Maskierter Leichtathletik-Start ins Tokioter Olympiajahr – Im Tempoexpress durch Geisterarenen

Staatlich verordnete Covid19-Impfstrategie nebst verfassungsrechtlicher Dauer-Einschränkungen auf beharrlichem Schlingerkurs und derzeit kein Pandemie-Ende in Sicht, das bedeutet nun weiterhin Vereinssportverbot für rund 7,3 Millionen junge Menschen in Deutschland; so jedenfalls die zuletzt veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts. Nur zögerlich kommt die nationale Impfkampagne der Berliner Merkel-Administration in Fahrt, wie seriöse Medien und führende deutsche Topvirologen anhand gemeinsamer Kontexte kritisieren. Statt der regierungsseitig angestrebten Herdenimmunität, bis zum Sommer ein Impfangebot an jedermann, der impfwillig sei, zu richten, dürfte der anvisierte Corona-Schutz für die Gesamtbevölkerung auch unter pharma-logistischen Gesichtspunkten nun erst zum Jahresende hin realisierbar sein.

Lichtblicke versprechen indes Jedermann-Schnelltests, die den Kontrollverlust über das Infektionsgeschehen entscheidend einhegen könnten und auch das gestiegene Streitkräfteengagement durch Bundeswehr-betriebene Impf-Zentren. Dem monatelangen Herunterfahren des ökonomischen wie sozialen Lebens zum Trotze, bewies die deutsche Leichtathletik zu Beginn der Hallensaison 2021, dass ein engmaschiges Corona-Management auch gesamtgesellschaftliches Erfolgspotential haben dürfte. Gleich, ob bei den Spitzen-Meetings in Erfurt oder am Ende, bei den Dortmunder Hallenmeisterschaften, stets überzeugten die Eventmacher mit einem stringent ausgeklügelten Hygienekonzept.

Von medizinischen Kompetenzteams konzipiert und begleitet, wirkte sich der maßgeschneiderte Corona-Schutz mit Schnelltests, durchgängiger FFP-2-Masken-Pflicht und konsequentem Sicherheitsabstand durchweg positiv aus. Zuschauer- und journalistenfreie Zonen blieben die Events dennoch, da präsentierte sich die Berliner Behördenrepublik durchweg eisig. Der Berliner Sportjournalist Volker Schubert begleitete den vorbildlichen Jahresauftakt der deutschen Leichtathletik-Szene mit gezieltem Blick auf einzelne Indoor-Meetings. Events, bei denen Militär-Leichtathleten der Bundeswehr-Sportfördergruppen oftmals mit überaus positiven Leistungs- und Gesundheitsbildern für Furore sorgten – Olympia-Tokio, wir kommen, so die klingende Botschaft, die viele der Militärathleten mit Saison- und persönlichen Bestzeiten untermauerten!

Erfurt-Indoor mit bravourösem Leichtathletik-Auftakt

Die ersten nationalen Leichtathletik-Stationen mit ihren Covid19-bedingten, weil disziplinspezifisch oftmals einschränkenden Etappen, sandten ihre leistungssportlichen Schlaglichter unter anderem ins Herz der thüringischen Landesmetropole Erfurt – gewissenmaßen als erste Sendboten auf dem Weg nach Tokio. So gingen in der thüringischen Landeshauptstadt exakt 80 Leichtathleten an den Start; beim achten „Erfurt Indoor“. Gleich zu Beginn des Kältemonats Februar ein absolut laufaffiner Event, denn für die Frauen wie für die Männer standen Streckenduelle über die 60 Meter, die 400 Meter, die 800 Meter und die 1.500 Meter sowie ein 3.000 Meter Rennen auf dem Programm. Hoch- und Stabhochsprungwettbewerbe komplettierten die sportliche Agenda des im deutschen Leichtathletik-Kalender fest etablierten Thüringen-Meetings – erstmals in der achtjährigen Sportgeschichte des beliebten Hallenwettkampfs als Masken-Event orchestriert, der unter Corona-strengen Hygienemaßnahmen stattfand. Zudem eine zuschauerfreie Zone, wobei das gewohnte Raunen, das empathische Jubeln sowie das frenetische Anfeuern der sonst die Hartwig-Gauder-Halle füllenden Fangemeinde via Lautsprechereinspielungen aus der Audio-Konserve ertönte.

