Das Taekwondo-Team geht mit Zuversicht und Teamgeist zur Weltmeisterschaft nach Manchester

In wenigen Wochen beginnen vom 15. bis 20. Mai die Weltmeisterschaften im Olympischen Taekwondo in Manchester. Die Vorbereitungen laufen in den Leistungszentren der DTU und bei den Sportlern, Trainern und dem ganzen Team auf Hochtouren. Im Gespräch mit dem Bundestrainer Herren, Georg Streif, und der Bundestrainerin Damen, Yeonji Kim, haben wir ein wenig nachgehört, wie die Aussichten für unser Team bei der WM in diesem Jahr sind.

 Wie stark ist unser Team für die WM in England?

Georg Streif: Wir haben sehr motivierte Kämpfer mit einem relativ jungen Durchschnittsalter, die alle ihr Bestes geben werden. Zwei Klassen wurden nicht besetzt, da hier im Moment die internationale Konkurrenzfähigkeit noch nicht gegeben ist. Die Stärken und Schwächen der einzelnen Sportler will ich ungerne vor der WM öffentlich machen. Ausgewählt wurde das Team durch das Erreichen der „Credits“ ( siehe www.dtu.de ). Dazu zählen die Entwicklung bei den vergangenen Turnieren, die Erfüllung der Vorgaben und natürlich eine gute, sportliche Perspektive. Die endgültige Entscheidung, wer nach Manchester mitfährt, wurde im Leistungsausschuss und zuletzt im Präsidium getroffen.

Bundestrainer Georg Streif (Foto: Felix Schmale)

Yeonji Kim: Ich habe mich für dieses Damen-Team entschieden, da diese Sportlerinnen in den letzten sechs Monaten bei Weltranglistenturnieren insgesamt 17 Medaillen gewonnen haben. In den einzelnen Gewichtsklassen sehe ich großes Potenzial bei den nominierten Sportlerinnen. Das bestätigen auch die vergangenen Turniere. Hier konnten wir eine ganze Reihe hochkarätiger Sportlerinnen aus der Welt, die in der Weltrangliste deutlich höher stehen, besiegen. Das stimmt mich positiv für die WM. Nun werden wir noch an den Feinheiten im taktischen Bereich arbeiten und uns vor allem auch mental auf diese Weltmeisterschaft vorbereiten.  

Sind für unsere Athleten bei der WM Medaillen drin?

Georg Streif: Das ist schwer vorauszusagen, da alle antretenden Nationen kontinuierlich immer besser geworden sind und letztendlich auch die Tagesform und das Quäntchen Glück entscheidet. Beim letzten WM-Turnier in Korea war es am Ende sogar Gold und somit sogar der vierte Platz für die DTU in der Medaillenwertung. Neben der maximalen Anzahl an gewonnen Kämpfen erhoffe ich für uns diesmal auch wieder eine Medaille.

Yeonji Kim: Ich sehe in der Mannschaft genug Potenzial, eine Medaille auf der WM zu holen. Dafür trainieren die Sportlerinnen ja tagtäglich und darum nehmen wir auch an dieser Weltmeisterschaft teil. Natürlich wird es nicht leicht. Aber am richtigen Tag, mit der besten Einstellung und weltmeisterlicher Stimmung in der Halle, werden unsere Sportlerinne, davon bin ich überzeugt, ihre beste Leistung zeigen.

Wer sind derzeit die stärksten Nationen?

Georg Streif: Zu den starken „Profi-Teams“ mit guten Teamergebnissen im Herrenbereich gehören vor allem: Korea, Russland, China, Iran, Großbritannien, Türkei und Spanien. Jedoch darf man auf keinen Fall die einzelnen Ausnahmeathleten aus anderen Nationen vergessen. So ist es nicht ausgeschlossen, dass ein Athlet aus Jordanien, Nigeria, Gabun, Elfenbeinküste, Italien, USA, Moldawien oder einer anderen Nation gewinnen kann oder ganz vorne platziert ist.

