Ein nicht ganz endgültiger Abschied – KARATE-Spitzensportler Oberstabsfeldwebel Stefan Kainath im Gespräch

BwSpMag: KARATE, wie spricht man das eigentlich richtig aus?
Stefan Kainath: Es wird unterschiedlich gehandhabt. Früher hat man eher die asiatische Variante mit der Betonung auf dem E benutzt, heute hat sich die Betonung auf dem mittleren A durchgesetzt.

BwSpMag: Seit wann wird KARATE durch die Bundeswehr gefördert und wie sind Sie in eine Sportfördergruppe gekommen?
Stefan Kainath: Ich kann es gar nicht genau sagen. Früher war KARATE zusammen mit TAEKWONDO in Sonthofen. Ich glaube es war 2011 als die Ersten zu uns nach Mainz kamen. Der Einzige von den derzeit Aktiven, der früher noch in Sonthofen war, ist Jonathan Horne. Ich persönlich habe seit 1974 Karate betrieben. Ich bin aber nicht als Spitzensportler zur Bundeswehr gekommen, weil ich nicht im DKV war, sondern in anderen, offenen Verbänden. Ich wurde zunächst gar nicht offiziell gefördert, kam aber 1992 auf eine Stelle als Leiter einer Sportfördergruppe, wurde aber natürlich für die Wettkämpfe freigestellt. Ich war zunächst in Tauberbischofsheim und Hannover und dann seit 2008 in Mainz.

BwSpMag: Wie lange dauert die Ausbildung vom Schüler bis zum Meister?
Stefan Kainath: Das ist natürlich sehr unterschiedlich. Bei mir hat es 5 Jahre gedauert. Als Trainer bevorzuge ich aber eine deutlich längere Ausbildung. Ich sage immer, „Lieber ein guter Grüngurt, als ein mittelmäßiger Blaugurt“. Es dauert dann zwischen 5 und 10 Jahren.

BwSpMag: Welches Gewicht messen Sie den traditionellen Elementen, wie Zeremonien, Stilen, Philosophien bei?
Stefan Kainath: Ich halte sehr viel von Etikette. Das hat was mit Respektbekundung und inneren Werten zu tun, die auch bei der Theorie in den Gürtelprüfungen abgefragt werden. Ich weiß, es gibt Schulen, die das nicht mehr so machen. Da heißt es gleich in der ersten Stunde „Handschuhe an und kämpfen“, das ist aber nicht meine Auffassung von dem Sport. Ich selbst bevorzuge kreative Formen, sogenannte KATAS, also der imaginäre Kampf gegen mehrere Gegner, die man traditionell alleine vorträgt. Wir machen das zu Musik, wobei man sich die Choreographie selbst zusammenstellt.

BwSpMag: Wie bewerten Sie insgesamt die Sportförderung durch die Bundeswehr?
Stefan Kainath: Sehr positiv. Ich bin jetzt seit 27 Jahren als Leiter einer Sportfördergruppe eingesetzt. Ich glaube, dass die Förderung von Sportarten wie KARATE oder auch Fechten auf diesem Niveau sonst nicht möglich wäre.

BwSpMag: Wie ist es um den Nachwuchs bestellt?
Stefan Kainath: Sehr gut, bezogen auf die Bundeswehr. Die Aussetzung der Wehrpflicht haben wir hier überhaupt nicht gespürt. Wir haben ja nur 8 Förderplätze für KARATE, und die sind sehr begehrt. Wie es in den Vereinen konkret aussieht, kann ich nicht beurteilen. Wir bekommen von dort ja nur die Besten aus dem Juniorenbereich.

BwSpMag: Der Bundesinnenminister ist ja gleichzeitig auch Sportminister. Was wünschen Sie sich von der Politik für Ihren Sport?
Stefan Kainath: Ich persönlich finde die Koppelung nicht gerade glücklich. Viele große Sportnationen haben ein eigenes Sportministerium, das sich dann viel wirkungsvoller um die Belange des Sports kümmern kann. Ich wünsche mir insgesamt mehr staatliche Wertschätzung und Förderung für die olympischen Sportarten, auch hinsichtlich der Ausschüttung von Preisgeldern. Andere Nationen, die wirtschaftlich nicht so gut aufgestellt sind wie wir, haben uns da einiges voraus.

Stefan Kainath mit der ehemaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, beim Empfang der Olympiateilnehmer der Bundeswehr in Berlin.

BwSpMag: Wo steht der deutsche Karate-Sport im internationalen Vergleich?
Stefan Kainath: Ich denke sehr gut. Wir haben ja mit Jonathan Horne ein heißes Eisen im Feuer. Er ist auf einem sehr guten Weg, sich für Olympia im nächsten Jahr zu qualifizieren. Allerdings ist die Qualifikation für die Spiele erschwert, da es statt 5 nur 3 Gewichtsklassen geben wird, und zudem das Teilnehmerfeld weltweit auf 10 Sportlerinnen je Gewichtsklasse begrenzt ist. Aber Deutschland ist auf einem sehr guten Weg. Wir haben auch starke Frauen im Kader, wie zum Beispiel Shara Hubrich oder Jana Bitsch, von denen durch die Zusammenlegung der Gewichtsklassen aber leider nur eine teilnehmen kann.