Und dennoch, für die deutschen Asse innerhalb der aufstrebenden Höher-Schneller-Weiter-Fraktion bot die Erfurt-Show den Protagonisten des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) eine überaus willkommene Gelegenheit ihre Ambitionen für die nationalen Titelkämpfe anzumelden. Als sprint-, ausdauer- und sprungstarker Vorgeschmack auf die am vorletzten Februar-Wochenende in der topsanierten Dortmunder Helmut-Körnig-Halle ausgerichteten Deutschen Hallenmeisterschaften; natürlich gepaart mit dem Kundtun erster gleichlautender Titel- und Platzierungswünsche in Blickrichtung Hallen-Europameisterschaft, die Anfang März im polnischen Torun (bis 1920 Thorn/Preußen) ausgetragen werden. Und so wirkte sich der aus den Lautsprecherboxen aufbrausende Tonband-Applaus durchweg als zündender Motivationsschub aus: Eine stimmungserhellende Inszenierung, wie zahlreiche Athleten zum Ende hin lobend kommentierten.

Sprint-Rekordhalter Julian Reus im Formfindungsprozess

Den Indoor-Auftakt bot der 60 Meter Hallensprint der Männer: Für Julian Reus, einem absoluten Spitzenmann unter dem neu kreierten Qualitätslabel „Top Team Thüringen“, ein durchaus bedeutendes Pflichtprogramm in puncto „kleiner“ nationaler Formvergleich. In dem mit Spannung erwarteten Kurz-Sprint-Duell zwischen seinem Vereinskameraden Julian Wagner und dem Deutschen 100 Meter Meister Michael Pohl vom Sprintteam Wetzlar  jubelte am Ende der Pohl, der in 6,65 Sekunden als Schnellster finishte. Rang zweit für den 100-Meter-Rekordhalter Reus in 6,68 Sekunden, eine Hundertstel vor Wagner, verlief Reus‘ Saisonstart in „geordneten Bahnen“, denn der Thüringer Militärsprinter sah das Rennen als persönliche „Standortbestimmung“, bei dem er mit einer Zeit so um die 6,65 Sekunden rechnete.

Für die zu Beginn des Tokioter Olympiajahrs spitzensportlich heiß ersehnten Visitenkarten bot auch das 200 Meter Hallenrund mit den überhöhten Kurven naturgemäß beste Voraussetzungen. In etwa, um sich innerhalb der nationalen Konkurrenz in Form zu bringen, um weiter konzentriert an der mentalen Performance zu feilen oder um sich bereits richtungsweisend mit vorolympischem Leistungskurvenanstieg zu präsentieren. Deshalb zu den hochambitionierten vier Erfurter Hallenrunden kurz vorweg: Für den Favoriten und 800 Meter-Spezialisten von der Eintracht Frankfurt, Marc Reuther, der im Finish zwar oben auf dem Podium stand, im Wettkampf indes deutlich am anvisierten Deutschen Rekord vorbeischrammte, war sein temporeich gestarteter Langsprint über den Kunststoffhochleistungsbelag letztlich durch einen suboptimalen Verlauf gekennzeichnet, wie er meinte. Und dennoch, in dem aus deutscher Sicht sehr gut besetzten 800-Meter-Rennen nutzte auch der Deutsche 3.000 Meter Hindernismeister von 2019 und 2020, der seit Herbst 2020 frisch gekürte Sportsoldat Karl Bebendorf, die Gelegenheit, um seine Unterdistanzqualitäten intensiv zu testen.