Yeonji Kim: Aus meiner Sicht sind die Chinesinnen wieder sehr stark. Das haben sie auch in Hamburg bei den German Open gezeigt, als sie vier Goldmedaillen bei den Senioren gewonnen haben. Natürlich bleibt Korea immer ein Top-Favorit auf die Medaillen. Aber auch Großbritannien und Russland haben in vielen Gewichtsklassen sehr starke Athletinnen. Es ist so, wie es Herr Streif bereits gesagt hat: es gibt auch viele kleinere Nationen, die in einzelnen Gewichtsklassen sehr stark sind, zum Beispiel im Schwergewicht Aleksandra Kowalczuk aus Polen.

Was erwartet unsere Sportler beim WM-Gastgeber England?

Georg Streiff: Da die Engländer vor der Olympiade 2012 eine gewaltige finanzielle Unterstützung und allgemeine Anerkennung erhalten haben, das Personal vervielfacht wurde, sie sich der hauptamtlichen Führung eingegliederten und eine starke Auswahl an „hungrigen Kämpfern“ haben, ist mit einer außerordentlichen WM zu rechnen. Auch das Marketing wurde dort top entwickelt. Mit Bewunderung und Respekt muss man deren Entwicklung neidlos anerkennen. Daher führen wir, wie schon 2017, vier Wochen vor der WM ein gemeinsames Trainingslager mit den Athleten aus Frankreich, Usbekistan, Polen, Portugal und natürlich den Engländern durch. Das hat zum Beispiel 2017 unserem Alex Bachmann die notwendige Turnierhärte und wichtige Erfahrungen mit Top-Kämpfern bis und über 87 Kilo gegeben.

Yeonji Kim: Die Engländer werden bei dieser Weltmeisterschaft alles geben, um sie zu etwas ganz Besonderem zu machen. In diesem Jahr zählt nicht nur der Titel „Weltmeister/in“, sondern es werden auch die 12-fachen Weltranglistenpunkte vergeben. Das ist im Hinblick auf Olympia 2020 in Tokyo natürlich sehr wichtig. Nur die besten 5 Athletinnen der jeweiligen olympischen Gewichtsklasse erhalten im Dezember 2019 einen direkten Startplatz für die Olympischen Spiele. Darum steht die WM in diesem Jahr unter einem besonderen Stern. Die Stimmung in der Halle wird dementsprechend gut sein. Die Taekwondo-Fans in England freuen sich auf ihre lokalen Helden, wie Jade Jones (Doppelolympiasiegerin) und Bianka Walkden (2-fache Weltmeisterin), die in ihrem Heimatland schon kleine Stars sind.

Bundestrainerin Yeonji Kim beim coachen der WM-Teilnehmerin Özlem Gürüz (Foto: Denis Sekretev)

Mit welchen Gefühlen und Erwartungen geht das Team in die WM?

Georg Streiff: Wie immer sind wir optimistisch, doch mit gemischten Gefühlen. Trotz unserer großen Anstrengungen kann bei der internationalen Leistungsdichte keine klare Einordnung vorhergesagt werden. Die notwendige Anerkennung der Leistungsfähigkeit wird nur über Medaillen erreicht. Für mich ist die Weltmeisterschaft ein wichtiger „Baustein“ auf dem Weg nach Olympia 2020 in Peking. Nach der WM muss es sofort weiter gehen bei den Grand Prix-Wettkämpfen und sonstigen Leistungswettbewerben. Da wir einige Verbesserungen erarbeitet haben, bleibe ich insgesamt optimistisch und zähle ganz stark auf die Unterstützung unseres Umfeldes. Wir gewinnen und verlieren zusammen.

Yeonji Kim: Wir gehen mit Motivation, Selbstvertrauen und Teamgeist in diese WM! Unser Motto lautet: „Zusammen stark sein. Zusammen gewinnen“.

Text: Helena Stanek

Fotos: Denis Sekretev, Felix Schmale, DTU

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