Europameisterschaft im Kanu-Slalom 2021 Ivrea (ITA)

K1-Herren holen EM-Silber – Canadier-Boote verpassen Podest knapp

Nach einem fast fehlerfreien Lauf haben die deutschen Kajakfahrer bei den Europameisterschaften im italienischen Ivrea Silber im Team-Wettkampf geholt. Dabei war die Mannschaft in dieser Konstellation mit Sportsoldat Hannes Aigner, Sportsoldat Tim Maxeiner und Stefan Hengst noch nie an den Start gegangen. Noch nicht einmal zu dem geplanten Trainingslauf ist es gekommen, da sich Maxeiner kurz vorher eine kleine Kopfverletzung zugezogen hatte. Gold sicherte sich Tschechien mit 1,62 Sekunden Vorsprung. Auf den dritten Platz paddelte Großbritannien. Alle fünf Erstplatzierten erlaubten sich lediglich eine Torstabberührung.

„Ich freue mich sehr, dass ich zwölf Jahre nach meiner letzten Team-Medaille – Silber in Nottingham 2009 – wieder auf dem EM-Podium stehe“, sagte der Wiesbadener Maxeiner. „Die Kajak-Herren-Mannschaft ist immer auch ein Gradmesser für den Leistungsstand einer Nation im Kajak-Bereich. Von daher freue ich mich, dass wir unsere Disziplingruppe gut vertreten konnten.“ Und tatsächlich, nur zwei Strafsekunden bei einem Teamwettbewerb mit 25 Toren ist eine Leistung und zeigt aber auch, auf welchem Niveau die internationale Konkurrenz ist. „Mit Silber im Team und dem Ergebnis von gestern bin ich mehr als happy und denke, dass es ein Superstart in die Europameisterschaft und die kommende Saison ist“, resümierte Hengst. Der Hammer hatte sich am Donnerstag sich für das EM-Halbfinale im Einzel qualifiziert. Auch der Olympia-Starter Aigner zeigte sich zufrieden: „Dafür das wir unsere Positionen im Training nicht testen konnten, ist es ganz gut gelaufen“, sagte der Augsburger.

Das Podium mit Platz vier knapp verpasst haben die Canadier-Damen und -Herren. „Ich ärgere mich natürlich sehr über meinen Fehler, weil das der Mannschaft die Medaille gekostet hat. Aber trotzdem hat es einen Riesenspaß gemacht und ich hoffe, wir bekommen zur WM nochmal die Chance, es besser zu machen“, resümierte Lena Stöcklin. Die Leipzigerin war mit den beiden Sportsoldatinnen, der Olympia-Starterin Andrea Herzog, und Elena Apel aus Augsburg an den Start gegangen. Gold, Silber und Bronze gingen an die Slowakei, Großbritannien und Frankreich. Die deutschen Herren mit dem Augsburger Sideris Tasiadis, Franz Anton aus Leipzig und dem Zeitzer Timo Trummer mussten sich der Slowakei, Italien und Slowenien geschlagen geben.

Das deutsche K1-Team mit der Bad Kreuznacher Olympia-Starterin Ricarda Funk, Elena Apel und Cindy Pöschel belegte Platz sechs. „Uns ist es nicht gelungen, auf der Linie zu bleiben, wodurch wir wertvolle Zeit auf der gesamten Strecke verloren haben, weshalb wir am Ende auf einem Platz im Mittelfeld landeten“, erklärte die Leipzigerin Pöschel, die am Tag zuvor das Qualifikationsrennen im Einzel gewonnen hatte.

Sportsoldatin Ricarda Funk holt Bronze

Jubel im deutschen Team. Ricarda Funk hat bei im Kajak-Einer Bronze gewonnen. Es war ein nervenaufreibender Kampf und eine Fahrt mit Pleiten, Pech und Pannen. Nach einem Supereinstieg blieb sie etwas mit dem Paddel hängen, dann Zittern, ob sie eine Passage meistert. Und zweimal wackelte auch ein Torstab. „Das hat mich schon ganz schön geärgert.“ Und zum Schluss hat die Bad Kreuznacherin noch so viel Wasser geschluckt, „dass ich nicht mehr richtig atmen konnte“, erzählt die Olympia-Starterin. „Aber jetzt bin ich happy und erleichtert.“

Siegerehrung im Kajak-Einer: Gold für Corinna Kuhnle (AUT), Silber für Eva Tercelj (SLO) und Bronze für Sportsoldatin Ricarda Funk.

Die zweite deutsche Finalistin, Sportsoldatin Elena Apel, verpasste leider ein Tor. Dennoch zeigte sie sich zufrieden, nach so einer langen Wettkampfpause wieder in einem internationalen Finale gestanden zu haben. „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Leider habe ich Tor 14 leicht zu knapp befahren und nachträglich 50 Strafsekunden bekommen. Am Ende war ich trotzdem stolz so einen Lauf nochmal runtergebracht zu haben.“

Olympia-Ticket und zweimal Bronze am zweiten Finaltag

Dramatik bis zum letzten Lauf. Am Ende kann das deutsche Team jubeln. Canadier-Fahrer Sideris Tasiadis aus Augsburg sichert am letzten Tag der Kanuslalom-Europameisterschaften das Olympia-Ticket. Zudem gewann er Bronze hinter dem Franzosen Denis Gargaud Chanut und Matej Benus aus Slowenien. Der Sieg ging an die Spanierin Miren Lazkano und die Tschechin Teres Fiserova.