 

800 Meter Langsprint mit globaler Topzeit

In dem bis zuletzt packenden Vier-Runden-Gefecht der insgesamt 14 schnellen Beine verpasste Marc Reuther den erhofften deutschen 800-Meter-Rekord (1:44,88 Minuten deutscher Rekord und Europarekord des Berliners Nico Motchebon, 1995 in Stuttgart aufgestellt) allerdings deutlich. Am Ende kämpfte sich der 24-Jährige mit sehr guten 1:46,21 Minuten unangefochten ins Ziel, zeigte sich aber sichtlich enttäuscht. Schließlich siegte der Eintracht Frankfurter im Vorjahr in der Hartwig-Gauder-Halle mit international überaus beachtlichen 1:45,3 Minuten; Platz zwei der ewigen deutschen Bestenliste. Seit Olympiasieger Nils Schumann war in den vergangenen 18 Jahren kein Deutscher in der Halle schneller gelaufen.

Kein Wunder, dass Reuther während des letzten Winters einer der besten 800-Meter-Läufer der Welt war und auch bei den deutschen Freiluft-Meisterschaften in Braunschweig im August 2020 zum nationalen Titel stürmte. Für den Dresdner Karl Bebendorf avancierte das Indoor-Meeting insgesamt zur optimalen Gelegenheit, sich im Fahrtwind von Reuther bestens zu platzieren. Zum Rennverlauf: Der Club der sieben nicht nur verbal selbstbewussten Mittelstreckenläufer, der die erste Runde in schnellen 25:26 Sekunden passierte, wurde zunächst durch den Leipziger Robert Farken angeführt.

800 Meter Hallen-EM-Ticket für Deutschen Hindernismeister Karl Bebendorf

Dichtauf, quasi in Tempomacher Farkens Schlepptau, folgte Favorit Mark Reuther, ebenfalls aus Leipzig angereist und wie Farken von Maik Dreißigacker (ehemaliger „DDR“-Spitzenläufer mit einer 1.500 Meter Freiluft-Bestzeit von 3:39,05 Minuten) trainiert. Mit raumgreifenden Schritten und markantem Kniehub zeigte Reuther in gut 51:15 Sekunden Durchgangszeit über die 400 Meter und beim Passieren der 600 Meter Marke in 1:18,42 Minuten, dass er sich den Sieg auf keinen Fall nehmen lassen wollte. Auf den letzten 50 Metern biss auch Karl Bebendorf noch einmal die Zähne zusammen, rückte auf Position zwei auf, musste sich aber schließlich vor dem 1.500 Meter-Spezialisten Marius Probst (TV Wattenscheid 01) geschlagen geben, der auf den letzten 15 Metern an Stärke gewinnend, mit 1:46,99 Minuten Zweiter wurde.

Doch auch die 1:47,33 Minuten signalisierten für Hindernis-Ass Karl Bebendorf (Dresdner Sport Club 1898) einen so schnellen Rennverlauf, der am Ende mit persönlicher Bestzeit und  dem Ticket für die Hallen-Europameisterschaften belohnt wurde. Auch wenn Marc Reuthers 1:46,21 Minuten letztlich nicht die hochgesteckten Erwartungen des Dreißigacker-Schützlings erfüllten, zeigt das Endergebnis in der sportlichen Gesamtschau dennoch, dass das 800-Meter-Ass Reuther mit durchaus pfeilschnellem Ergebnis ins Olympia-Jahr startet. Schließlich rangieren die durch den hochgeschossenen Langsprinter realisierten 800 Meter unter Experten als absolute Hallen-Weltklasse-Zeit, die das Erfurter Hallen-Meeting dann auch insgesamt krönten.

Militärathletin Gesa Felicitas Krause durchstößt 2:07-Minuten-Schallmauer

Einen Ausflug über die 800 Meter Unterdistanz wagte auch die Sportsoldatin und zweifache 3.000 Meter Hindernis Europameisterin Gesa-Felicitas Krause. Ein läuferischer Trip in schnelle Gefilde, der sich aus dem Blickwinkel der Hindernisspezialistin am Ende wirklich gelohnt haben dürfte, um gehörig Speed für die längeren Hallenstrecken zu tanken. Ein ebenso spannendes 800 Meter Finale versprach allein schon die Anwesenheit der 800 Meter-Spezialistin, der studierten Sportwissenschaftlerin und Militärathletin Christina Hering von der LG Stadtwerke München, komplettiert durch die nicht weniger zu beachtende Münchner Vereinskameradin Katharina Trost – 2019 Deutsche Hallenmeisterin. Hering wie Trost durchaus als Favoritinnen geltend, konnten ihre Stärken allerdings nicht gegen die bravourös laufende Tanja Spill von der LAV Bayer Uerdingen/Dormagen ausspielen.

