Auf 300 Meter stößt Jolyn Beer den Bock um

Jolyn Beer war in dieser Saison vom Pech gebeutelt. Trotz überragender Leistungen vor allem in den Qualifikationen des Dreistellungskampfes mit dem olympischen Kleinkalibergewehr reichte es nie zum Gewinn eines Olympia-Quotenplatzes, zumeist wegen eines schwächeren Finales.

Doch der Abschluss im nichtolympischen Großkaliberschießen bei der Europameisterschaft auf 300 Meter im norditalienischen Tolmezzo, zu dem sie direkt von der KK-EM in Bolgona reiste, brachte endlich das so heiß ersehnte Erfolgserlebnis. „Versöhnlicher geht’s nicht“, meinte die Sportsoldatin, nachdem sie, wieder im Dreistellungskampf, Gold im Einzel und mit der Mannschaft gewonnen hatte. Die Krönung lieferte sie selbst und zeigte damit einmal mehr ihr überragendes Können.

Freudestrahlend nahm sie die beiden Goldmedaillen in Empfang, es war Balsam auf viele Wunden. Auch in Tolmezzo hatte sie sich zuvor mit einem vierten Platz im Liegendkampf begnügen müssen, dieses Missgeschick war ihr schon in Bologna widerfahren. Am letzten Wettkampftag der Europameisterschaften zahlte sich jedoch das lange Warten aus: Souverän siegte sie mit fünf Ringen Vorsprung und dem Weltrekord von 1981 Ringen. „Ich bin natürlich froh, das hier heute gewonnen zu haben, nachdem ich zigmal knapp vorbei gezielt habe“, so Beer nach ihrem Triumph.

Weltrekord auch mit dem Team

Lisa Müller fehlten die entscheidenden Ringe im Stehendanschlag. Platz sechs für Müller (1.171 Ringe) und Platz sieben für Eva Rösken (1.166 Ringe) bedeuteten dennoch – mit einem Ring Vorsprung vor der Schweiz – Team-Gold und mit 3518 Ringen die Verbesserung des eigenen Weltrekords. Spitzenschützin Beer meinte: „Im Team ganz oben stehen zu können ist das Tüpfelchen auf dem i.“

Eva Rösken gewann ihre zweite Liegend-Einzelmedaille innerhalb weniger Tage.

Im ersten Wettkampf von Tolmezzo hatten die Deutschen gleich die ersten Medaillen geholt. Schon dafür zeichnete das deutsche Damenteam verantwortlich. Dem Trio holte Mannschaftssilber im Liegendkampf. Eva Rösken legte mit Silber im Einzel nach. 594, 595 und 596 Ringe sicherten die Medaille. Mit ausgeglichenen Leistungen reihten sich die Drei nur einen Ring hinter der Schweiz auf dem Silberrang ein. Eine Medaille mit Ankündigung, denn bereits im Vorfeld hatte Lisa Müller angekündigt: „Wir sind gut drauf!“ Der Kampfansage ließ Eva Rösken nach der Teammedaille am nächsten Entscheidungstag noch einen Taten folgen. Die Olympia-Teilnehmerin von Rio 2016 erzielte 598 Ringe im 60-Schuss-Programm. Damit war ihr erneut die Silbermedaille hinter der Britin Seonaid McIntosh sicher, die mit 599 Ringen Europarekord schoss.

Bei den Herren landete Christian Dreßel mit 594 Ringen auf Platz 13, seine Teamkollegen Jörg Niehüser und Matthias Raiber schieden bereits in der Elimination aus. Lisa Müller und Christian Dreßel kämpften im Mixed-Team gemeinsam um die heißersehnte Medaille. Platz fünf in der Qualifikationsrunde reichte, um sich fürs Halbfinale zu qualifizieren. Dort war jedoch Schluss für das deutsche Team.

Das deutsche Team mit Lisa Müller, Jolyn Beer und Eva Rösken holte nicht nur Gold, sondern verbesserte auch den eigenen Weltrekord.

Jolyn Beer

„Ich bin natürlich froh, das hier heute gewonnen zu haben, nachdem ich zigmal knapp vorbei gezielt habe.“

Eva Rösken

„Es war ein sehr guter Wettkampf bei guten Bedingungen.“

Text: Harald Strier

Fotos: DSB

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