BwSpMag: Was war Ihr persönlich wichtigster Erfolg?
Stefan Kainath: Am wertvollsten war natürlich der Weltmeistertitel 2003. Sehr wichtig war aber auch die Bronzemedaille 1997, weil es die erste Medaille war und zudem meine Frau Gold gewonnen hatte. Das war ein schöner Tag für die Familie.

BwSpMag: Spielt Teamfähigkeit beim Karate eine Rolle, oder ist man eher Solokämpfer?
Stefan Kainath: Auf jeden Fall. Ich selber wollte zwar immer alleine auf die Kampffläche, aber heute denke ich anders darüber. Bei der Weltmeisterschaft z.B. ist der Teamkampf das absolute Highlight.

BwSpMag: Wie hoch ist der Trainingsaufwand?
Stefan Kainath: Der Trainingsaufwand ist wie in allen Sportarten inzwischen sehr, sehr hoch. 2 bis 3 Trainingseinheiten am Tag sind normal. Dazu kommen Ausgleichssport, Athletik und Physiotermine. Da kommen leicht 6-8 Stunden zusammen. Ohne die Förderung durch Bundeswehr, Polizei und Zoll oder bei Anderen durch die Sporthilfe, ist das nicht zu leisten.

BwSpMag: Welche Rolle spielt Doping beim Karate?
Stefan Kainath: Mir ist im KARATE kein Dopingfall bekannt, was aber nicht ausschließt, dass es Doping gibt. Ich denke, Doping ist in Sportarten verlockender, in denen es viel Geld zu verdienen gibt. Die Sportlerinnen, die bei uns gefördert werden, sind fast alle im „Registrierten Testpool“ der NADA erfasst. Wo sie 3 Monate im voraus ihren Aufenthaltsort angeben müssen und täglich eine Stunde für Tests verfügbar sein müssen. Diese Tests finden auch wirklich häufig statt.

BwSpMag: Sie sind zur Zeit noch der Leiter der hiesigen Sportfördergruppe. Was gehört alles zu den Aufgaben eines Leiters?
Stefan Kainath: Ich sehe meine Aufgabe darin, den Sportlerinnen den Rücken frei zu halten. Wir sind an der Steuerung der Lehrgangsplanung beteiligt und stimmen die Termine mit dem Referat Spitzensport im Kdo SKB ab. Wir sind das Verbindungsglied zwischen den Verbänden, also der militärischen Führung und den Sportlerinnen. Ich führe auch viele Gespräche und bin, wann immer es geht, in den Trainingszentren und bei Wettkämpfen anwesend, wobei die Trainingsstätten sehr weit voneinander entfernt sind, z.B. außer hier in Rheinland-Pfalz auch in Hessen, dem Saarland oder in Baden-Württemberg.

BwSpMag: Wie sieht der militärische Anteil am Dienstalltag aus?
Stefan Kainath: Neben den obligatorischen Laufbahnlehrgängen und Sportlehrgängen (Übungsleiter, Trainer Bw-Lehrgang) fassen wir militärische Übungs- tage zusammen, wo Waffen- und Schießausbildung, Sanitätsausbildung, ABC u.s.w. stattfinden.

BwSpMag: Sie werden zum 1. Oktober in den Ruhestand versetzt. Was kommt danach?
Stefan Kainath: Das ist noch nicht ganz sicher. Auf jeden Fall möchte ich als Wehrübender in einem halben Jahr zurückkommen, um die Sportlerinnen in der Vorbereitungsphase auf Olympia zu unterstützen. Ich hätte gerne noch ein Jahr als Leiter der Sportfördergruppe weiter gemacht, aber mein Nachfolger steht schon bereit, der dann nicht befördert werden könnte. Für die Zeit danach befinde ich mich noch in der Findungsphase.

Spitzensportler unter sich: Kevin Röder, Johannes Vetter, Stefan Kainath und Boris Obergföll am Tag der Deutschen Einheit 2017.

BwSpMag: Auch an Sie die Abschlussfrage: Wie vergänglich ist der Ruhm?
Stefan Kainath: Sehr vergänglich. Es gibt ja jedes Jahr Weltmeisterschaften.
Olympiasieger ist man in der Regel für immer. Deswegen wünsche ich Jonathan Horne, dass er im nächsten Jahr erfolgreich ist. KARATE ist erstmalig 2020, zunächst nur dieses eine Mal olympisch. Der Weltverband kämpft zur Zeit daran, es auch 2024 im Programm zu halten. Als Olympiasieger ist man immer unsterblich, als Weltmeister ist der Ruhm kurzlebiger.

BwSpMag: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die weitere Zukunft.

Text: Detlev Neukirch Fotos: Sportfödergruppe Bw Mainz; Landeskommando Rheinland-Pfalz; Detlev Neukirch

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