Den entscheidenden Auftakt zum Sieg läutete Spill in der letzten 200 Meter Runde ein – wie per Kick-down beschleunigt, schaltete Spill eingangs der letzten 100 Meter mit unwiderstehlicher Explosivität den sechsten Gang nach oben und zog mit fast spielerischer Eleganz an ihrer gefährlichsten Konkurrenz, den beiden Münchnerinnen, vorbei. Beim überraschenden Ausgang des Frauen-Rennens mit der Spill-Zeit von 2:03,25 Minuten, wurde Kranz in 2:03,86 Minuten immerhin noch Zweite vor Vereinskameradin und Sportsoldatin Hering, die in 2:03,86 Minuten auf Rang drei landete. Mit Rang sechs in 2:06,76 Minuten konnte sich 3.000 Meter Hindernis-Europameisterin Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier) innerhalb von zwei Tagen um über eine Sekunde verbessern – definitiv ein erfolgreicher Tempo-Test für die Olympiaambitionierte von der Bundeswehr Sportfördergruppe in Mainz, denn mit ihrer Sechstplatzierung durchstieß die Hessin in persönlicher Bestzeit erstmals die 2:07:00 Minuten Schallmauer.

Hindernis-Ass Martin Grau erneut unter acht Minuten

Die 15 Runden der 3.000 Meter Flachstrecke wurden dann wieder von einem Bundeswehr-Sportler dominiert. Hier gingen Gold und Silber zudem an Hindernis-Spezialisten des Top Teams Thüringen, die das Rennen läuferisch fest in ihrer Hand hielten. Sportsoldat und 3.000 Meter Hindernis-Ass Martin Grau überzeugte klar in 7:59,83 Minuten und mit recht deutlichem Vorsprung vor dem ebenso staatssportgeförderten Thüringer Polizeibeamten Tim Stegemann, der in guten 8:06,90 Minuten finishte.

Globale Wurfmacht Marke Erzgebirge

Weitere Einblicke in den kontinuierlichen Formanstieg vieler Militär-Leichtathleten lieferte der Kältemonat Februar dann am laufenden Band. Nicht nur die Laufdisziplinen überzeugten, sondern auch beim Kugelstoßen und im Stabhochsprung gab es viel Erfreuliches zu beobachten. Beim nationalen Kugelstoß-Special in Chemnitz/Rochlitz, knapp vor Februar-Start, ließ Christina Schwanitz gleich beim ersten Versuch aufhorchen: 19,11 Meter weit flog ihr stählernes Rundgeschoss. In 2020 verletzungsbedingt ausgefallen, sei ihr „ein Stein vom Herzen gefallen“. Ihre Über-19-Meter-Weite, ein konkurrenzfähiger Auftakt also, der sie auf Anhieb in die Weltspitze katapultierte. Erfreulich auch die weiteren Ergebnisse der beiden Kugelstoß-Kader-Frauen mit der Hallenserin Sara Gambetta (18,18 Meter) und der aufstrebenden Erzgebirgerin Katharina Maisch (18,12 Meter), die damit eine ostdeutsche Kugelstoßmacht repräsentieren; insgesamt Rang fünf, 17 und 21 der aktuellen World Athletics Weltrangliste. Die drei schweren Leichtathletinnen sind Sportsoldaten der einzigen Sachsen-Sportfördergruppe in Frankenberg und als kampfstarkes Dreierteam für die Europameisterschaften in Polen nominiert.