Polizeimeisteranwärter Sideris Tasiadis holte Bronze im Canadier Einer.

Im Kampf um den Olympia-Quotenplatz waren die Russen bereits im Halbfinale ausgeschieden, doch die Italiener mit Raffaelo Ivaldi und Roberto Colzangari präsentierten sich auf ihrer Heimstrecke bärenstark. Zudem kam größte Konkurrenz aus dem eigenen Team mit Franz Anton. Der Leipziger zeigte bereits einen sehr guten Halbfinallauf. „Es war schwierig, fokussiert zu bleiben“, sagte Tasiadis. Sein Motto: „Alles oder nichts. Ich bin ein hohes Risiko eingegangen. Wenn ich das nicht gemacht hätte, hätte ich mir das nie verziehen. Als ich im Ziel war, habe ich gesehen, dass die Zeit gut war. Aber nicht so, wie ich sie mir erhofft hatte.“ Doch dann hieß es warten. „Was mich fertig gemacht hat, hier vor der Leinwand zu stehen und zuschauen wie die anderen runterfahren.“ Das Glück war auf seiner Seite: Colzangari, der als Halbfinal-Schnellster zuletzt in das Finale startete, zeigte am Ende Nerven.

Jubel auch bei Elena Apel, die als einzige C1-Finalistin einen starken Lauf zeigte. Dass es am Ende zu Edelmetall reichte, überwältigte die 22-jährige Sportsoldatin. Vor allem, weil zunächst die letzte Starterin im Finale, die Britin K Woods auf Platz drei paddelte, doch kurze Zeit später erschien ein Strafwertung. Sie selbst registrierte das gar nicht mehr, ihre Mannschaftskollegen und natürlich Vater und Trainer Thomas Apel rannten ihr hinterher und überbrachten ihr die Nachricht, woraufhin Apel in Freudentränen ausbrach. „Mein Lauf war echt krass. Zwar hat einmal das Wasser nicht ganz gemacht, was ich wollte. Da habe ich aber so schnell reagiert, dass ich bis jetzt noch nicht fassen kann, dass ich da so reagiert habe“, erklärt die Augsburgerin. „Und dann hatte ich mich erst einmal mit dem vierten Platz abgefunden. Und auf einmal bin ich Dritte. Ich kann es noch gar nicht so richtig glauben, weil die Strecke so schwer war.“

Sportsoldatin Elena Apel freute sich ebenfalls über Bronze im C1.

Für C1-Paddler Franz Anton lief es im Finale nicht wie gewünscht. Der Leipziger ließ zu viel Zeit auf der Strecke, hinzu kam eine Strafwertung, sodass er am Ende Achter wurde. „Es war von allen Athleten ein sehr starkes Finale. Mit einer Berührung und einem kleinen Fahrfehler ist man bei so einem starken Finale gleich hinten dran“, sagte der 31-jährige.

Für Olympia-Starterin Andrea Herzog war im Halbfinale Endstation. Sie berührte zwar keinen Torstab, aber verlor auf der Mitte der extrem schwierigen Strecke zu viel Zeit. Als Halbfinal-13. verpasste sie damit den Finaleinzug. Dennoch, so sagt die 21-jährige, sei sie nicht komplett unzufrieden. „Von der Geschwindigkeit her bin ich ganz gut dabei und kann bei den Großen so mithalten. Aber ich habe leider in fast allen Läufen hier kleinere und größere Fehler gemacht. Und die größeren sind momentan ein bisschen zu groß, sodass es nicht fürs Finale gereicht hat. Daran muss ich jetzt arbeiten.“ Deshalb freut sich die Leipzigerin, dass sie noch zwei Weltcups fahren wird, die sie nutzen will, ums sich zu verbessern, „um auf dem Weg zu Olympia ein bisschen Selbstbewusstsein zu tanken und mit einem guten Gefühl an den Start zu gehen.“ Die Zeit bis zum Großereignis will Herzog jetzt intensiv nutzen.

Ebenfalls im Halbfinale ausgeschieden war ihre Leipziger Vereinskollegin Lena Stöcklin. „Sehr schade, weil es bis Tor 13 echt komplett in Ordnung war. Ich habe mich wirklich gut gefühlt, und das muss ich mitnehmen. Ich freu mich sehr auf die nächsten Wettkämpfe in der Hoffnung, dass ich es dann endlich mal schaffe meine Leistung aus dem Training auch in einem Wettkampf zu zeigen“, sagte die 30-jährige. Sie nehme den Wettkampf als eine wichtige Erfahrung mit und glaubt, auf einem guten Weg zu sein.“

Das Halbfinale ebenfalls nicht erreicht hatte der Zeitzer Timo Trummer. Dennoch war der 25-jährige zufrieden mit seiner Leistung. „Ich habe meine Chance nicht null gesehen. Aber ich wusste, dass Sideris und Franz die deutlich stärkeren Kandidaten sind.“ Der Zeitzer ist froh, dass Sideris es geschafft hat, „ohne deutschen Startplatz bei Olympia in unserer Kategorie wäre es wirklich schade gewesen.“ Der Zeitzer sieht optimistisch in die Zukunft, „ich gehe gestärkt in die nächsten Rennen. Ich habe auf jeden Fall viel Erfahrung gesammelt.“

Text und Fotos: Uta Büttner

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