister beim Ironman Hawaii

Abgelegt in Laufsport, Spitzensport, Triathlon von am 24. Oktober 2018 0 Comments • views: 225

Leutnant Timo Schaffeld (22), Student im Bachelor-Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen, wurde am 13. Oktober 2018 Weltmeister beim Ironman von Hawaii. Dabei stellte er in seiner Altersklasse einen neuen Streckenrekord auf.

Marathon in sengender Hitze: Timo Schaffeld auf der Laufstrecke.

Aber der Reihe nach. Der 22-Jährige betreibt schon seit längerer Zeit Ausdauersport im Endurance Team des Oberhausener Turnvereins von 1873 e. V. Mit diesem Team nahm er  Ende Juli am Ironman in Hamburg teil. Er war 27 Minuten schneller als die Konkurrenz und wurde überraschend Deutscher Meister in 7:59:47 Stunden. Damit löste er das Ticket für die Weltmeisterschaft der Langdistanz-Triathleten: Den Ironman von Hawaii.

Dann der Rückschlag: Im August zog sich Schaffeld bei einem Sturz mit dem Fahrrad im Trainingslager auf der Kanareninsel La Palma schwere Verletzungen zu. Eine Windböe trug ihn auf einer steilen Gefällstrecke in einer Kurve von der Straße. Nach zwei Überschlägen prallte er gegen eine Felswand. Der Helm rettete ihm das Leben, aber ein Hüftgelenk war ausgekugelt, eine Kniescheibe herausgesprungen, eine Rippe gebrochen und der Körper voller Prellungen und Schürfwunden. Mehrere Tage verbrachte er im Krankenhaus, gefolgt von sechs Wochen mit täglich 4 bis 6 Stunden Reha und Physiotherapie.

„Mehrere Wettkämpfe und Trainingslager mit dem Bundeswehr-Triathlonteam waren der Schlüssel zum Erfolg“, resümiert Schaffeld. Als er sich schließlich wieder fit genug fühlte, entschied er, sich den Traum vom Ironman zu erfüllen.

Hawaii – magischer Ort, wunderschöne Landschaft. „Der Spirit der Menschen und der Insel an sich verzaubern einen sofort, aber die Temperaturen sind unvorstellbar heiß“, beschreibt Schaffeld seine ersten Eindrücke von der Insel.

Am Samstag dann der Wettkampf. Erste Disziplin: Schwimmen. Nicht seine Paradedisziplin, und in Hamburg kam ihm zugute, dass der Schwimmwettbewerb wegen zu hoher Blaualgenkonzentration in der Außenalster gestrichen wurde. Auf Hawaii schwimmt man im offenen Meer. Schaffeld krault über bunte Korallen, unter ihm ziehen Stachelrochen vorbei. Dank des geringen Wellengangs kann Schaffeld gleichmäßig durchziehen. Platzkämpfe mit der Konkurrenz und Rangeleien sind selten. Die 3,8 Kilometer legt er in 57:49 Minuten zurück: 11. Platz.

Der Wechsel aufs Rad gelingt ihm in weniger als zwei Minuten und legt den Grundstein für den Rekord. Bis zum Wendepunkt fährt sich Schaffeld auf Platz 1 vor, zieht dabei aber noch viel Konkurrenz mit. Nach der Wende legt er noch einen Gang zu und schüttelt die Verfolgergruppe ab. „Nachdem ich einige Profis eingeholt hatte, die 30 Minuten vor mir gestartet waren, fuhr ich die letzten 60 Kilometer ganz alleine. Ich habe ständig auf dem Rad gegessen und getrunken, keine Verpflegungsstation ausgelassen und versucht, mich abzukühlen.“ Die zweite Hälfte der Stecke legt er schneller als die erste zurück. Nach 4:32:30 Stunden hat er die 180 Kilometer und sämtliche Konkurrenten in seiner Altersklasse hinter sich gelassen.

Zog an der gesamten Konkurrenz vorbei: Timo Schaffeld bei seiner Paradedisziplin.

Erneut gelingt ihm ein sehr schneller Wechsel: 2:15 Minuten später ist er auf der Laufstrecke. „Unter den Anfeuerungsrufen von mitgereisten Kameraden aus der Uni, Freunden und Familie bin ich den Marathon zu schnell angegangen und musste nach 12 Kilometern etwas Tempo rausnehmen“, stellt er selbstkritisch fest. „Ab da ging der Wettkampf nur noch über den Willen, und der mit dem stärksten Kopf hat gewonnen.“ Nach Kilometer 13 auf dem Highway geht es in die Einöde, kaum noch Stimmungsmacher entlang der Strecke, lediglich Verpflegungspunkte als Zwischenziele. Am zweiten Wendepunkt beim „Natural Energy Lab“ hat er noch einmal mit sich selbst zu kämpfen, überlegt sogar, Gehpausen zu machen. Er läuft aber schließlich durch. Über den Highway zurück nach Kona und die letzten 10 Kilometer gegen den Wind und durch die sengende Hitze zur Ziellinie. „Bei Kilometer 41 kamen die Krämpfe, aber mit dem Wissen, dass ein neuer Streckenrekord winkt, bin ich einfach drüber weggelaufen und erst im Ziel völlig kraftlos zusammengebrochen.“ Der Stolz über die vollbrachte Leistung überwog die Schmerzen, berichtet er. 3:17:20 Stunden hat er für die 42,195 Kilometer lange Marathondistanz gebraucht.

Mit einer Zeit von 8:51:51 Stunden wurde Timo Schaffeld Weltmeister in der Altersklasse M18-24 und unterbot den bisherigen Streckenrekord in seiner Altersklasse um 40 Sekunden. In der Gesamtwertung brachte ihn das auf Platz 69. Die Gewinner der Hauptklasse auf Hawaii sind für gewöhnlich über 30 Jahre alt und Profi-Sportler.

Gegen Wind und sengende Hitze: Timo Schaffeld auf der letzten Etappe.

„Ich könnte ein ganzes Buch über diesen Ort und den Wettkampf schreiben. Mit dem Ausgang, gerade wegen der Vorgeschichte mit der Verletzung, habe ich nicht gerechnet und bin umso fassungsloser“, erklärt der Oberhausener, der sich mit seinem Sieg bereits als Teilnehmer für den Hawaii Ironman 2019 qualifiziert hat. Zunächst will er sich aber wieder stärker um sein Studium kümmern und den Bachelor im Fachgebiet Wirtschaftsingenieurwesen abschließen.

Universitätspräsident Prof. Dr. Klaus Beckmann zeigte sich begeistert von der Leistung des Ausnahmeathleten. „Dass wir immer mal wieder herausragende Talente haben, die trotz des anspruchsvollen Studiums solche Leistungen abrufen können, kennzeichnet die besonderen Bedingungen, die wir den Studierenden hier bieten können. Und es zeigt, was für gute Leute wir als Führungsnachwuchs für die Bundeswehr gewinnen können.“ Beckmann kündigte an, dem Weltmeister nach dessen Heimkehr persönlich zu gratulieren. Der bleibt zur Erholung allerdings noch mit seiner Familie eine Woche auf Hawaii. Aloha!

Text: Universität der Bundeswehr Hamburg

Fotos: Nina Schaffeld

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