Formstabil: Höhenjäger Torben Blech konstant über 5.80 Meter

Weltklasse-Leichtathletik präsentierten Anfang Februar wieder einmal die Sportmetropolen Düsseldorf und Berlin mit dem Auftritt von Deutschlands neuem Überflieger Torben Blech. Beim Istaf-Duell an der Rheinmetropole katapultierte sich der Höhenstürmer mit 5,86 Metern zur neuen persönlichen Hallenbestleistung, insgesamt seinem dritten Überflug zur EM-Norm in Polen. Der Sportsoldat, der sich beim Spreeathener Partner-Istaf unter Kölner Karnevals-Klängen erneut in neue Sphären schwingen wollte, glänzte schließlich formstabil mit übersprungenen 5,80 Metern – allerdings in Abwesenheit des absoluten schwedischen Ausnahmetalents und Weltrekordlers Armand Duplantis. Weitere Highlights bescherte die Berliner Mercedes-Benz Arena beim 60 Meter Sprint der Frauen und beim 60 Meter Hürdenstakkato der Männer.

Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Luxemburg, Rochlitz: Kältemonat Februar im Zeichen der Leichtathletik

Auf der kürzesten Flachstrecke bot Lisa Meyer, die studierte Germanistin und Geographin (Sportstipendiatin des Jahres 2016), mit ihrem international beachtlichen zweiten Rang einen sehr guten Saisoneinstieg. Die Sportsoldatin vom Sprintteam Wetzlar, die zwar keinen guten Start erwischte, kam dennoch sprintstark ins Rennen und ließ die elektronische Zeitmessung bei 7,26 Sekunden stoppen. Auf der schnellen Berliner 60 Meter Hürdenpiste schob sich der langgediente Sportsoldat Erik Balnuweit (TV Wattenscheid 01) mit exzellenten 7,70 Sekunden ins Ziel, Rang drei in einem erlesenen Konkurrenzumfeld, das der US-Amerikaner Aaron Mallett in 7,64 Sekunden dominierte. Der Lohn, der auf die Hundertstel realisierten EM-Norm: Das vierte Hallen-Europameisterschafts-Ticket des nun schon 32-Jährigen Hürdensprinters von der Sportfördergruppe im sächsischen Frankenberg! Über die gleiche Distanz zeigte auch Sportsoldatin Ricarda Lobe (MTG Mannheim) mit 8,19 Sekunden und Saisonbestzeit aufstrebenden Formanstieg.

Innovative 2.000 Meter Hindernis: Gesa Felicitas Krause glänzt auf Indoor-Special

Nur zweit Tage später, beim vierten Indoor-Event in Dortmund, überzeugte Sportsoldatin Gesa Felicitas Krause bei einem innovativen Extra-Rennen mit der Klasse-Leistung von 6:02,60 Minuten über die 2.000 Meter Hindernis. Die längst zum schnell laufenden Meeting-Inventar zählende Militärathletin bewies auf dem wassergrabenlosen Hallenrund des improvisierten Hindernisparcours ihre aufstrebende Form, mit der die Doppel-Europameisterin das Tokioter Olympiajahr erstmals disziplinspezifisch einläutete. Im Übrigen ein echtes Dortmunder Hallen-Hindernisdebüt, dass sich auch die männliche Konkurrenz wünschen würde, wie der Deutsche Hindernismeister Karl Bebendorf gegenüber dem Berliner Sportjournalisten Volker Schubert äußerte. Zum Extra-Reglement gehört, dass die Hindernisspezialisten in jeder der 15 Runden zwei auf den beiden Geraden aufgebaute Balkenhindernisse überwinden müssen – wohl eine echte topsportliche Bereicherung für die nationalen wie internationalen Hallenmeetings.

Mitte Februar präsentierten sich Gesa Felicitas Krause und Karl Bebendorf sowie drei weitere Sportsoldaten beim Indoor-Meeting in Luxemburg nochmals mit erfreulich stabiler wie aufsteigender Formkurve. In einem packenden 1.500 Meter Rennen, das mit 12 internationalen Mittelstrecken-Spezialisten recht exklusiv besetzt war, finishte der Dresdner Hindernisläufer in beachtlichen 3:40,88 Minuten auf Rang vier – errang damit sein zweites EM-Ticket für Polen. Mit gleicher Platzierung und 4:11,68 Minuten im Ergebnis, kassierte Doppel-Europameisterin Gesa Felicitas Krause ebenfalls die Fahrkarte zur Polen-EM. Mit Siegeslorbeer ging es weiter: Die Deutsche 800 Meter Meisterin Christina Hering konnte sich im achtköpfigen Frauenfeld in 2:03,17 Minuten als Schnellste durchsetzen. Siegesruhm auch für 60 Meter Hürdenspezialistin Ricarda Lobe, die die europäischen Konkurrentinnen bereits im Vorlauf sowie im Finale mit zweimalig exakt gemessenen 8,26 Sekunden auf die Plätze verwies.

Vom Schnelltest auf die Kunststoffbahn

Die Deutschen Leichtathletik Hallen-Meisterschaften in Dortmund am vorletzten Februar-Wochenende stellten nochmals „eine wichtige Standortbestimmung auf dem Weg nach Tokio“ dar, so DLV-Chefbundestrainerin Annett Stein zwei Tage vor Wettkampf-Start. Und zwar inklusive der letztmaligen Chance, sich für die Hallen-EM in Polen qualifizieren zu können. Mit dem Verzicht des Sprinter-Asses Julian Reus standen dem Deutschen 100 Meter Meister, dem Sportsoldaten Deniz Almas von der Sportfördergruppe Frankenberg, wie im Jahr zuvor die Titel-Tore zum deutschen 60-Meter-Schnellsten erneut weit offen. Doch der erhoffte Beschleunigungseffekt für den Endlauf blieb dem Militärsprinter vom VfL Wolfsburg mit seinen 6,70 Sekunden definitiv versagt. Hier dominierte Kevin Kranz das Feld in überragenden 6,52 Sekunden und egalisierte damit gleich mal den deutschen Hallenrekord von Julian Reus.

Lichtgestalt im Corona-Dunkel

Der 22-Jährige Topathlet, der sich als Kommissar-Anwärter des Dualen Studiums der Polizei Hessen aus Dauerfrust über den Exekutivbeamtenjob nach zweieinhalb Jahren exmatrikulieren ließ, startet für das Sprintteam Wetzlar nun mit einen 20.000 Euro Staatsschulden-Paket im Profisprint-Tornister – einer 30-prozentigen Rückzahlungsverpflichtung seiner bisherigen Anwärter-Alimentierung. Kein wirklicher Dank des Staates für international topsportliche Leistungen, denn Kevin Kranz ist aktuell die Nummer drei der World Athletics Weltrangliste und damit Europas Schnellster, der in Richtung Hallen-EM nun eindeutige Medaillen-Ambitionen angemeldet hat.

Goldlorbeer erntete sportmilitärischer Neuzugang der Frankenberger Olympiaschmiede: Sachsens Sportfördergruppen-Chef Jan Fiedler schaute entsprechend stolz auf den ersten 17-Meter-Satz seines frischen Chemnitzer Schützlings Max Heß. Eine Saisonbestleistung nach Maß, die der ostdeutsche Dreispringer bei seinem nun schon fünften Hallentitel darbot – aktuell Rang zwei in Europa und damit natürlich ein Dreifachsatz mit Polen-Ticket zur Hallen-EM im Nationaltrikot. Dort wolle er Gold, mindestens aber die Silbermedaille anvisieren, so der hochgeschossene Blonde mutig. Auch seine Disziplinkameradin, die Sportsoldatin und Jurastudentin Neele Eckhardt setzte ihre Favoritenrolle in die Tat um. Mit 13,85 Metern flog die Dreispringerin von der LG Göttingen zum nationalen Titel – ein 14-Meter-Sprung damit in greifbarer Nähe und gewiss ein ebenso ambitionierter Weiten-Fokus mit Blick auf die Polen-EM.

Ihre mittlerweile sechste Habenbuchung verzeichnete die WM-Dritte Christina Schwanitz. Mit 18,87 Metern landete ihre Kugel nun schon fast fahrplanmäßig bei Hallen-DM-Gold. In Zeiten des Corona-Wahnsinns, so die Frankenberger Sportsoldatin von der LV 90 Erzgebirge, fände sie „die Weite in Ordnung“. Bei der Hallen-EM will die wurfstarke Sächsin ihren Rang zwei in Europa auf jeden Fall bestätigen. Sein Gold-Abonnement zog auch Erik Balnuweit. In konstanten 7,70 Sekunden bestätigte der Frankenberger Sportsoldat (TV Wattenscheid 01) die EM-Norm erneut und ließ sich dabei mit Titel Nummer acht als deutscher Hürden-Sieger feiern. Eine gleichwohl beachtliche Form präsentierte auch Sportsoldatin Ricarda Lobe, die mit 8,19 Sekunden ihrer Favoritenrolle für die MTG Mannheim gerecht wurde.

Dortmunds sanierte Halle: Neues Tempodrom der Leichtathleten

Reichlich Fortune und Soldatenglück erntete auch Hindernis-Europameisterin Gesa Felicitas Krause, die im 1.500 Meter Rennen eine glänzende Visitenkarte ablieferte. Hier spurtete die Sportsoldatin mit Bravour an ihrer Spezialisten-Konkurrenz vorbei, schlug am Ende der letzten Runde keine Geringere als die WM-Teilnehmerin Caterina Granz und das 800-Meter-Ass Katharina Trost und stürmte so zu ihrem ersten deutschen 1.500 Meter Meistertitel – 4:12,84 Minuten ihre Siegerzeit nach einem taktisch überaus knisternden Rennverlauf. Hochspannung bis zum Schluss bot auch das 1.500 Meter Finale der Männer, in dem der Deutsche Hallenrekordler und Ex-Sportsoldat Homiyu Tesfaye (TSV Pfungstadt) schon uneinholbar enteilt zu sein schien. Beim letzten Männer-Rennen der 68. Hallen-DM wendete sich das Blatt in der Schlussrunde schließlich entscheidend.

Während Tesfaye mit knapp 15 Metern Vorsprung beim Glockenschlag eingangs der letzten 200 Meter schon vermeintlich zum Siegeslauf paradierte, schaltete Marius Probst plötzlich auf Vollgas und beschleunigte ebenso durchgängig wie unwiderstehlich. Auf dem Zielstrich schlug die blitzartig angetretene Attacke des TV Wattenscheiders mit 3:40,80 Minuten in siegentscheidendem Minimalabstand ein – 18 Hundertstel vor Sportreservist und Vizemeister Tesfaye. Auch um Bronze wurde hart gefightet. Hier erstritt sich der Dresdner Karl Bebendorf vor Marvin Heinrich ebenfalls in der Schlussrunde den begehrten Medaillenplatz in 3:43,77 Minuten. Ein wirklich achtbares Resultat für den Dresdner Hindernisspezialisten, der bei der EM in Thorn taktisch nichts anbrennen lassen will.

DLV-Pandemie-Schutz: Nationaler Vorbildcharakter

Covid19-Positiv-Testungen zu 100 Prozent negativ, lautete schließlich das Fazit des nationalen Hallenhöhepunkts, bei dem an beiden Wettkamptagen rund 1000 Schnelltests vorgenommen wurden. Ein extern bestellter Hygiene-Beauftragter kontrollierte die strikte Einhaltung sämtlicher Hygienemaßnahmen. Das Gesundheitskonzept des DLV sei „voll und ganz aufgegangen“, kommentierte folglich auch DLV-Chef Jürgen Kessing nicht ohne Stolz in der Stimme. Schon in der „Late Season“ des letzten Sommers, habe der DLV verifizierbar bewiesen, dass Sportevents Corona-sicher stattfinden können, so der DLV-Präsident weiter. Angesichts der Corona-Pandemie habe der DLV ein umfassendes Hygiene-Regime erarbeitet, das deutschlandweit Vorbildcharakter besitze, wie Idriss Gonschinska den hohen Sicherheitsgrad lobte. In Corona-Zeiten sei die erfolgreich durchgeführte Hallen-DM beispielgebend, unterstrich der DLV-Generaldirektor, der in den gesammelten Basiserfahrungen wichtige Wegmarken wie entscheidende Perspektiven zur planmäßigen Öffnung des Amateur- wie Breitensports im Freien, in Vereinshallen sowie in Fitnessstudios erblickt; ebenso wie zwischenzeitlich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, wie der CSU-Politiker jüngst auch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur durchblicken ließ.

Text: Volker Schubert

Fotos: Volker Schubert; Thomas Gentzel; Benjamin-Heller

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